Bierfreunde Alstertal

KEIN APPLAUS FÜR SCHEIßE. SEIT 2007.

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Jul 10

Schlusspfiff auf dem Platz – Aber die WM geht noch weiter!

Südafrika – die WM ist vorbei, vier Wochen lang wurde das größte Sportereignis der Welt zelebriert und Südafrika gibt den Pokal und die damit große Verantwortung weiter nach Brasilien. Sechs Jahre hatte das Land sich auf diesen Moment vorbeireitet, es wurde geplant, gebaut und vor allem wurden keine Kosten gescheut  um den großen Erwartungen des eigenen Landes und besonders die der FIFA gerecht zu werden.
Doch was bleibt am Ende eigentlich? Mit welchem Eindruck verabschiedet sich Südafrika vom Präsentierteller? Ist die Weltmeisterschaft ein Erfolg? Hat sie positive nachhaltige Auswirkungen auf das Land und dessen gesamte Bevölkerung? Sind nach der WM alle Gewinner oder gibt es auch Verlierer, die ratlos im Abseits stehen und gar enttäuscht oder wütend vom Platz gehen?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich die Hände. Wer hat alles noch gewonnen und wer hat verloren?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich zufrieden die Hände. Südafrikas Staatsoberhaupt Jacob Zuma ist ebenso auf dem Siegerbild. Doch sieht der eher aus als würde er gleich zu Boden fallen. Bedeutet(e) die WM in Südafrika ein Erfolg für das ganze Land?

Die FIFA als Retter der Welt

Es wurde viel getan, der Druck von Außen war enorm, Südafrika wurde als Sorgenkind bezeichnet, eine WM in Afrika, das wäre zu früh. Wo Menschen noch mit Pferden durch die Straßen ziehen, wo ein Großteil der Bevölkerung noch in Wellblechhütten lebt und mit der Hand wäscht, dort solle wirklich eine Weltmeisterschaft stattfinden?
Es wurde kontrovers als die FIFA den Pokal nach Südafrika gab, eine Weltmeisterschaft bedeutet Verantwortung und Organisation. Das Know How ist von enormer Bedeutung.
Um das Know How musste Südafrika sich jedoch nur wenig Sorgen machen, das brachte die FIFA mit, ein im Preis enthaltener Service sozusagen. Denn die Richtlinien sind wie auf dem Sportplatz genau gezogen, die FIFA bietet kaum Spielraum wenn es darum geht den Verlauf und das Drumherum der großen Spiele, also die  Weltmeisterschaft zu planen. Die FIFA macht in ihrer Behandlung nur wenig Unterschiede in Hinblick auf den Gastgeber und auf einmal war es wieder unwesentlich das Südafrika ein Schwellenland ist. Ein Land mit Potential aber eben auch mit Problemen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht.
Wenn man also ein solch bedeutsames Event in ein Schwellenland vergibt sollte man doch meinen damit auch entwicklungsbedeutsame Aspekte setzen zu wollen, einen Zweck zu verfolgen, in diesem Falle Südafrika eine Chance zu bieten um mit diesem sportlichen Ereignis etwas auch neben dem Platz zu bewirken. Und natürlich war es genau das was die FIFA mit dieser Weltmeisterschaft bezwecken wollte, eine WM in Südafrika als persönliches Entwicklungsprojekt. Stolz wurde verkündigt das jeder einzelne Südafrikaner von dieser Weltmeisterschaft profitieren würde. Die FIFA als wohltuender Entwicklungshelfer sprach von einem bevorstehenden Aufschwung in gesellschaftlicher aber auch wirtschaftlicher Hinsicht.
Wunderbar, schöne Musik für die Ohren aber die Augen sagen dann doch etwas anderes und auf einmal riecht es ganz und gar nicht mehr nach der versprochenen nachhaltigen Entwicklung. Seitens der FIFA mit einem Eigenkapital von einer Milliarde Euro gab es keine Subventionen und somit keine besondere Behandlung. Nein, es wurde im Gegenteil sogar vorgeschrieben was alles wo und wie viel investiert werden müsse.
Der Staat, also (nachträglich) der Steuerzahler investierte über dreiunddreißig Milliarden Rand (3,3 Milliarden Euro) in den Bau von Stadien, den Ausbau der Infrastruktur und polierte so Südafrika auf, damit es für einen Monat im Mittelpunkt der Welt ein schönes Bild erzeugen würde. FIFA geprüft mit FIFA-Stempel eben.
Die dritte Welt verschwand hinter einem glitzernden Vorhang und die erste wurde glänzend ins Rampenlicht gestellt. Und um den Entwicklungshelfer zu spielen besuchte FIFA Präsident Blatter Townships, lächelte stolz in die Kamera und verteilte Fußbälle. Welch großes Herz dieser Mann doch besitzt. Ist jedoch mal keine Kamera zur Stelle dann ist sieht es auch schon wieder weniger herzlich aus. Bettler werden von den Straßen vertrieben, Straßenhändler dürfen in der Umgebung der Stadien keine Geschäfte machen und Armut und Hilflosigkeit verschwinden plötzlich von der Bildfläche, es sieht fast so aus wie in Europa und man fühlt sich auch so.
Die Menschen haben die FIFA Regierung gespürt und viele sind wütend darüber, dass diese das Land komplett übernommen hat.
Der Fifa-ismus überschwemmte das Land, Sponsoren bestimmten den Markt und noch um 24 Uhr Nachts hatte der FIFA Fanshop an Kapstadts Waterfront geöffnet, um unteranderen  die weltbeliebten Vuvuzelas für erschwingliche 11 Euro das Stück fair zu vertreiben. Lärmmachendes Plastik aus China mit FIFA Druck.
Im Gegenzug hatte sich jedoch schon bald eine kleine Protestbewegung gebildet und hin und wieder begegnet man Typen in gelbgrünen T-Shirts mit der wunderschönen Aufschrift „Fick Fufa“.

Eine Regenbogennation als ganzer Kontinent

Südafrika – ein Land mit einer großen Geschichte. Eine Gesellschaft die viel erlebte und sicherlich noch immer für den gemeinsamen Frieden eine Menge leisten muss. Elf Sprachen, neun Provinzen, drei Hautfarben und obendrauf eine Vergangenheit die es schwierig macht eine gemeinsame gerechte Zukunft für alle zu gestalten. Es war Nelson Mandela der den ersten Schritt auf dem Pfad der Freiheit und Gerechtigkeit tat, ein langer Weg, der nur geschafft werden könne, wenn der Vergangenheit mit Vergebung gegenübergestanden werde, ohne jegliche Rache, sondern gemeinsam als eine tolerante Nation für eine neue friedvolle Zukunft.
Dieser Weg ist nach mittlerweile sechzehn Jahren noch lange nicht gegangen und noch immer hat Südafrika große Probleme sich als eine einheitliche gemeinsame Nation zu definieren.
Der Rassismus ist noch nicht ausgestorben und besonders die riesige Kluft zwischen arm und reich schürt die Urteilsfindung und macht es natürlich schwer ein Gemeinschaftsgefühl für die gesamte Gesellschaft zu entwickeln.

Erlebnisse die einander verbinden werden dringend gebraucht und damit war die Weltmeisterschaft eine Chance für eine Art Schlüsselerlebnis welches helfen könnte sich als ein gemeinsames Land zu erkennen, das Interesse zu wecken andere Sichtweisen und Kulturen kennenzulernen und vor allem Toleranz und Stolz für- und miteinander zu entwickeln.

Vor 4 Wochen ertönte ein Pfiff in Johannesburg, ein Pfiff der den Startschuss für etwas neues aufregendes bedeutete. Die Fußballweltmeisterschaft war eröffnet und auf einmal hieß es „Bafana Bafana, make the circle bigger!“ Ein Land im Rausch, im Fußballfieber, farbenfroh und voller Erwartungen. Nicht nur gefüllt mit Erwartungen an die eigene Mannschaft sondern vor allem auch an die Zukunft. Ein Wir-Gefühl kam mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land und auch die sonst hartgesockenen weißen Rugbyfans trugen Südafrikatrikots und fieberten um einen Sieg.
Der eigentliche Sieg ergab sich nicht gegen Frankreich, sondern überall in guter Laune neben dem Platz.
Trotz des frühen Ausscheidens nach der Vorrunde haben sich die Südafrikaner auch die ganze restliche WM über mit Stolz präsentiert, es war ein Gemeinschaftsgefühl das alle ein Stück weiter miteinander verbunden hat. „We are out with proud“ hieß das Motto der Südafrikaner. Angereiste Fans waren und sind im Südafrika Fieber und sind fasziniert von dem Spirit und vor allem der Freundlichkeit der hier lebenden Menschen, mit der man immer wieder in Berührung kommt.
Das Land hat gezeigt was es leisten kann, wie viel Potential es hat und was es alles bewirken kann. Südafrika ist ansteckend, jeder der einmal dort war weiß wovon ich spreche.
Eine Weltmeisterschaft kann sicherlich kein Aids heilen, sie kann auch keine Millionen Jobs schaffen und die große Armut bekämpfen, aber sie kann einen Startschuss für etwas Neues setzen, nämlich etwas bedeutsames entfachen, was nur aus gemeinsamer Überzeugung geschehen kann. Nämlich der Glaube an eine Gemeinschaft und eine gemeinsame Zukunft in einem gemeinsamen Land, wo es viele unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen gibt, die aber alle mit einem Ziel verbunden sind: Ein friedliches Leben durch Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit.
Südafrika hat gezeigt was es heißt Glaube, Stärke und Zusammenhalt zu beweisen.
Nach dem Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft war Ghana Südafrikas neues Patenkind und das Land fieberte, hoffte und bangte um die Siege der ghanaeischen Mannschaft. Es war toll mit anzusehen, wie sich Afrika als eine große Mannschaft während der Weltmeisterschaft präsentiert hat. Die Südafrikaner sind stolz auf Afrika und es war für sie ein leichtes Sympathien für die anderen afrikanischen Länder aufzubringen und diese auch lautstark zu zeigen.
Am Ende könnte man meinen Südafrika wäre bis ins Viertelfinale gekommen wenn man miterlebt hat wie ein ganzes Land hinter einer anderen afrikanischen Nation stand. Sehr ehrenhaft war das anzusehen, so was hat man bei anderen Weltmeisterschaften in dieser Form noch nicht erlebt.

young-Fans

Die WM in Südafrika war ein Erlebniss, welches alle Menschen näher zusammen brachte. Egal ob jung, alt, schwarz oder weiß. Die Südafrikaner bewiesen Zusammengehörigkeit durch Teamgeist!

Die WM in Südafrika – ein wirtschaftliches Eigentor?

Für die FIFA keinesfalls, die hat mal wieder auswärts haushoch gesiegt. Am Ende ist sie der wirtschaftliche Gewinner des Turniers. Die WM in Südafrika soll der FIFA ein Plus von einer neunstelligen Summe eingebracht haben. „Mir liegen noch keine Zahlen vor. Lasst uns abwarten, bis alle Kontostände bekannt sind“, entgegnete Blatter bescheiden.
Südafrika hat im Gegenzug viel Geld investieren müssen, Jacob Zuma hat sich dadurch auch einen Aufschwung erhofft, aber ob die Investitionen greifen ist jedoch fraglich.
„Das WM Turnier wird unserem Land wirtschaftlichen Gewinn bringen“, sagte Jacob Zuma zum Ende der WM in einer Pressekonferenz.
Die letzten sechs Jahre bedeuteten sicherlich einen Aufschwung für Südafrika. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, 66.000 neue Jobs alleine in der Baubranche. Auch in die Sicherheit wurden 130 Millionen Euro investiert und somit 40.000 neue Polizisten ausgebildet.
Es wurden Stadien und Straßen wie mit Lego-Klötzen gebaut, koste es was es wolle und vor allem wo es FIFA Präsident Sepp Blatter wollte. Ein Beispiel für die Regierung Blatters war die Standortbestimmung für das von deutschen Architekten entworfene WM Stadion in Kapstadt. Kapstadts Politiker wollten dieses eigentlich in einen armen fußballbegeisterten schwarzen Vorort platzieren, doch Blatter wollte etwas für die schönere Postkarte und verlangte den Bau in Kapstadts Stadtzentrum Greenpoint, wo der Tafelberg, die Waterfront und Robbenisland für die passende WM Kulisse sorgen sollten.
Für einen Monat muss eben alles perfekt sein, ob und wie sich die Investitionen für Südafrika im Nachhinein lohnen ist Sepp Blatter doch egal. Für den Stadionbau in Greenpoint hat Blatter höchstpersönlich den ehemaligen Staatspräsident Thabo Mbeki angerufen, dieser hat daraufhin die Bürgermeisterin von Kapstadt unter Druck setzen müssen. Das Ergebnis: Eine Kostenerhöhung von umgerechnet 200 Millionen auf 470 Millionen Euro.
Zweites Beispiel, in Nelspruit, einer abgelegen Stadt am Rande des Kruger National Parks wurde ebenfalls ein WM Stadion mit 50.000 Sitzplätzen errichtet. Das Bauland, auf dem sich unteranderem auch eine Schulen befand, wurde für umgerechnet 10c verkauft. Drei zwei eins meins dachte sich der großherzige Blatter. Die Schule wartet bis heute auf einen Umzug in einen versprochenen Neubau.
Der Bürgermeister von Nelspruit wurde umgebracht als bekannt wurde das bei der Vergabe von Bauaufträgen Korruption im Spiel war. Der Mörder ist bis heute nicht gefasst.
Nicht nur die FIFA denkt eigensinnig, ebenfalls ist auch die südafrikanische Regierung mehr auf das Prestige in der westlichen Welt fixiert als auf die Lösung enormer Engpässe und sozialer Probleme.
Anstatt so wenig Schulden wie möglich zu machen werden teure Wahrzeichen für Städte erbaut, auch wenn sie gar nicht von Nöten sind und 1 Km weiter hausen Familien in nicht menschenwürdigen Verhältnissen, müssen um jedes Brot kämpfen und sehen für ihr Leben keine Zukunft. Prioritäten scheinen sich verschoben zu haben.
Das bereits bestehende Stadion in Durban wurde bereits von der FIFA als WM Stadion anerkannt, doch Durbans Politiker entschieden sich gegen den auf 6 Millionen Euro Kosten belaufenden Umbau und entschieden sich für ein 360 Millionen Euro neues teures Wahrzeichen, um sich in Zukunft als Sporthauptstadt Afrikas positionieren zu können. Grund dafür war ein Bewerbungswunsch für kommende olympische Spiele.
Letztendlich hat der Südafrikaner wirtschaftlich nichts von der WM, bis auf eine kommende Steuererhöhung. Südafrika ist ein Land das für solche unglaublich hohen Investitionen der Falsche Partner war. Es mangelt an Bildung, sozialem Ausgleich, Sicherheit, Gerechtigkeit, medizinischer Versorgung und Stabilität. Bevor man neue Baustellen anfängt sollte man erst die alten ausbauen und vor allem nachhaltig investieren. Stadien, die nach der WM leer bleiben helfen kaum das der kleine Eduardo einen Platz in einer Schule bekommt. Für die Tourismusbranche und die Sponsoren mag die WM ebenfalls ein Erfolg gewesen sein, aber für die Steuerzahler und die Armen keinesfalls. Denn die müssen das ausbaden, was die FIFA und die Regierung zu verantworten hat. Mal wieder haben sich nur die mächtigen Männer einen Vorteil verschafft. Von Entwicklungshilfe kann da nicht die Rede sein. Im Gegenteil.
Prestige und Aufmerksamkeit waren der Politik wichtiger als sozialer Ausgleich und soziale Absicherung. Wirtschaftlich wird auf Südafrika noch einiges zukommen, denn eins war die WM keinesfalls: Nachhaltig für die Menschen in Südafrika.
Es hätte anders laufen können, hätte die FIFA Subventionen vergeben und wären Südafrikas Staatsmänner sparsamer und mehr auf nachhaltige Investitionen aus gewesen.
Positiv ist, das nach der erfolgreich präsentierten WM Südafrika ein neues Bild von sich vermittelt hat und damit zu rechnen ist, dass der Tourismus einen weiteren Aufschwung verspüren wird.
Die ausgebaute Infrastruktur ist ebenfalls nachhaltig, auch wenn der Großteil von Südafrikas Bevölkerung kein Auto besitzt. Aber auch Transport und Handelswege seien nun besser ausgebaut und somit effizienter.
Die größte bedeutsamste Frage, was jetzt mit den vielen neuerbauten Stadien passiert ist dagegen noch nicht geklärt. Die bedeutsamen Vereine, ob Kricket oder Rugby können die hohen Kosten für die ehemaligen WM Stadien nicht aufbringen, außerdem ist die Nachfrage nicht so enorm wie die zu bietenden Sitzkapazitäten. Bei einem Stadion wurde im Nachhinein sogar festgestellt, dass der Platz 5 Meter zu kurz für den Nationalsport Kricket wäre und somit der in der Umgebung sitzende Verein nicht in diesem spielen könne.

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Schön sieht es ja aus das Stadion in Kapstadt, ebenso der Tafelberg als Postkartenkulisse! Aber was passiert in Zukunft mit all den neuen großen teuren Stadien und wer finanziert die Kosten?

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Südafrika - ein Land der Gegensätze. Nur wenige Kilometer von Kapstadts Innenstadt entfernt ergibt sich ein Bild wie aus einer ganz anderen Welt. Was ist notwendiger, Prestige oder sozialer Ausgleich?

Eine WM in Südafrika ist nun mal keine WM in Deutschland. Wenn man einem Schwellenland die Chance bietet das bedeutsamste Sportereignis der Welt auszurichten, dann sollte das auch unter besonderen Bedingungen geschehen. Die FIFA tat nichts anderes als ihre Koffer mit Geld zu füllen und schon jetzt sitzt Herr Blatter in seinem Privatjet FIFA-ONE auf dem Weg nach Brasilien um dort für die nächsten vier Jahre den Diktator mit großem Herz zu spielen. Um Fußball scheint es bei einer Weltmeisterschaft nur sekundär zu gehen, das eigene Spiel findet neben dem Platz statt und der Sieger steht schon vor dem Turnier fest. In der Öffentlichkeit wird sich zu Kritik nicht geäußert, Blatter stellt sich stolz als Welten-Retter da, aber sobald über Finanzen, schlechte Schiedsrichterleistungen oder die misslungene Organisation der FIFA-Volunteers gesprochen wird, dann nimmt unser unschuldiger fairplay-Sepp ein Blatt vor den Mund. „No Comment!“ entpuppte sich als Lieblingsstatement seitens der FIFA während der WM in Südafrika.
Feiner Spielzug Herr Blatter, hoffentlich werden Sie bald vom Platz geworfen, ausgewechselt oder gefoult. Mit Ihnen macht FIFA spielen jedenfalls keinen Spaß mehr.

SWITZERLAND SOCCER FIFA BLATTER TOURNAMENT

Die WM in Südafrika hat mal wieder gezeigt wer der eigentliche Spielmacher ist. Viele Kritiker fordern für Sepp Blatter einen Platzverweis aufgrund grober unsportlichkeit seitens der FIFA!

Schlusspfiff auf dem Platz! Doch die WM geht weiter

Trotz allem ist zu hoffen das Südafrika aus diesen vier Wochen etwas positives mitnimmt und weiter gemeinsam daran arbeitet die Ziele zu erreichen, die damals schon der mittlerweile 92 jährige alte Nelson Mandela formuliert hat. Denn nicht alle Ziele sind von Politik oder Wirtschaft abhängig, manche Ziele erreicht nur jeder Einzelne selbst in seinem Inneren und zwar mithilfe von Herz und Verstand. Dazu brauch es vor allem verbindende Erlebnisse.
Es mag immer noch ein weiter Weg zu gehen sein, doch hat die Weltmeisterschaft auch dazu beigetragen wieder nach Vorne zu sehen und Teamgeist zu zeigen.
Viele Südafrikaner haben sich für Fußball begeistern lassen und werden sicherlich auch bei der  kommenden WM-Qualifikation für Brasilien hinter ihrer Mannschaft und dem Kontinent stehen.
Jetzt gilt es das Beste draus zu machen und die positiven Erlebnisse mitzunehmen und darauf zu hoffen, das Südafrika auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht wieder Anschluss findet.
Darauf haben die Menschen so gut wie keinen Einfluss also muss man Ihnen am Ende auch das lassen was sie hatten. Nämlich eine farbenfrohe WM die das Gemeinschaftsgefühl in jedem Fall gestärkt hat.

Fans

Farbenfroh und immer gut gelaunt! Das war die WM in Südafrika. Sie wird bei vielen Menschen in den Köpfen bleiben. Nicht nur wegen der geliebten Vuvuzela, sondern auch weil ein Land gezeigt hat wie viel Potential und Spirit es zu bieten hat. Danke Südafrika für eine tolle Weltmeisterschaft!

Und wieder ertönt ein schriller Pfiff in Johannesburg Soccer-City, doch diesmal der Schlusspfiff. Für Südafrika aber ist die WM noch lange nicht zu Ende. Es war das Wir-Gefühl das etwas entfacht hat, auch wenn die Weltmeisterschaft jetzt wieder vorbei ist, irgendetwas scheint dann doch anders als sonst zu sein, man darf auf Südafrika gespannt sein.

Alles Alles Gute Südafrika!!!

17

Jun 10

Dem deutschen Team auf den Versen durch Südafrika!

Hurra, Hurra, der Tag ist gekommen, das Auto ist mit Deutschland-Accessoires getuned, die Reise kann endlich losgehen!!! Nach dem grandiosen Auftakt freuen wir uns noch mehr die vielen Kilometer auf uns zu nehmen um unser Team durch Südafrika zu begleiten und unseren Jungs für die letzten zwei Gruppenspiele zur Seite zu stehen. Insgesamt werden wir vier Freunde zehn Tage unterwegs sein und eine Strecke von rund 6.500 Kilometer auf uns nehmen um live dabei zu sein wie unsere Mannschaft in Südafrika geilen Fußball zelebriert.

Heute machen wir uns auf den Weg nach Port Elizabeth, wo Deutschland am Freitag Serbien unter Beschuss nimmt. Die über 800 Kilometer lange Fahrt werden wir uns mit Bier, Vorfreude und unserer berechtigten Siegessicherheit zufrieden geben. Traumhafte Landschaften werden wir passieren, bis wir dann Abends in der Hafenstadt Port Elizabeth in einem Backpacker in Stadionnähe ankommen und unser Fan-Lager aufschlagen. Dort werden wir andere deutsche Fans treffen, mit denen wir schonmal unsere Gesänge und unseren Bierkonsum einstudieren wollen.
Dann früh am nächsten Morgen geht’s mit dem Fan-Bus zum Stadion und sobald uns der Einlass gewährt wird befinden wir uns in voller Deutschlandmontur in der zwölften Reihe Block C.
Nach dem toreichen Sieg geht’s zur After-Game-Party und es wird in deutscher Manier exzessiv und kulturell gefeiert. “SCHLAAAAAAND!!!!”

Dann bleiben uns fünf Tage um unseren Arsch nach Johannesburg zu bringen. Eine schöne Reise durch Südafrika erwartet uns, Nationalparks, bunte Kultur, fußballverrückte Fans, Partys, bis wir dann schließlich bei Freunden in Johannesburg eintreffen.

Abends um 20:30 Uhr sind wir dann live dabei bei dem meiner Meinung nach geilsten Spiel gegen Ghana. Wir Fans werden in der Unterzahl sein und einer unglaublichen Menge Afrikaner gegenüberstehen, die uns mit Vuvuzelas den Kampf ansagen. Bis unsere Stimmbänder reißen schreien wir unsere Mannschaft nach Vorne.
Ein geiles Spiel in einem geilen Stadion, egal wer gewinnt, es wird eine lange Nacht werden.
Ghana ist eine gute Mannschaft, es wird ein interessantes Spiel werden aber einer Sache bin ich mir sicher: Deutschland wird Gruppensieger und ist ein heißer Kandidat für den Titel!

Gestern Abend wurde Südafrika das erste Mal in seiner feierlichen Stimmung gebremst.
Das Spiel gegen Uruguay endete mit einem deutlichen 0:3 und hat enttäuscht.
Die erste Halbzeit über waren die Südafrikaner ideenlos, zeigten nur wenig Spielfreude und hatten keine wirklichen Torchancen. Zur Halbzeit lag Uruguay verdient mit einem Tor vorne, die machten das Spiel und lieferten eine stabile Vorstellung ab.
In der zweiten Halbzeit wurde das Spie dannl turbulenter, Südafrika begriff das dieses Spiel noch gedreht werden kann und versuchte selbstbewusst nach Vorne zu spielen. Das ganze Land saß vorm Fernseher als der Schiedsrichter eine gravierende Fehlentscheidung aussprach. Foulelfmeter für Urugay und als Konsequenz die rote Karte für den südafrikanischen Nationaltorwart. SCHWALBE. Dann machte Uruguay alles klar und verwandelte knapp gegen den frisch eingewechselten Ersatztorwart.
Das Spiel war gelaufen, die Fans wussten das und dementsprechend war auch die Stimmung.
Kurz vor Schluss dann das 3:0 für Uruguay – die Träume eine Runde weiterzukommen sind jetzt nur noch durch ein Sieg gegen Frankreich zu verwirklichen. Wie das Land feiert hat es das wirklich verdient, eine Chance gibt es noch – aber dafür muss auf dem Platz mehr geackert werden, dafür müssen auf dem Spielfeld mehr Ideen her. Ich drück die Daumen: “Shosholoza Bafana, Bafana!“ (“Auf gehts unsere Jungs!”)

Ich muss jetzt duschen, packen und dann geht’s on the road straight to Port Elizabeth!Viel Spaß vor den Leinwänden, macht Stimmung und seid heiß auf den Titel. Wenn Deutschland morgen wieder torreich auftritt, dann werden wir als Favorit ins Rennen gehen. Wer soll uns bremsen? Jedenfalls nicht Spanien, die verloren gestern gegen die Schweiz, peinlich peinlich.
Bis jetzt ist die WM wirklich nicht besonders spektakulär bis auf eine Mannschaft: Unsere Mannschaft, unsere Jungs, Deutschland!!!

Letzte Chance - Gegen Frankreich muss gesiegt werden

12

Jun 10

Bunt, Bunter, Südafrika!

Es ist ein sonniger freundlicher Morgen in Kapstadt, alle Weltmeisterschafts-Infizierten zieht es in die Innenstadt, das lange Warten hat ein ein Ende, der Tag ist endlich da, die Fußball Weltmeisterschaft 2010 wird in wenigen Stunden in Johannesburg „Soccer-City“ eröffnet.
Die Bilder und Szenen die sich abspielen sind absolut farbenfroh, alle Menschen sind super gelaunt, in unglaublicher Feierlaune und guter Dinge in Hinsicht auf das bevorstehende Eröffnungsspiel gegen Mexiko am späten Nachmittag.
Der Andrang war wirklich enorm, das FIFA Fan-Fest, dass ich eigentlich besuchen wollte war schon voll, hunderte Menschen standen vor dem Eingang machten Lärm und feierten, aber keine Chance, die Tore blieben geschlossen. Sicherheitskräfte sagten die Kapazitäten seien ausgeschöpft – 50.000 Zuschauer sollten bereits in der Fan-Arena sein.

"Hier kommste nicht rein" - Das Fifa-Fanfest war schon um 12 uhr voll!

"Hier kommste nicht rein" - Das Fifa-Fanfest war schon um 12 uhr voll!

Also woanders das Spiel gucken! Dafür mussten wir quer durch die Stadt laufen, bis zu Kapstadts Waterfront, wo auch noch eine Leinwand aufgebaut war und hoffentlich genügend Platz sein würde.
Auf dem Weg dorthin ergaben sich Impressionen die an die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erinnerten. Fan-Schwärme auf den Straßen, Tänze, Gesänge, ja alles ähnlich – natürlich bis auf die für schlagzeilensorgende Vuvuzela, aber dazu später mehr.

Sicherheitskräfte waren im Volleinsatz, zu Land zu Wasser und auch via Hubschrauber in der Luft.Auch das Militär war geringfügig in speziellen Fahrzeugen vertreten, auf kleinen Schiffen mit Maschinengewähren bewaffnet, für den Ernstfall vorbereitet und immer in Bereitschaft.Die Polizei sah man auf Streife zu Fuß und auf Pferden, zu keinem Zeitpunkt gab es Auseinandersetzungen, alles war friedlich und insgesamt eine wirklich geile Stimmung.

Fans maschieren mit Freude zur Waterfront

Fans maschieren mit Freude an die Waterfront

An der schönen Waterfront angekommen war es noch eine gute Stunde bis zum Anpfiff, es war Zeit einen Bierstand aufzusuchen und zu tanken. Ich war positiv überrascht – 20 Rand (2 Euro) für 0,5 Liter lecker eisgekühltes Bier. Es war schön zu wissen das man nicht all zu viel Geld „verflüssigen“ würde. Ok am Ende war es dann doch eine Menge. Aber Trotzdem, die Preise waren für uns Bierfreunde trinkfreundlich und gingen schon in Ordnung.
Unter die vielen Südafrika Fans mischten sich auch Fußballbegeisterte aus Uruguay und Frankreich und bildeten lautstarke Versammlungen. Die Begegnung war später am Abend in Kapstadt im Greenpoint Stadion angesetzt und die Fans fingen schonmal an sich warm zu feiern. Alle sympathisierten miteinander, auch einige mit Deutschlandtrikots waren unter der Menge.

Auch hier war es richtig voll, es gab aber diesmal keinen offiziellen Eingang der abgeriegelt werden konnte.
Die Leinwand zeigte Jacob Zuma, den südafrikanischen Präsidenten wie er FIFA Präsident Blatter die Hand schüttelte und noch ein paar ehrenhafte Worte an das Publikum richtete.
Sound gab es keinen, man hätte bei dem Lärm aber sowieso nichts verstanden, und dann kurz vor Anpfiff ging eine Gänsehaut durch die Reihen…

…Die Nationalhymne schallte über den Platz, jeder sang voller Stolz, Erwartung und Vorfreude. Die Atmosphäre war unbeschreiblich, Adrenalin schoss durch die Adern als der Ball endlich ins Rollen kam und das Spiel angepfiffen wurde. Jetzt ging es erst richtig los! Die WM war eröffnet!
Die Menschen sangen und tanzten, die afrikanischen Mädels schüttelten ihre Ärsche und gingen einfach nur Steil. Hier feiern die Frauen nochmal anders als in Deutschland, nämlich viel lautstärker und bekloppter. Das Spiel wurde für manche zur Nebensache und die Party stand im Mittelpunkt.
Verständlich beim verhaltenen Beginn der Südafrikaner, Mexiko machte das Spiel und Südafrikas Torwart bewahrte das Land mit einer guten Parade vor dem frühen Rückstand. Südafrika versuchte sich immer mehr und kam nur schwer ins Spiel, sobald der Ball in den gegnerischen Strafraum flog, jubelten die Fans und hofften auf ein Tor.

Halbzeit – Bier muss her! Den Becher wieder aufgefüllt, ein Sandwich verdrückt und schon ging es in die zweite Hälfte. Und die sah schonmal viel besser aus. Südafrika begriff langsam das Angriff die bessere Verteidigung ist und spielte selbstbewusst mit dem eigenen Land im Rücken nach Vorne.
Jeder Angriff wurde laut bejubelt, es war nicht nur die Vuvuzela zu hören, von „Schalalala“ über “Ole Ole Ole” war bis zu südafrikanischen Nationalgesängen alles dabei.
Dann in der 55. Minute war es Südafrikas Topspieler Siphiwe Tshabalala der Südafrika in einen Hexenkessel verwandelte. Unbegreiflich was sich abspielte, Szenen die nur Bilder beschreiben können. Die Führung war der Startschuss für grenzenlose Euphorie und ein absolutes Ausrasten.
Jetzt musste es doch klappen, alles war auf den Kopf gestellt und in der 70. Minute hätte Südafrika alles klarmachen können, doch scheiterte Modise am freistehendem Torwart. Scheiße aber auch!

Dann der Schock und alles war für eine kurze Zeit still. Mexiko glich aus und das nur zwölf Minuten vor Schluss. Wirklich Schade! Dann kurz vor Abpfiff hätte sich das Blatt nochmal wenden können und die vorherige Siegesstimmung wäre wiederhergestellt wenn Katlego Mphela nicht den Pfosten sondern das Tor getroffen hätte. Eine Riesenchance. Das war knapp!

Schlusspfiff auf dem Platz – aber auch wirklich nur da!

Die Südafrikaner feierten sich und ihr Team und haben mal wieder gezeigt wie viel Energie und Lebensfreude in Ihnen steckt:
„Scheiß aufs Unentschieden, das ist unsere Weltmeisterschaft und solang die geht feiern wir auch!“
Diese Einstellung ist bemerkenswert, aber noch ist für Südafrika alles drin, Frankreich und Uruguay trennten sich gestern Torlos in einem ehr trostlosem Spiel.

Spiegel Online schrieb noch gestern Abend das die Spielqualität unter dem Lärm der Vuvuzela leiden würde.Bemerkenswert eine solche Aussage nach nur einem Spiel zu treffen.
Weiterhin käme keine Stimmung während den Spielen auf und die Vuvuzela würde einem die Lust beim Zuschauen verderben.
Wem es nicht passt, der kann sein Ton ja aus stellen, aber solange die WM in Südafrika ist, gehört die Vuvuzela nunmal dazu, sie ist Kult und die Südafrikaner sollten doch wohl feiern dürfen wie es ihnen am liebsten ist. Ich hör das Getröte schon gar nicht mehr, es ist halt überall.
Außerdem musste ich gestern feststellen das die Vuvuzela sich auch hervorragend als Bier-Rutsche eignet. Eine wirklich tolle Erfindung.

Die berüchtigte Vuvuzela heizt nicht nur das südafrikanische Team an, sondern auch die Diskussionen im Ausland

Die berüchtigte Vuvuzela heizt nicht nur das südafrikanische Team an, sondern auch die Diskussionen im Ausland

Weiter ging es nämlich die ganze Nacht, Fans zogen durch die Straßen und jeder feierte mit jedem bis in die frühen Morgenstunden. Alles war friedlich, es war ein gelungener Startschuss, eine Party die einfach nur gerockt und jeden glücklich gemacht hat. Das Land hat mir mal wieder bewiesen was es alles zu bieten hat und wie gastfreundlich es ist.
Eine verrückte Nation, die bunt ist, immer gute Laune hat und bis zum Ende feiern kann, egal ob Niederlage, Sieg oder Unentschieden.
Lasst den Funken auf euch überspringen, seid einfach Ayoba (cool drauf) und freut euch auf eine geile Wm in einem geilen Land! Ich bin jedenfalls schon jetzt mehr als begeistert…

Unentschieden - Trotzdem wird wie bei einem Sieg gefeiert! Noch ist für Südafrika alles offen

Unentschieden gegen Mexiko - Trotzdem wird wie bei einem Sieg gefeiert! Noch ist für Südafrika alles offen...

9

Jun 10

Ayoba! Mögen die Spiele beginnen

Es knistert in der Luft, die Fahnen flattern, eine gespannte Atmosphäre breitet sich aus. Mittlerweile scheinen wirklich Alle begriffen zu haben, dass es nur noch wenige Tage dauert bis die große langersehnte Monats-Party los geht: die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Wm 2010 in Südafrika

Voller Vorfreude: BFA-Korrespondent Marius Geisler wird die Nationalelf für die Bierfreunde durch Südafrika begleiten.

Hier in Südafrika dauert alles immer ein bisschen länger, so schien es sich auch mit der Freude auf das größte sportliche Ereignis der Welt zu verhalten.
Es war lange Zeit kaum  etwas davon zu spüren, dass hier bald um die Krone des Fußballs gekämpft wird. Viele Menschen waren skeptisch, die Stadionstädte Baustellen und nur wenige konnten sich vorstellen das Südafrika wirklich für das große Fußballfest bereit ist.
Die ausländischen Medien kritisierten die Entscheidung für Südafrika als fatale Fehlentscheidung der Fifa. Alle suchten nach Schwachstellen, die das Land als Austragungsort in Frage stellen würden. Fehlende Sicherheit, politische Instabilität und die fragwürdige pünktliche Fertigstellung der Stadien waren die beliebtesten Themen, die immer wieder für dicke fette Schlagzeilen sorgten.
Kritik hagelte es aus allen Mündern und Schreibfedern, doch welche Chancen eine solche Fußballweltmeisterschaft in einem Schwellenland mit sich bringt, wurde nur wenig diskutiert.
Der Spirit der Menschen, die lebensfrohe Einstellung, die Freundlichkeit, die herzliche Offenheit, die günstigen Drinks im Club, die bunte faszinierende Kultur, die Schätze der Natur, all das schien nur wenig Bedeutung zu finden und schon hatte sich ein ganz anderer Eindruck ergeben als bei der letzten WM in Deutschland, nämlich hieß es für die WM 2010 letztendlich aus medialer Sicht: „Die Welt zu Gast bei Gangstern“.

Zur großen Enttäuschung der Kritiker ist jetzt doch alles anders gekommen als vorausgesagt. Alle Stadien sind pünktlich fertiggestellt, auch die Verkehrswege sind bereit die bekloppten Fußballfans zu den Stadien zu leiten. Nur in Johannesburg gibt es noch sehr viele Baustellen, sicherlich wird es überall zu Staus kommen, aber die gibt es auch wenn der Hamburger SV ein stinknormales Bundesligaspiel hat. Südafrikaner nehmen sich nunmal gerne etwas Zeit und die sollten sich die ausländischen Gäste ebenfalls nehmen, ein Pils und es ist fünf Minuten später, das sollte helfen. Immer schön entspannt bleiben ganz getreu der Philosophie: „In Europe they have watches, in Africa we have time.“

Kriminalität ist sicher ein Problem, aber die Polizei wird Präsenz zeigen und wenn man sich nicht wie ein besoffener Engländer durch die Straßen pöbelt und jeden anspuckt, dann wird man die Feier genießen und jeder seinen Spaß haben. Die Polizeischule hat in der WM-Vorbereitung einen beachtlichen Zuwachs verzeichnet – Zum Turnier sind über 40.000 neue Polizeikräfte ausgebildet worden. Generell gilt es aber aufmerksam zu sein.
Der Ticketverkauf ist nach Startproblemen dann doch richtig ins Rollen gekommen, Mitte April war es möglich die Tickets auch in öffentlichen Einrichtungen zu ergattern, die Onlinebuchung hatte viele Südafrikaner überfordert, denn viele wussten gar nicht, dass es möglich war diese schon Monate vorher per Mausklick im Internet zu kaufen. Know how war da gefragt, das ging jedoch an sehr vielen Menschen vorbei, dass die Tickets dann auf einmal im Supermark zu kaufen waren, das ging rum wie eine Grippe.
Die Schlangen vor den Verkaufsstellen glichen denen bei einer fünf-Sterne-Essensausgabe für Obdachlose. Am ersten Tag war der Andrang so groß, dass das Computersystem zusammenbrach, manche WM-Verrückten kampierten bis zu vierzehn Stunden vor Eröffnung auf der Straße und hielten sich warm mit Bier, Schnaps und dem Tröten von Vuvuzelas.
Apropos nervtötende Vuvuzelas, ab sofort ist es gesetzlich verboten diese in Flugzeugen zu blasen und Vergehen werden mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet, also Finger weg von den bunten Tröten im Luftraum!
Mittlerweile sind jetzt über 2,8 Millionen der 3 Millionen verfügbaren Tickets verkauft, die restlichen Tickets gehören der teursten Preisklassen an, die für den durchschnittlichen Südafrikaner nicht erschwinglich ist.
Und erst jetzt schien es in den Köpfen klick zu machen, bald wird eine  riesen Party steigen, dann  ist endlich mal der runde Fußball an der Reihe!
Ein Mal wird Fußball die Nationalsportarten Kricket und Rugby in den Schatten stellen, die ganze Welt wird sich auf  Südafrika konzentrieren, diese Vorstellung macht besonders viele schwarze und farbige Südafrikaner stolz. Jetzt sind sie an der Reihe ihren Lieblingssport zu feiern: Fußball!
WM-Artikel werden an jeder Ampel verkauft, nicht nur Fahnen, sondern auch neuartige revolutionäre Flaggenkondome für die Seitenspiegel.

Organisatorisch scheint Südafrika alles im Griff zu haben, in den großen Städten gibt es die beliebten “Public Viewing” Veranstaltungen, so dass auch alle an dem Fußballfest teilnehmen können, auch diejenigen, die keine Tickets haben. Menschenmassen werden in Grün-Gelben Outfits Party machen und ihr Team lautstark anfeuern. Die WM wird alle Menschen zusammenbringen und den Zusammenhalt der gesamten Nation stärken. Es ist genau das, was das Land am Besten gebrauchen kann, ein Ereignis das alle zusammen bringt. Verlieren können die Südafrikaner gar nicht, nein sie haben schon gewonnen.

Ja das Land ist bereit, alle sind aufgeregt, es gibt nur noch dieses eine Thema. Wenn man schließlich Landsmänner fragt wer am Ende gewinnt, fangen viele an zu lachen und sagen “Wir natürlich!”. Die Augen und die Körpersprache sagen einem zwar oft etwas anderes, aber einer Sache kann man sich dann doch hundertprozentig sicher sein: Solange die Weltmeisterschaft läuft wird man die Vuvuzela hören, die Menschen werden tanzen und gute Laune verbreiten. Egal ob Niederlage oder Sieg; das Land wird zeigen was in ihm steckt, nämlich eine verrückte bunte Regenbogennation voller Freude, Spaß und Fröhlichkeit.
In diesem Sinne: Greift euch nen` Kasten Bier, ladet eure Freunde ein und sagt Prost es kann endlich losgehen! The final countdown is running, let’s get it started!
Weitere Berichte folgen, als BFA-Korrespondent in Südafrika werde ich euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten…

makaraba