Bierfreunde Alstertal

KEIN APPLAUS FÜR SCHEIßE. SEIT 2007.

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Jul 10

Schlusspfiff auf dem Platz – Aber die WM geht noch weiter!

Südafrika – die WM ist vorbei, vier Wochen lang wurde das größte Sportereignis der Welt zelebriert und Südafrika gibt den Pokal und die damit große Verantwortung weiter nach Brasilien. Sechs Jahre hatte das Land sich auf diesen Moment vorbeireitet, es wurde geplant, gebaut und vor allem wurden keine Kosten gescheut  um den großen Erwartungen des eigenen Landes und besonders die der FIFA gerecht zu werden.
Doch was bleibt am Ende eigentlich? Mit welchem Eindruck verabschiedet sich Südafrika vom Präsentierteller? Ist die Weltmeisterschaft ein Erfolg? Hat sie positive nachhaltige Auswirkungen auf das Land und dessen gesamte Bevölkerung? Sind nach der WM alle Gewinner oder gibt es auch Verlierer, die ratlos im Abseits stehen und gar enttäuscht oder wütend vom Platz gehen?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich die Hände. Wer hat alles noch gewonnen und wer hat verloren?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich zufrieden die Hände. Südafrikas Staatsoberhaupt Jacob Zuma ist ebenso auf dem Siegerbild. Doch sieht der eher aus als würde er gleich zu Boden fallen. Bedeutet(e) die WM in Südafrika ein Erfolg für das ganze Land?

Die FIFA als Retter der Welt

Es wurde viel getan, der Druck von Außen war enorm, Südafrika wurde als Sorgenkind bezeichnet, eine WM in Afrika, das wäre zu früh. Wo Menschen noch mit Pferden durch die Straßen ziehen, wo ein Großteil der Bevölkerung noch in Wellblechhütten lebt und mit der Hand wäscht, dort solle wirklich eine Weltmeisterschaft stattfinden?
Es wurde kontrovers als die FIFA den Pokal nach Südafrika gab, eine Weltmeisterschaft bedeutet Verantwortung und Organisation. Das Know How ist von enormer Bedeutung.
Um das Know How musste Südafrika sich jedoch nur wenig Sorgen machen, das brachte die FIFA mit, ein im Preis enthaltener Service sozusagen. Denn die Richtlinien sind wie auf dem Sportplatz genau gezogen, die FIFA bietet kaum Spielraum wenn es darum geht den Verlauf und das Drumherum der großen Spiele, also die  Weltmeisterschaft zu planen. Die FIFA macht in ihrer Behandlung nur wenig Unterschiede in Hinblick auf den Gastgeber und auf einmal war es wieder unwesentlich das Südafrika ein Schwellenland ist. Ein Land mit Potential aber eben auch mit Problemen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht.
Wenn man also ein solch bedeutsames Event in ein Schwellenland vergibt sollte man doch meinen damit auch entwicklungsbedeutsame Aspekte setzen zu wollen, einen Zweck zu verfolgen, in diesem Falle Südafrika eine Chance zu bieten um mit diesem sportlichen Ereignis etwas auch neben dem Platz zu bewirken. Und natürlich war es genau das was die FIFA mit dieser Weltmeisterschaft bezwecken wollte, eine WM in Südafrika als persönliches Entwicklungsprojekt. Stolz wurde verkündigt das jeder einzelne Südafrikaner von dieser Weltmeisterschaft profitieren würde. Die FIFA als wohltuender Entwicklungshelfer sprach von einem bevorstehenden Aufschwung in gesellschaftlicher aber auch wirtschaftlicher Hinsicht.
Wunderbar, schöne Musik für die Ohren aber die Augen sagen dann doch etwas anderes und auf einmal riecht es ganz und gar nicht mehr nach der versprochenen nachhaltigen Entwicklung. Seitens der FIFA mit einem Eigenkapital von einer Milliarde Euro gab es keine Subventionen und somit keine besondere Behandlung. Nein, es wurde im Gegenteil sogar vorgeschrieben was alles wo und wie viel investiert werden müsse.
Der Staat, also (nachträglich) der Steuerzahler investierte über dreiunddreißig Milliarden Rand (3,3 Milliarden Euro) in den Bau von Stadien, den Ausbau der Infrastruktur und polierte so Südafrika auf, damit es für einen Monat im Mittelpunkt der Welt ein schönes Bild erzeugen würde. FIFA geprüft mit FIFA-Stempel eben.
Die dritte Welt verschwand hinter einem glitzernden Vorhang und die erste wurde glänzend ins Rampenlicht gestellt. Und um den Entwicklungshelfer zu spielen besuchte FIFA Präsident Blatter Townships, lächelte stolz in die Kamera und verteilte Fußbälle. Welch großes Herz dieser Mann doch besitzt. Ist jedoch mal keine Kamera zur Stelle dann ist sieht es auch schon wieder weniger herzlich aus. Bettler werden von den Straßen vertrieben, Straßenhändler dürfen in der Umgebung der Stadien keine Geschäfte machen und Armut und Hilflosigkeit verschwinden plötzlich von der Bildfläche, es sieht fast so aus wie in Europa und man fühlt sich auch so.
Die Menschen haben die FIFA Regierung gespürt und viele sind wütend darüber, dass diese das Land komplett übernommen hat.
Der Fifa-ismus überschwemmte das Land, Sponsoren bestimmten den Markt und noch um 24 Uhr Nachts hatte der FIFA Fanshop an Kapstadts Waterfront geöffnet, um unteranderen  die weltbeliebten Vuvuzelas für erschwingliche 11 Euro das Stück fair zu vertreiben. Lärmmachendes Plastik aus China mit FIFA Druck.
Im Gegenzug hatte sich jedoch schon bald eine kleine Protestbewegung gebildet und hin und wieder begegnet man Typen in gelbgrünen T-Shirts mit der wunderschönen Aufschrift „Fick Fufa“.

Eine Regenbogennation als ganzer Kontinent

Südafrika – ein Land mit einer großen Geschichte. Eine Gesellschaft die viel erlebte und sicherlich noch immer für den gemeinsamen Frieden eine Menge leisten muss. Elf Sprachen, neun Provinzen, drei Hautfarben und obendrauf eine Vergangenheit die es schwierig macht eine gemeinsame gerechte Zukunft für alle zu gestalten. Es war Nelson Mandela der den ersten Schritt auf dem Pfad der Freiheit und Gerechtigkeit tat, ein langer Weg, der nur geschafft werden könne, wenn der Vergangenheit mit Vergebung gegenübergestanden werde, ohne jegliche Rache, sondern gemeinsam als eine tolerante Nation für eine neue friedvolle Zukunft.
Dieser Weg ist nach mittlerweile sechzehn Jahren noch lange nicht gegangen und noch immer hat Südafrika große Probleme sich als eine einheitliche gemeinsame Nation zu definieren.
Der Rassismus ist noch nicht ausgestorben und besonders die riesige Kluft zwischen arm und reich schürt die Urteilsfindung und macht es natürlich schwer ein Gemeinschaftsgefühl für die gesamte Gesellschaft zu entwickeln.

Erlebnisse die einander verbinden werden dringend gebraucht und damit war die Weltmeisterschaft eine Chance für eine Art Schlüsselerlebnis welches helfen könnte sich als ein gemeinsames Land zu erkennen, das Interesse zu wecken andere Sichtweisen und Kulturen kennenzulernen und vor allem Toleranz und Stolz für- und miteinander zu entwickeln.

Vor 4 Wochen ertönte ein Pfiff in Johannesburg, ein Pfiff der den Startschuss für etwas neues aufregendes bedeutete. Die Fußballweltmeisterschaft war eröffnet und auf einmal hieß es „Bafana Bafana, make the circle bigger!“ Ein Land im Rausch, im Fußballfieber, farbenfroh und voller Erwartungen. Nicht nur gefüllt mit Erwartungen an die eigene Mannschaft sondern vor allem auch an die Zukunft. Ein Wir-Gefühl kam mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land und auch die sonst hartgesockenen weißen Rugbyfans trugen Südafrikatrikots und fieberten um einen Sieg.
Der eigentliche Sieg ergab sich nicht gegen Frankreich, sondern überall in guter Laune neben dem Platz.
Trotz des frühen Ausscheidens nach der Vorrunde haben sich die Südafrikaner auch die ganze restliche WM über mit Stolz präsentiert, es war ein Gemeinschaftsgefühl das alle ein Stück weiter miteinander verbunden hat. „We are out with proud“ hieß das Motto der Südafrikaner. Angereiste Fans waren und sind im Südafrika Fieber und sind fasziniert von dem Spirit und vor allem der Freundlichkeit der hier lebenden Menschen, mit der man immer wieder in Berührung kommt.
Das Land hat gezeigt was es leisten kann, wie viel Potential es hat und was es alles bewirken kann. Südafrika ist ansteckend, jeder der einmal dort war weiß wovon ich spreche.
Eine Weltmeisterschaft kann sicherlich kein Aids heilen, sie kann auch keine Millionen Jobs schaffen und die große Armut bekämpfen, aber sie kann einen Startschuss für etwas Neues setzen, nämlich etwas bedeutsames entfachen, was nur aus gemeinsamer Überzeugung geschehen kann. Nämlich der Glaube an eine Gemeinschaft und eine gemeinsame Zukunft in einem gemeinsamen Land, wo es viele unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen gibt, die aber alle mit einem Ziel verbunden sind: Ein friedliches Leben durch Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit.
Südafrika hat gezeigt was es heißt Glaube, Stärke und Zusammenhalt zu beweisen.
Nach dem Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft war Ghana Südafrikas neues Patenkind und das Land fieberte, hoffte und bangte um die Siege der ghanaeischen Mannschaft. Es war toll mit anzusehen, wie sich Afrika als eine große Mannschaft während der Weltmeisterschaft präsentiert hat. Die Südafrikaner sind stolz auf Afrika und es war für sie ein leichtes Sympathien für die anderen afrikanischen Länder aufzubringen und diese auch lautstark zu zeigen.
Am Ende könnte man meinen Südafrika wäre bis ins Viertelfinale gekommen wenn man miterlebt hat wie ein ganzes Land hinter einer anderen afrikanischen Nation stand. Sehr ehrenhaft war das anzusehen, so was hat man bei anderen Weltmeisterschaften in dieser Form noch nicht erlebt.

young-Fans

Die WM in Südafrika war ein Erlebniss, welches alle Menschen näher zusammen brachte. Egal ob jung, alt, schwarz oder weiß. Die Südafrikaner bewiesen Zusammengehörigkeit durch Teamgeist!

Die WM in Südafrika – ein wirtschaftliches Eigentor?

Für die FIFA keinesfalls, die hat mal wieder auswärts haushoch gesiegt. Am Ende ist sie der wirtschaftliche Gewinner des Turniers. Die WM in Südafrika soll der FIFA ein Plus von einer neunstelligen Summe eingebracht haben. „Mir liegen noch keine Zahlen vor. Lasst uns abwarten, bis alle Kontostände bekannt sind“, entgegnete Blatter bescheiden.
Südafrika hat im Gegenzug viel Geld investieren müssen, Jacob Zuma hat sich dadurch auch einen Aufschwung erhofft, aber ob die Investitionen greifen ist jedoch fraglich.
„Das WM Turnier wird unserem Land wirtschaftlichen Gewinn bringen“, sagte Jacob Zuma zum Ende der WM in einer Pressekonferenz.
Die letzten sechs Jahre bedeuteten sicherlich einen Aufschwung für Südafrika. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, 66.000 neue Jobs alleine in der Baubranche. Auch in die Sicherheit wurden 130 Millionen Euro investiert und somit 40.000 neue Polizisten ausgebildet.
Es wurden Stadien und Straßen wie mit Lego-Klötzen gebaut, koste es was es wolle und vor allem wo es FIFA Präsident Sepp Blatter wollte. Ein Beispiel für die Regierung Blatters war die Standortbestimmung für das von deutschen Architekten entworfene WM Stadion in Kapstadt. Kapstadts Politiker wollten dieses eigentlich in einen armen fußballbegeisterten schwarzen Vorort platzieren, doch Blatter wollte etwas für die schönere Postkarte und verlangte den Bau in Kapstadts Stadtzentrum Greenpoint, wo der Tafelberg, die Waterfront und Robbenisland für die passende WM Kulisse sorgen sollten.
Für einen Monat muss eben alles perfekt sein, ob und wie sich die Investitionen für Südafrika im Nachhinein lohnen ist Sepp Blatter doch egal. Für den Stadionbau in Greenpoint hat Blatter höchstpersönlich den ehemaligen Staatspräsident Thabo Mbeki angerufen, dieser hat daraufhin die Bürgermeisterin von Kapstadt unter Druck setzen müssen. Das Ergebnis: Eine Kostenerhöhung von umgerechnet 200 Millionen auf 470 Millionen Euro.
Zweites Beispiel, in Nelspruit, einer abgelegen Stadt am Rande des Kruger National Parks wurde ebenfalls ein WM Stadion mit 50.000 Sitzplätzen errichtet. Das Bauland, auf dem sich unteranderem auch eine Schulen befand, wurde für umgerechnet 10c verkauft. Drei zwei eins meins dachte sich der großherzige Blatter. Die Schule wartet bis heute auf einen Umzug in einen versprochenen Neubau.
Der Bürgermeister von Nelspruit wurde umgebracht als bekannt wurde das bei der Vergabe von Bauaufträgen Korruption im Spiel war. Der Mörder ist bis heute nicht gefasst.
Nicht nur die FIFA denkt eigensinnig, ebenfalls ist auch die südafrikanische Regierung mehr auf das Prestige in der westlichen Welt fixiert als auf die Lösung enormer Engpässe und sozialer Probleme.
Anstatt so wenig Schulden wie möglich zu machen werden teure Wahrzeichen für Städte erbaut, auch wenn sie gar nicht von Nöten sind und 1 Km weiter hausen Familien in nicht menschenwürdigen Verhältnissen, müssen um jedes Brot kämpfen und sehen für ihr Leben keine Zukunft. Prioritäten scheinen sich verschoben zu haben.
Das bereits bestehende Stadion in Durban wurde bereits von der FIFA als WM Stadion anerkannt, doch Durbans Politiker entschieden sich gegen den auf 6 Millionen Euro Kosten belaufenden Umbau und entschieden sich für ein 360 Millionen Euro neues teures Wahrzeichen, um sich in Zukunft als Sporthauptstadt Afrikas positionieren zu können. Grund dafür war ein Bewerbungswunsch für kommende olympische Spiele.
Letztendlich hat der Südafrikaner wirtschaftlich nichts von der WM, bis auf eine kommende Steuererhöhung. Südafrika ist ein Land das für solche unglaublich hohen Investitionen der Falsche Partner war. Es mangelt an Bildung, sozialem Ausgleich, Sicherheit, Gerechtigkeit, medizinischer Versorgung und Stabilität. Bevor man neue Baustellen anfängt sollte man erst die alten ausbauen und vor allem nachhaltig investieren. Stadien, die nach der WM leer bleiben helfen kaum das der kleine Eduardo einen Platz in einer Schule bekommt. Für die Tourismusbranche und die Sponsoren mag die WM ebenfalls ein Erfolg gewesen sein, aber für die Steuerzahler und die Armen keinesfalls. Denn die müssen das ausbaden, was die FIFA und die Regierung zu verantworten hat. Mal wieder haben sich nur die mächtigen Männer einen Vorteil verschafft. Von Entwicklungshilfe kann da nicht die Rede sein. Im Gegenteil.
Prestige und Aufmerksamkeit waren der Politik wichtiger als sozialer Ausgleich und soziale Absicherung. Wirtschaftlich wird auf Südafrika noch einiges zukommen, denn eins war die WM keinesfalls: Nachhaltig für die Menschen in Südafrika.
Es hätte anders laufen können, hätte die FIFA Subventionen vergeben und wären Südafrikas Staatsmänner sparsamer und mehr auf nachhaltige Investitionen aus gewesen.
Positiv ist, das nach der erfolgreich präsentierten WM Südafrika ein neues Bild von sich vermittelt hat und damit zu rechnen ist, dass der Tourismus einen weiteren Aufschwung verspüren wird.
Die ausgebaute Infrastruktur ist ebenfalls nachhaltig, auch wenn der Großteil von Südafrikas Bevölkerung kein Auto besitzt. Aber auch Transport und Handelswege seien nun besser ausgebaut und somit effizienter.
Die größte bedeutsamste Frage, was jetzt mit den vielen neuerbauten Stadien passiert ist dagegen noch nicht geklärt. Die bedeutsamen Vereine, ob Kricket oder Rugby können die hohen Kosten für die ehemaligen WM Stadien nicht aufbringen, außerdem ist die Nachfrage nicht so enorm wie die zu bietenden Sitzkapazitäten. Bei einem Stadion wurde im Nachhinein sogar festgestellt, dass der Platz 5 Meter zu kurz für den Nationalsport Kricket wäre und somit der in der Umgebung sitzende Verein nicht in diesem spielen könne.

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Schön sieht es ja aus das Stadion in Kapstadt, ebenso der Tafelberg als Postkartenkulisse! Aber was passiert in Zukunft mit all den neuen großen teuren Stadien und wer finanziert die Kosten?

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Südafrika - ein Land der Gegensätze. Nur wenige Kilometer von Kapstadts Innenstadt entfernt ergibt sich ein Bild wie aus einer ganz anderen Welt. Was ist notwendiger, Prestige oder sozialer Ausgleich?

Eine WM in Südafrika ist nun mal keine WM in Deutschland. Wenn man einem Schwellenland die Chance bietet das bedeutsamste Sportereignis der Welt auszurichten, dann sollte das auch unter besonderen Bedingungen geschehen. Die FIFA tat nichts anderes als ihre Koffer mit Geld zu füllen und schon jetzt sitzt Herr Blatter in seinem Privatjet FIFA-ONE auf dem Weg nach Brasilien um dort für die nächsten vier Jahre den Diktator mit großem Herz zu spielen. Um Fußball scheint es bei einer Weltmeisterschaft nur sekundär zu gehen, das eigene Spiel findet neben dem Platz statt und der Sieger steht schon vor dem Turnier fest. In der Öffentlichkeit wird sich zu Kritik nicht geäußert, Blatter stellt sich stolz als Welten-Retter da, aber sobald über Finanzen, schlechte Schiedsrichterleistungen oder die misslungene Organisation der FIFA-Volunteers gesprochen wird, dann nimmt unser unschuldiger fairplay-Sepp ein Blatt vor den Mund. „No Comment!“ entpuppte sich als Lieblingsstatement seitens der FIFA während der WM in Südafrika.
Feiner Spielzug Herr Blatter, hoffentlich werden Sie bald vom Platz geworfen, ausgewechselt oder gefoult. Mit Ihnen macht FIFA spielen jedenfalls keinen Spaß mehr.

SWITZERLAND SOCCER FIFA BLATTER TOURNAMENT

Die WM in Südafrika hat mal wieder gezeigt wer der eigentliche Spielmacher ist. Viele Kritiker fordern für Sepp Blatter einen Platzverweis aufgrund grober unsportlichkeit seitens der FIFA!

Schlusspfiff auf dem Platz! Doch die WM geht weiter

Trotz allem ist zu hoffen das Südafrika aus diesen vier Wochen etwas positives mitnimmt und weiter gemeinsam daran arbeitet die Ziele zu erreichen, die damals schon der mittlerweile 92 jährige alte Nelson Mandela formuliert hat. Denn nicht alle Ziele sind von Politik oder Wirtschaft abhängig, manche Ziele erreicht nur jeder Einzelne selbst in seinem Inneren und zwar mithilfe von Herz und Verstand. Dazu brauch es vor allem verbindende Erlebnisse.
Es mag immer noch ein weiter Weg zu gehen sein, doch hat die Weltmeisterschaft auch dazu beigetragen wieder nach Vorne zu sehen und Teamgeist zu zeigen.
Viele Südafrikaner haben sich für Fußball begeistern lassen und werden sicherlich auch bei der  kommenden WM-Qualifikation für Brasilien hinter ihrer Mannschaft und dem Kontinent stehen.
Jetzt gilt es das Beste draus zu machen und die positiven Erlebnisse mitzunehmen und darauf zu hoffen, das Südafrika auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht wieder Anschluss findet.
Darauf haben die Menschen so gut wie keinen Einfluss also muss man Ihnen am Ende auch das lassen was sie hatten. Nämlich eine farbenfrohe WM die das Gemeinschaftsgefühl in jedem Fall gestärkt hat.

Fans

Farbenfroh und immer gut gelaunt! Das war die WM in Südafrika. Sie wird bei vielen Menschen in den Köpfen bleiben. Nicht nur wegen der geliebten Vuvuzela, sondern auch weil ein Land gezeigt hat wie viel Potential und Spirit es zu bieten hat. Danke Südafrika für eine tolle Weltmeisterschaft!

Und wieder ertönt ein schriller Pfiff in Johannesburg Soccer-City, doch diesmal der Schlusspfiff. Für Südafrika aber ist die WM noch lange nicht zu Ende. Es war das Wir-Gefühl das etwas entfacht hat, auch wenn die Weltmeisterschaft jetzt wieder vorbei ist, irgendetwas scheint dann doch anders als sonst zu sein, man darf auf Südafrika gespannt sein.

Alles Alles Gute Südafrika!!!

10

Jun 10

Verbrannte Erde – wie die FIFA den Gastgeber verarscht

Die FIFA hat einen Tag vor WM-Start den Geschäftsbericht für 2009 vorgestellt. Der Weltverband machte demnach im abgelaufenen Jahr einen Gewinn von 196 Mio. $ und konnte das Eigenkapital damit erstmals über die 1-Milliarde-Dollar-Grenze heben; 1,061 Mrd. $ haben Blatter und Co. Nunmehr auf der hohen Kante. Da fragt sich der Fußball-Fan natürlich: Wofür braucht die FIFA mehr als eine Milliarde – vor allem nachdem Südafrika mehr als das vierfache von dem in die WM investiert hat?

Wofür braucht ein Fußballverband eine Milliarde $, Herr Blatter?

Wofür braucht ein Fußballverband eine Milliarde Dollar, Herr Blatter?

Natürlich posaunte Präsident Blatter direkt im Anschluss an die Verkündung des Rekordvermögens die üblichen Pläne für Hilfsprojekte heraus und versprach den 208 nationalen Mitgliedsverbänden der FIFA (die damit übrigens größer ist als die UNO) je 250.000 $ Bonuszahlungen. Dividende sozusagen.

So weit so gut. Es wäre auch übertrieben zu sagen, die FIFA würde sich nicht für die Entwicklung des Fußballs einsetzen. Trotzdem muss man sich fragen, ob der übertriebene, bis in die Haarspitzen durchgeplante und bedingungslos diktierte Kommerz angesichts solcher Gewinne zu rechtfertigen ist. Gerade, wenn man sich das Gastgeberland der morgen beginnenden WM anschaut.

Unser Südafrika-Korrespondent Marius Geisler berichtet, was viele Blätter und Sender schon verbreitet haben: Die FIFA kennt auch auf dem schwarzen Kontinent kein Pardon, wenn es darum geht, das Marktmonopol ihrer Werbekunden sicher zu stellen. „Alle sollen profitieren, auch die kleinen Leute“ hatte Blatter einmal staatstragend formuliert. Pustekuchen. Die FIFA kam nach Afrika und sprach zuerst mal ein „totales Verbot des Straßenhandels“ aus. Millionen von Townshipbewohnern sind also gezwungen, ihre Tröten, Shirts und Schale bei offiziellen FIFA-Sellern zu kaufen. Damit die Werbekunden zufrieden sind und die FIFA weiterhin Gewinn scheffelt.

Wie ernst es dem Weltverband mit diesem Verbot ist, sah Geisler gestern, als auf der Straße kleine Fanartikelhändler von der Polizei in Kapstadt durch die Straßen gejagt wurden. Selbst mit diesem Verbot könnte man leben, wenn die richtigen, in diesem Falle die Nation Südafrikas, davon profitieren würden. Aber wieder weit gefehlt.

In Deutschland, wo ohnehin jeder drittklassige Verein mit zahlungskräftigen Sponsoren ausgestattet ist, fiel dieser Erzkommerz vor vier Jahren nicht so sehr auf. Wir waren und sind es gewohnt, Fanartikel in Fanshops zu völlig überhöhten Preisen zu kaufen. Südafrika ist aber nicht Deutschland.

Die junge Kapdemokratie versucht seit 16 Jahren die afrikanische Kultur der schwarzen Mehrheit in das System zu integrieren, das europäische Rassisten dort über Jahre etablierten. Und zu dieser Kultur gehört auch, dass nicht alles, was es zu kaufen gibt, von großen Supermarktketten und Kaufhäusern vertrieben wird, sondern zum Beispiel auch vom Tapeziertisch an der Straßenecke. So wächst die Wirtschaft vielleicht nicht mit über zehn Prozent pro Jahr, aber sie bricht halt auch nicht gleich ein, wenn irgendwelche Banken in den USA pleite gehen.

Während die FIFA laut Geschäftsbericht bei der WM mit einem Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe rechnet, stellt der Südafrikaner ernüchtert fest, dass die immensen Kosten für die Vorbereitung des Turniers am am ohnehin gebeutelten Staatshaushalt hängen bleiben. 33 Mrd. Rand (etwa 4,2 Mrd. $) hat das Land investiert, um den hohen Ansprüchen der Föderation an Infrastruktur, Sicherheit und Luxus in den Stadien zu genügen.

Sicherlich sind Straßenbau, der Ausbau und die Modernisierung der Polizei und neue Fußballstadien eine Investition für die Zukunft (wenn auch fraglich bleibt, wie viel der Ottonormal Südafrikaner in seinem Leben von einer Businesslounge in einem Edelstadion zu sehen bekommt). Aber wie rechtfertigt die FIFA es, in ein Land zu kommen, diesem dann Milliarden aus der Nase zu ziehen um dann mit den günstigen Vorraussetzungen Kohle zu scheffeln? Gar nicht, sie macht es einfach.

Erneut lohnt sich der Vergleich zu Deutschland 2006. Auch die Bundesrepublik hat nicht gezimpert mit Investitionen zur Vorbereitung der WM. Der Unterschied ist, dass die deutsche Wirtschaft ungleich mehr am Turnier beteiligt war, als es die südafrikanische bei diesem Turnier ist.

Selbst bei dieser WM gehört Deutschland zu den größten Profiteuren. Die Busse für Spieler- und Fantransport wurden von MAN gebaut, die Stadien wurden von deutschen Architekten geplant, mit schwäbischem Glas überdacht und von OSRAM beleuchtet. Nicht zu vergessen natürlich AIDAS, der offziele Ausstatter der FIFA. Unterm Strich ist die deutsche Wirtschaft mit einem Auftragsvolumen von 1,5 Mrd. Euro an der WM beteiligt. Der Merchandise wurde in Asien zu Billiglöhnen produziert und jetzt für teures Geld verkauft. Das WM-Maskottchen Zakumi wurde beispielsweise in Europa entworfen und in China produziert – es schuf nicht einen einzigen Arbeitsplatz in Südafrika. Es sind die üblichen Verdächtigen, die Industrienationen und vor allem auch Deutschland, die die Gewinne einstreichen. (Mehr dazu auf ftd.de: Wer von der WM profitiert)

Das Land am Kap ist keine Industrienation. Wie auch, während sie jahrelang einen Großteil der Bevölkerung unterdrückten, wurden sie genau deshalb vom Rest der Welt isoliert und konnten so etwas wie eine Exportwirtschaft überhaupt nicht aufbauen. Die Wirtschaft ist, wie gesagt, noch nicht so hochentwickelt, wie in Europa oder Nordamerika. Sie funktioniert noch kleinkarierter, eben mit Kleinbetrieben und Straßenhändlern.

Zur deutschen, zur allgemein westlichen Fußballkultur gehört der Kommerz seit Jahren. Wir wollen Spieler sehen, die meinen 94 Mio. Euro kosten zu müssen, daher müssen sie auch irgendwie finanziert werden. Das ist eine bittere Pille, doch – um nicht zu sehr in antikommerzielle Fußballromantik zu verfallen – es ist hierzulande Realität und jeder europäische Fußballfan, auch bei Pauli, hat sich insgeheim damit abgefunden.

Der afrikanische Fußball ist anders. Er hat keine überbezahlten Stars, da sie schon bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, horrende Gehaltsforderungen zu stellen, von europäischen Vereinen weggekauft werden. Vielleicht ganz gut so, denn sonst wäre der Fußball nicht das, was er in Afrika ist: Der Sport der Armen, die zum stundenlangen Fußballspiel nicht mehr brauchen als einen Ball und vier Hölzer als Pfosten. Fußballspiele werden nicht in erster Linie vermarktet, sondern gefeiert. Es wird nicht jede Ecke von Sponsoren präsentiert und nicht jede Bockwurstpappe trägt Werbung. Stattdessen isst und trinkt man, was der Händler vorm Stadion anbietet, ohne dabei ganze Wochengehälter investieren zu müssen, geht dann zu einigermaßen bezahlbaren Preisen ins Stadion und freut sich über das Spiel.

Das, liebe Freunde von der FIFA, ist Fußball in Afrika: Spontanität, Freude und kulturelle Authenzität. Die kommerzielle Ausbeutung eines solch großen Turniers mag in Deutschland, England oder den USA eine unliebsame Begleiterscheinung sein. In Afrika bedeutet sie den Ausschluss der Gastgeber von ihrem eigenen großen, ihrem größten Event seit Jahren. Das hat mit den rosa-roten Entwicklungshilfe-Gelaber nichts mehr zutun. Die FIFA leiherte dem Südafrikanischen Volk die letzten Rand aus der Hose, um für vier Wochen ordentlich zu verdienen. Es bleibt zu befürchten, dass am Ende ein noch reicherer Weltverband, ein ausgelaugter Staat und eine ausgeschlossene Wirtschaft steht. Abernten, einpacken, abdüsen, das scheint die Politik der FIFA, Politik der verbrannten Erde – J’accuse, Monsieur Blatter!