Bierfreunde Alstertal

KEIN APPLAUS FÜR SCHEIßE. SEIT 2007.

9

Feb 11

Zur Lage der Nationalmannschaft

von Razia Sackschärfer

Die Bierfreunde wachen noch heute schweißgebadet auf, brechen in verzweifelte Heulkrämpfe aus und brüllen „WIESO?“ in die Nacht, wenn sie von den Bildern der zweifelsfrei schmerzhaftesten Niederlage ihrer Geschichte eingeholt werden. Den Bildern vom 4. Juli 2006 – als Deutschland im Halbfinale der Weltmeisterschaft ausschied. In Dortmund. Gegen Italien.

Tieferschüttert und hasserfüllt standen die Freunde, bei denen die Welt bis dahin zu Gast gewesen war, vor den Leinwänden der Republik und verfluchten ihr Schicksal. Italien war innerhalb von drei Minuten von diesem Slogan ausgeklammert. Zu allem Überfluss gewann Italien auch noch das Finale gegen das Land der künftigen Ehefrauen und Zinedine Zidanes und wurde schließlich einer der unverdientesten Weltmeister aller Zeiten.

Jahre der totalen Verachtung folgten, bis das frühe Ausscheiden der Squadra Azzurra bei der WM in Südafrika die verbrannte Erde der deutsch-italienischen Beziehungen bewässerte und vorisichtig das Moos der Absolution und Gräser der Freundschaft sprießen ließ. Viereinhalb Jahre nach dem fußballerischen 11. September treffen die Teams am Ground Zero im Dortmunder Westphalenstadion erneut aufeinander – doch diesmal stürmen wir das Cockpit.

Durch Tore von Khedira, zwei Mal Özil und Götze wird Deutschland als verdienter Sieger mit 4:0 vom Platz gehen, errechnete das BfA-Rechenzentrum. Die Italiener sind ja nur noch eine Knoblauchfahne ihrer selbst. Diese Gelegenheit muss der DFB mit eiskalter Härte beim Schopfe packen und das Trauma 06 mit fußballerischer Vendetta an de Rossi und Co. endlich überwinden.

Die Bierfreunde wissen, dass es sich bei dem Spiel, das der DFB auf seiner Website breitbrüstig als „Merh als ein Jahrhundertspiel“ bewirbt, nur um ein sogenanntes Friendly handelt. Trotzdem kann es der hasserfüllten Seele Balsam sein, und bei einem entsprechenden Ergebnis den Weg ebnen für eine neue Epoche italo-deutscher Völkerverständigung. Denn Italien gibt es durchaus zu Recht. Aus der schier endlosen Liste liebenswerter Eigenschaften Italiens lesen die Bierfreunde die Top3 heraus:

Preeeeeeego! Agua minerale!

1. Luca Toni. Ciò che la Bundesliga, negli ultimi anni sarebbe senza Luca Toni aveva. Gli italiani al Bayern ci ha portato molti amici e non ultimo il super-hit “Numero Uno

2. Panini-Bilder. Dem italienischen Panini-Verlag verdanken es die Bierfreunde, dass sie noch heute in schlafwandlerischer Sicherheit die Stammelf Nigerias bei der WM ’94 aufsagen können. Panini-Hefte sind das Fu und Fara des Fußballs – ein unverzichtbarer Bestandteil jeder WM-Vorbereitung.

3. Die Schauspieler. Oft spricht man über italienische Gastarbeier, die Europa nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Gut und schön. Doch viel wichtiger sind die DeNiros, Leones und Pacinos! Kaum auszumahlen, was für Gangsterfilme man sich hätte anschauen müssen, wenn schon im 20. Jahrhundert nur Iren dabei mitgewirkt hätten. Das Schauspiel der Italiener ist nicht nur auf dem Platz unverwechselbar.

Nach der klaren 4:0 Erniedrigung am heutigen Abend ist es wieder Zeit für Amicizia. Italien wird dem DFB in den kommenden Jahren – wie England und Frankreich – nicht gefährlich werden. Da kann man die alten Mordgelüste im Sinne der Völerständigung ruhigen Gewissens begraben. Denn jeder Mensch ist Italiener – fast überall auf der Welt.


9

Feb 11

DFL terminiert Nachholspiel gegen St. Pauli

Die DFL hat am Mittag den Termin für das Nachholspiel HSV – St. Pauli bekanntgegeben.

Die Partie wurde letzten Samstag überraschenderweise aus fadenscheinigen Gründen abgesagt.

Anpfiff ist am Mittwoch den 16.2. um 18:45 in der Hamburger Imtech-Arena.

6

Feb 11

Die Mär von der Spielabsage

von Theresa Kackaroschka

Schicht im Schacht, Ende Gelände – aus die Maus. In einem beispiellosen Akt selbstherrlicher Verlogenheit hat der Verband die Begegnung HSV gegen FC St. Pauli abgesagt. Die Medien verbreiten die offizielle Begründung gutgläubig und ungefiltert weiter. Die Bierfreunde Alstertal können die repressive Toleranz der etablierten Bewusstseinsindustrie nicht weiter hinnehmen und kehren in die aktive Berichterstattung zurück.

Der Rasen sei nicht bespielbar – klar. Mhh genau. Weils geregnet hat. Konnte ja keiner wissen, dass im Januar nicht bei 20 Grad die Sonne scheint wenn man drei Tage vor Anpfiff neuen Rasen verlegt. Eine unbeschreibliche Schmach ist es, ausgerechnet dem kreisligahaft ausgerüsteten Amateurclub von Pauli wegen schlechten Rasens das Duell zu verweigern.

Ein Haufen Scheiße ist das!

Da hätte man sich lieber an die Terror-Hysterie-Variante halten sollen, mit der hamburger Medien im Laufe der Woche bereits die Begründung einer Absage vorbereitete. Leider peppten Mopo (“BOMBENALARM IN DER IMTECHARENA”) und BILD die an sich bürokratisch-einfallsschwache Idee einer Bombenpanikmache etwas zu bunt auf: Der  Kampfmittelräumungsdienst habe Rauchbomben im Gästeblock gefunden, die per Zeitzündung die Paulianer in schwarz-weiß-blauen Rauch einnebeln sollte.

Was für eine geile Idee – dachten sich die Hamburger und waren eigentlich eher enttäuscht, das Spektakel nicht gesehen zu haben, als Angst vor Terroristen zu bekommen. Also startete man Plan B: Wir reißen einfach den Rasen raus, dann können die hier nicht spielen. Eine peinliche Frechheit. Eine Farce.

Doch warum? Warum bestahl man Hamburg – jedenfalls vorerst – um seinen sportlichen Höhepunkt des Jahres? Warum brachte man uns dazu, so bitterlich zu weinen? Ganz einfach: Weil man uns hasst. Der Staat hat einfach keinen Bock darauf, dass Fußballfans Spaß haben, sich danebenbenehmen, prügeln und randalieren. Die Absage war ein knallhartes Fuck You von Stadt und Polizei.

Es wird ja seit Jahren lamentiert. Und die Gewalt. Und ist das alles schlimm beim Fußball. Und überhaupt. Da fordert der Staat doch allen Ernstes, die Fußballvereine sollten die Kosten für die polizeiliche Absicherung der Spiele zukünftig selbst tragen. Als wären die Vereine oder gar der Fußball die Ursachen für Gewalt und Vandalismus. Beim Fußball entlädt sich doch nur der Frust, den die hasserfüllte Leistungsgesellschaft in einem jeden von uns anstaut.

Sollen doch die Arbeitgeber die Kosten übernehmen, die ihre Arbeiter ausbeuten oder diese Computerfirmen, die diese schrecklichen Gewaltspiele auf den Markt bringen. Aber lasst um Himmels Willen den Fußball in Ruhe! Die Bierfreunde werden nicht zulassen, dass der Fußball zum Sündenbock politischer Versager wird.

6

Feb 11

Tresenthesen über Tim I

Tim Wiese geelt sein Haar seit Jahren mit dioxinhaltigem Industriefett.

6

Feb 11

kommt…

Fehler 404 – deine Mudda.

Seite noch unter Konstruktionen.

24

Nov 10

Thomas Schaaf zu Gast beim Urgestein

Thomas Schaaf macht ein Praktikum beim HSV.

Während eines Vortrages von Armin Veh fragt er ihn:

“Herr Veh, Sie führen so einen erfolgreichen Klub, können Sie mir nicht ein paar Tipps geben?” Veh sagt: “Nun ja, das wichtigste ist, sich mit intelligenten Menschen zu umgeben.” Schaaf runzelt die Stirn und

antwortet:  “Aber woher soll ich denn wissen, welche Leute wirklich intelligent sind?”

Veh nimmt einen kleinen Schluck Kaffee und sagt: “Das ist einfach. Sie müssen sie ein kleines Rätsel lösen lassen.” Er lässt Mladen Petric ins Büro kommen. Petric tritt herein und fragt: “Was kann ich für Sie tun?” Veh lächelt und spricht: “Mladen, beantworte mir bitte folgende Frage: Dein Vater und deine Mutter haben ein Kind. Es ist nicht dein Bruder und nicht deine Schwester. Wer ist es?” Ohne einen Moment nachzudenken antwortet

er:

“Das muss dann wohl ich selbst sein.” Armin Veh lächelt und sagt:

“Sehr gut, danke. Sehen Sie, Herr Schaaf, Mladen kann das Rätsel lösen. Aber können das Ihre Leute auch?”

Zurück in Bremen ist der Werder-Trainer ziemlich verwirrt. Er ruft Tim Wiese zu sich. “Hey Tim, beantworte mir doch mal folgende Frage: Dein Vater und deine Mutter haben ein Kind. Es ist nicht dein Bruder und nicht deine Schwester. Wer ist es?” Wiese guckt verwirrt und sagt: “Hmmm, ich bin nicht sicher. Trainer lass mich darüber nachdenken.” Daraufhin läuft er zu allen Beratern, aber keiner kann ihm helfen. Schließlich endet er im Männerklo und bemerkt Claudio Pizarros Schuhe in der Kabine neben ihm.

Er ruft zu ihm rüber: “Hey Claudio, beantworte mir mal eine Frage: Dein Vater und deine Mutter haben ein Kind. Es ist nicht dein Bruder und nicht deine Schwester.

Wer ist es?” Pizarro ruft zurück: “Hey, das ist einfach. Das bin ich!”

Wiese lächelt und ruft zurück: “Super, danke!” Daraufhin geht er zurück zu Schaaf und berichtet ihm stolz, dass er die Lösung gefunden hat:

“Endlich habe ich die Antwort – es ist Claudio!” Wütend steht Schaaf auf, geht auf Tim Wiese zu und schreit ihm ins Gesicht:

“Nein, du Trottel, es ist Mladen Petric!”

14

Jul 10

Schlusspfiff auf dem Platz – Aber die WM geht noch weiter!

Südafrika – die WM ist vorbei, vier Wochen lang wurde das größte Sportereignis der Welt zelebriert und Südafrika gibt den Pokal und die damit große Verantwortung weiter nach Brasilien. Sechs Jahre hatte das Land sich auf diesen Moment vorbeireitet, es wurde geplant, gebaut und vor allem wurden keine Kosten gescheut  um den großen Erwartungen des eigenen Landes und besonders die der FIFA gerecht zu werden.
Doch was bleibt am Ende eigentlich? Mit welchem Eindruck verabschiedet sich Südafrika vom Präsentierteller? Ist die Weltmeisterschaft ein Erfolg? Hat sie positive nachhaltige Auswirkungen auf das Land und dessen gesamte Bevölkerung? Sind nach der WM alle Gewinner oder gibt es auch Verlierer, die ratlos im Abseits stehen und gar enttäuscht oder wütend vom Platz gehen?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich die Hände. Wer hat alles noch gewonnen und wer hat verloren?

Spanien ist Weltmeister! Alle feiern und strahlen, auch FIFA Präsident Sepp Blatter steht im Goldregen und reibt sich zufrieden die Hände. Südafrikas Staatsoberhaupt Jacob Zuma ist ebenso auf dem Siegerbild. Doch sieht der eher aus als würde er gleich zu Boden fallen. Bedeutet(e) die WM in Südafrika ein Erfolg für das ganze Land?

Die FIFA als Retter der Welt

Es wurde viel getan, der Druck von Außen war enorm, Südafrika wurde als Sorgenkind bezeichnet, eine WM in Afrika, das wäre zu früh. Wo Menschen noch mit Pferden durch die Straßen ziehen, wo ein Großteil der Bevölkerung noch in Wellblechhütten lebt und mit der Hand wäscht, dort solle wirklich eine Weltmeisterschaft stattfinden?
Es wurde kontrovers als die FIFA den Pokal nach Südafrika gab, eine Weltmeisterschaft bedeutet Verantwortung und Organisation. Das Know How ist von enormer Bedeutung.
Um das Know How musste Südafrika sich jedoch nur wenig Sorgen machen, das brachte die FIFA mit, ein im Preis enthaltener Service sozusagen. Denn die Richtlinien sind wie auf dem Sportplatz genau gezogen, die FIFA bietet kaum Spielraum wenn es darum geht den Verlauf und das Drumherum der großen Spiele, also die  Weltmeisterschaft zu planen. Die FIFA macht in ihrer Behandlung nur wenig Unterschiede in Hinblick auf den Gastgeber und auf einmal war es wieder unwesentlich das Südafrika ein Schwellenland ist. Ein Land mit Potential aber eben auch mit Problemen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht.
Wenn man also ein solch bedeutsames Event in ein Schwellenland vergibt sollte man doch meinen damit auch entwicklungsbedeutsame Aspekte setzen zu wollen, einen Zweck zu verfolgen, in diesem Falle Südafrika eine Chance zu bieten um mit diesem sportlichen Ereignis etwas auch neben dem Platz zu bewirken. Und natürlich war es genau das was die FIFA mit dieser Weltmeisterschaft bezwecken wollte, eine WM in Südafrika als persönliches Entwicklungsprojekt. Stolz wurde verkündigt das jeder einzelne Südafrikaner von dieser Weltmeisterschaft profitieren würde. Die FIFA als wohltuender Entwicklungshelfer sprach von einem bevorstehenden Aufschwung in gesellschaftlicher aber auch wirtschaftlicher Hinsicht.
Wunderbar, schöne Musik für die Ohren aber die Augen sagen dann doch etwas anderes und auf einmal riecht es ganz und gar nicht mehr nach der versprochenen nachhaltigen Entwicklung. Seitens der FIFA mit einem Eigenkapital von einer Milliarde Euro gab es keine Subventionen und somit keine besondere Behandlung. Nein, es wurde im Gegenteil sogar vorgeschrieben was alles wo und wie viel investiert werden müsse.
Der Staat, also (nachträglich) der Steuerzahler investierte über dreiunddreißig Milliarden Rand (3,3 Milliarden Euro) in den Bau von Stadien, den Ausbau der Infrastruktur und polierte so Südafrika auf, damit es für einen Monat im Mittelpunkt der Welt ein schönes Bild erzeugen würde. FIFA geprüft mit FIFA-Stempel eben.
Die dritte Welt verschwand hinter einem glitzernden Vorhang und die erste wurde glänzend ins Rampenlicht gestellt. Und um den Entwicklungshelfer zu spielen besuchte FIFA Präsident Blatter Townships, lächelte stolz in die Kamera und verteilte Fußbälle. Welch großes Herz dieser Mann doch besitzt. Ist jedoch mal keine Kamera zur Stelle dann ist sieht es auch schon wieder weniger herzlich aus. Bettler werden von den Straßen vertrieben, Straßenhändler dürfen in der Umgebung der Stadien keine Geschäfte machen und Armut und Hilflosigkeit verschwinden plötzlich von der Bildfläche, es sieht fast so aus wie in Europa und man fühlt sich auch so.
Die Menschen haben die FIFA Regierung gespürt und viele sind wütend darüber, dass diese das Land komplett übernommen hat.
Der Fifa-ismus überschwemmte das Land, Sponsoren bestimmten den Markt und noch um 24 Uhr Nachts hatte der FIFA Fanshop an Kapstadts Waterfront geöffnet, um unteranderen  die weltbeliebten Vuvuzelas für erschwingliche 11 Euro das Stück fair zu vertreiben. Lärmmachendes Plastik aus China mit FIFA Druck.
Im Gegenzug hatte sich jedoch schon bald eine kleine Protestbewegung gebildet und hin und wieder begegnet man Typen in gelbgrünen T-Shirts mit der wunderschönen Aufschrift „Fick Fufa“.

Eine Regenbogennation als ganzer Kontinent

Südafrika – ein Land mit einer großen Geschichte. Eine Gesellschaft die viel erlebte und sicherlich noch immer für den gemeinsamen Frieden eine Menge leisten muss. Elf Sprachen, neun Provinzen, drei Hautfarben und obendrauf eine Vergangenheit die es schwierig macht eine gemeinsame gerechte Zukunft für alle zu gestalten. Es war Nelson Mandela der den ersten Schritt auf dem Pfad der Freiheit und Gerechtigkeit tat, ein langer Weg, der nur geschafft werden könne, wenn der Vergangenheit mit Vergebung gegenübergestanden werde, ohne jegliche Rache, sondern gemeinsam als eine tolerante Nation für eine neue friedvolle Zukunft.
Dieser Weg ist nach mittlerweile sechzehn Jahren noch lange nicht gegangen und noch immer hat Südafrika große Probleme sich als eine einheitliche gemeinsame Nation zu definieren.
Der Rassismus ist noch nicht ausgestorben und besonders die riesige Kluft zwischen arm und reich schürt die Urteilsfindung und macht es natürlich schwer ein Gemeinschaftsgefühl für die gesamte Gesellschaft zu entwickeln.

Erlebnisse die einander verbinden werden dringend gebraucht und damit war die Weltmeisterschaft eine Chance für eine Art Schlüsselerlebnis welches helfen könnte sich als ein gemeinsames Land zu erkennen, das Interesse zu wecken andere Sichtweisen und Kulturen kennenzulernen und vor allem Toleranz und Stolz für- und miteinander zu entwickeln.

Vor 4 Wochen ertönte ein Pfiff in Johannesburg, ein Pfiff der den Startschuss für etwas neues aufregendes bedeutete. Die Fußballweltmeisterschaft war eröffnet und auf einmal hieß es „Bafana Bafana, make the circle bigger!“ Ein Land im Rausch, im Fußballfieber, farbenfroh und voller Erwartungen. Nicht nur gefüllt mit Erwartungen an die eigene Mannschaft sondern vor allem auch an die Zukunft. Ein Wir-Gefühl kam mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land und auch die sonst hartgesockenen weißen Rugbyfans trugen Südafrikatrikots und fieberten um einen Sieg.
Der eigentliche Sieg ergab sich nicht gegen Frankreich, sondern überall in guter Laune neben dem Platz.
Trotz des frühen Ausscheidens nach der Vorrunde haben sich die Südafrikaner auch die ganze restliche WM über mit Stolz präsentiert, es war ein Gemeinschaftsgefühl das alle ein Stück weiter miteinander verbunden hat. „We are out with proud“ hieß das Motto der Südafrikaner. Angereiste Fans waren und sind im Südafrika Fieber und sind fasziniert von dem Spirit und vor allem der Freundlichkeit der hier lebenden Menschen, mit der man immer wieder in Berührung kommt.
Das Land hat gezeigt was es leisten kann, wie viel Potential es hat und was es alles bewirken kann. Südafrika ist ansteckend, jeder der einmal dort war weiß wovon ich spreche.
Eine Weltmeisterschaft kann sicherlich kein Aids heilen, sie kann auch keine Millionen Jobs schaffen und die große Armut bekämpfen, aber sie kann einen Startschuss für etwas Neues setzen, nämlich etwas bedeutsames entfachen, was nur aus gemeinsamer Überzeugung geschehen kann. Nämlich der Glaube an eine Gemeinschaft und eine gemeinsame Zukunft in einem gemeinsamen Land, wo es viele unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen gibt, die aber alle mit einem Ziel verbunden sind: Ein friedliches Leben durch Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit.
Südafrika hat gezeigt was es heißt Glaube, Stärke und Zusammenhalt zu beweisen.
Nach dem Ausscheiden der südafrikanischen Mannschaft war Ghana Südafrikas neues Patenkind und das Land fieberte, hoffte und bangte um die Siege der ghanaeischen Mannschaft. Es war toll mit anzusehen, wie sich Afrika als eine große Mannschaft während der Weltmeisterschaft präsentiert hat. Die Südafrikaner sind stolz auf Afrika und es war für sie ein leichtes Sympathien für die anderen afrikanischen Länder aufzubringen und diese auch lautstark zu zeigen.
Am Ende könnte man meinen Südafrika wäre bis ins Viertelfinale gekommen wenn man miterlebt hat wie ein ganzes Land hinter einer anderen afrikanischen Nation stand. Sehr ehrenhaft war das anzusehen, so was hat man bei anderen Weltmeisterschaften in dieser Form noch nicht erlebt.

young-Fans

Die WM in Südafrika war ein Erlebniss, welches alle Menschen näher zusammen brachte. Egal ob jung, alt, schwarz oder weiß. Die Südafrikaner bewiesen Zusammengehörigkeit durch Teamgeist!

Die WM in Südafrika – ein wirtschaftliches Eigentor?

Für die FIFA keinesfalls, die hat mal wieder auswärts haushoch gesiegt. Am Ende ist sie der wirtschaftliche Gewinner des Turniers. Die WM in Südafrika soll der FIFA ein Plus von einer neunstelligen Summe eingebracht haben. „Mir liegen noch keine Zahlen vor. Lasst uns abwarten, bis alle Kontostände bekannt sind“, entgegnete Blatter bescheiden.
Südafrika hat im Gegenzug viel Geld investieren müssen, Jacob Zuma hat sich dadurch auch einen Aufschwung erhofft, aber ob die Investitionen greifen ist jedoch fraglich.
„Das WM Turnier wird unserem Land wirtschaftlichen Gewinn bringen“, sagte Jacob Zuma zum Ende der WM in einer Pressekonferenz.
Die letzten sechs Jahre bedeuteten sicherlich einen Aufschwung für Südafrika. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, 66.000 neue Jobs alleine in der Baubranche. Auch in die Sicherheit wurden 130 Millionen Euro investiert und somit 40.000 neue Polizisten ausgebildet.
Es wurden Stadien und Straßen wie mit Lego-Klötzen gebaut, koste es was es wolle und vor allem wo es FIFA Präsident Sepp Blatter wollte. Ein Beispiel für die Regierung Blatters war die Standortbestimmung für das von deutschen Architekten entworfene WM Stadion in Kapstadt. Kapstadts Politiker wollten dieses eigentlich in einen armen fußballbegeisterten schwarzen Vorort platzieren, doch Blatter wollte etwas für die schönere Postkarte und verlangte den Bau in Kapstadts Stadtzentrum Greenpoint, wo der Tafelberg, die Waterfront und Robbenisland für die passende WM Kulisse sorgen sollten.
Für einen Monat muss eben alles perfekt sein, ob und wie sich die Investitionen für Südafrika im Nachhinein lohnen ist Sepp Blatter doch egal. Für den Stadionbau in Greenpoint hat Blatter höchstpersönlich den ehemaligen Staatspräsident Thabo Mbeki angerufen, dieser hat daraufhin die Bürgermeisterin von Kapstadt unter Druck setzen müssen. Das Ergebnis: Eine Kostenerhöhung von umgerechnet 200 Millionen auf 470 Millionen Euro.
Zweites Beispiel, in Nelspruit, einer abgelegen Stadt am Rande des Kruger National Parks wurde ebenfalls ein WM Stadion mit 50.000 Sitzplätzen errichtet. Das Bauland, auf dem sich unteranderem auch eine Schulen befand, wurde für umgerechnet 10c verkauft. Drei zwei eins meins dachte sich der großherzige Blatter. Die Schule wartet bis heute auf einen Umzug in einen versprochenen Neubau.
Der Bürgermeister von Nelspruit wurde umgebracht als bekannt wurde das bei der Vergabe von Bauaufträgen Korruption im Spiel war. Der Mörder ist bis heute nicht gefasst.
Nicht nur die FIFA denkt eigensinnig, ebenfalls ist auch die südafrikanische Regierung mehr auf das Prestige in der westlichen Welt fixiert als auf die Lösung enormer Engpässe und sozialer Probleme.
Anstatt so wenig Schulden wie möglich zu machen werden teure Wahrzeichen für Städte erbaut, auch wenn sie gar nicht von Nöten sind und 1 Km weiter hausen Familien in nicht menschenwürdigen Verhältnissen, müssen um jedes Brot kämpfen und sehen für ihr Leben keine Zukunft. Prioritäten scheinen sich verschoben zu haben.
Das bereits bestehende Stadion in Durban wurde bereits von der FIFA als WM Stadion anerkannt, doch Durbans Politiker entschieden sich gegen den auf 6 Millionen Euro Kosten belaufenden Umbau und entschieden sich für ein 360 Millionen Euro neues teures Wahrzeichen, um sich in Zukunft als Sporthauptstadt Afrikas positionieren zu können. Grund dafür war ein Bewerbungswunsch für kommende olympische Spiele.
Letztendlich hat der Südafrikaner wirtschaftlich nichts von der WM, bis auf eine kommende Steuererhöhung. Südafrika ist ein Land das für solche unglaublich hohen Investitionen der Falsche Partner war. Es mangelt an Bildung, sozialem Ausgleich, Sicherheit, Gerechtigkeit, medizinischer Versorgung und Stabilität. Bevor man neue Baustellen anfängt sollte man erst die alten ausbauen und vor allem nachhaltig investieren. Stadien, die nach der WM leer bleiben helfen kaum das der kleine Eduardo einen Platz in einer Schule bekommt. Für die Tourismusbranche und die Sponsoren mag die WM ebenfalls ein Erfolg gewesen sein, aber für die Steuerzahler und die Armen keinesfalls. Denn die müssen das ausbaden, was die FIFA und die Regierung zu verantworten hat. Mal wieder haben sich nur die mächtigen Männer einen Vorteil verschafft. Von Entwicklungshilfe kann da nicht die Rede sein. Im Gegenteil.
Prestige und Aufmerksamkeit waren der Politik wichtiger als sozialer Ausgleich und soziale Absicherung. Wirtschaftlich wird auf Südafrika noch einiges zukommen, denn eins war die WM keinesfalls: Nachhaltig für die Menschen in Südafrika.
Es hätte anders laufen können, hätte die FIFA Subventionen vergeben und wären Südafrikas Staatsmänner sparsamer und mehr auf nachhaltige Investitionen aus gewesen.
Positiv ist, das nach der erfolgreich präsentierten WM Südafrika ein neues Bild von sich vermittelt hat und damit zu rechnen ist, dass der Tourismus einen weiteren Aufschwung verspüren wird.
Die ausgebaute Infrastruktur ist ebenfalls nachhaltig, auch wenn der Großteil von Südafrikas Bevölkerung kein Auto besitzt. Aber auch Transport und Handelswege seien nun besser ausgebaut und somit effizienter.
Die größte bedeutsamste Frage, was jetzt mit den vielen neuerbauten Stadien passiert ist dagegen noch nicht geklärt. Die bedeutsamen Vereine, ob Kricket oder Rugby können die hohen Kosten für die ehemaligen WM Stadien nicht aufbringen, außerdem ist die Nachfrage nicht so enorm wie die zu bietenden Sitzkapazitäten. Bei einem Stadion wurde im Nachhinein sogar festgestellt, dass der Platz 5 Meter zu kurz für den Nationalsport Kricket wäre und somit der in der Umgebung sitzende Verein nicht in diesem spielen könne.

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Schön sieht es ja aus das Stadion in Kapstadt, ebenso der Tafelberg als Postkartenkulisse! Aber was passiert in Zukunft mit all den neuen großen teuren Stadien und wer finanziert die Kosten?

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Südafrika - ein Land der Gegensätze. Nur wenige Kilometer von Kapstadts Innenstadt entfernt ergibt sich ein Bild wie aus einer ganz anderen Welt. Was ist notwendiger, Prestige oder sozialer Ausgleich?

Eine WM in Südafrika ist nun mal keine WM in Deutschland. Wenn man einem Schwellenland die Chance bietet das bedeutsamste Sportereignis der Welt auszurichten, dann sollte das auch unter besonderen Bedingungen geschehen. Die FIFA tat nichts anderes als ihre Koffer mit Geld zu füllen und schon jetzt sitzt Herr Blatter in seinem Privatjet FIFA-ONE auf dem Weg nach Brasilien um dort für die nächsten vier Jahre den Diktator mit großem Herz zu spielen. Um Fußball scheint es bei einer Weltmeisterschaft nur sekundär zu gehen, das eigene Spiel findet neben dem Platz statt und der Sieger steht schon vor dem Turnier fest. In der Öffentlichkeit wird sich zu Kritik nicht geäußert, Blatter stellt sich stolz als Welten-Retter da, aber sobald über Finanzen, schlechte Schiedsrichterleistungen oder die misslungene Organisation der FIFA-Volunteers gesprochen wird, dann nimmt unser unschuldiger fairplay-Sepp ein Blatt vor den Mund. „No Comment!“ entpuppte sich als Lieblingsstatement seitens der FIFA während der WM in Südafrika.
Feiner Spielzug Herr Blatter, hoffentlich werden Sie bald vom Platz geworfen, ausgewechselt oder gefoult. Mit Ihnen macht FIFA spielen jedenfalls keinen Spaß mehr.

SWITZERLAND SOCCER FIFA BLATTER TOURNAMENT

Die WM in Südafrika hat mal wieder gezeigt wer der eigentliche Spielmacher ist. Viele Kritiker fordern für Sepp Blatter einen Platzverweis aufgrund grober unsportlichkeit seitens der FIFA!

Schlusspfiff auf dem Platz! Doch die WM geht weiter

Trotz allem ist zu hoffen das Südafrika aus diesen vier Wochen etwas positives mitnimmt und weiter gemeinsam daran arbeitet die Ziele zu erreichen, die damals schon der mittlerweile 92 jährige alte Nelson Mandela formuliert hat. Denn nicht alle Ziele sind von Politik oder Wirtschaft abhängig, manche Ziele erreicht nur jeder Einzelne selbst in seinem Inneren und zwar mithilfe von Herz und Verstand. Dazu brauch es vor allem verbindende Erlebnisse.
Es mag immer noch ein weiter Weg zu gehen sein, doch hat die Weltmeisterschaft auch dazu beigetragen wieder nach Vorne zu sehen und Teamgeist zu zeigen.
Viele Südafrikaner haben sich für Fußball begeistern lassen und werden sicherlich auch bei der  kommenden WM-Qualifikation für Brasilien hinter ihrer Mannschaft und dem Kontinent stehen.
Jetzt gilt es das Beste draus zu machen und die positiven Erlebnisse mitzunehmen und darauf zu hoffen, das Südafrika auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht wieder Anschluss findet.
Darauf haben die Menschen so gut wie keinen Einfluss also muss man Ihnen am Ende auch das lassen was sie hatten. Nämlich eine farbenfrohe WM die das Gemeinschaftsgefühl in jedem Fall gestärkt hat.

Fans

Farbenfroh und immer gut gelaunt! Das war die WM in Südafrika. Sie wird bei vielen Menschen in den Köpfen bleiben. Nicht nur wegen der geliebten Vuvuzela, sondern auch weil ein Land gezeigt hat wie viel Potential und Spirit es zu bieten hat. Danke Südafrika für eine tolle Weltmeisterschaft!

Und wieder ertönt ein schriller Pfiff in Johannesburg Soccer-City, doch diesmal der Schlusspfiff. Für Südafrika aber ist die WM noch lange nicht zu Ende. Es war das Wir-Gefühl das etwas entfacht hat, auch wenn die Weltmeisterschaft jetzt wieder vorbei ist, irgendetwas scheint dann doch anders als sonst zu sein, man darf auf Südafrika gespannt sein.

Alles Alles Gute Südafrika!!!

19

Mai 10

HSV holt Afellay – Hurra.

Wenn man nicht weiter weiß – einfach mal n Holländer verpflichten. Das hat bisher immer gezogen. So hoffentlich auch jetzt: Der HSV hat sich offenbar die Dienste des 24-jährigen Holland-Marrokaners Ibrahim Afellay gesichert. Die Ablösesummer liegt wahrscheinlich ungefähr bei neun Millionen Euro, der gute Ibrahim ist nach Hoffmann-Logik also als fast so stark einzuschätzen wie Marcus Berg.

Afellay fiel schon in seiner Jugend als technisch äußerst versiert und spielsicher und weil er Kevin-P. Boateng vermöbelte auf. Foto natürlich von Wikipedia - is doch klar.

Afellay spielt derzeit beim PSV und gilt als reinster Offensiv-Smaragd, ein weiterer Spieler aus der unerschöpflichen Talentschmiede des holländischen Fußballs. Er debütierte im zarten, für katholische Priester gerade noch attraktiven Alter von 17 Jahren in Eindhovens A-Elf.

Die Jahre strichen ins Land und Ibrahims Tage kamen. Er übernahm Verantwortung im offensiven Mittelfeld und gewann mit dem PSV vier mal in Folge die Ehrendivision. Der alte Haudegen hat einen – verdammt noch mal – beeindruckenden Briefkopf mit allen möglichen holländischen Titeln und hat auch in der CL schon Erfahrung gesammelt.

Vielleicht reicht der Kaas-Hunger der (wer auch immer sie sind) Verantwortlichen ja noch für eine Rückholaktion von Trainer Jol, was ja ganz schick wäre. Afellay scheint auf den ersten Blick von Stil und Arbeitsplatz VdV ähnlich – aber was er tatsächlich im Schilde führt ist völlig unklar.

Andere (ich sach ma Van der Vaart) haben in seinem Alter, das geben die Bierfreunde außerdem zu bedenken, allerdings schon Weltklassestatus. Aber trotzdem bestimmt ganz geil, wir dachten euch intressiert’s vielleicht. Wenns klappt sagen wir Hartelik Welkom und stimmen vorfreudig, auf dass es bald auch im Volkspark laufen möge, ein:


15

Mai 10

Keine Schale, kein Finale – Danke für nichts!

Ein weiteres erfolgfreies Jahr ist ins Land gezogen, seitdem der HSV vor einem Jahr in vier Spielen gegen Werder Bremen drei Titel verspielte. Die Bierfreunde mit einer  nüchternen Saisonanalyse, die es sich kaum jedes Jahr neu zu schreiben lohnt.

Spätsommer. Auch in Deutschland ist es warm, es sind Semesterferien und der HSV gewinnt fast jedes Spiel. Der Spätsommer ist herrlich in Hamburg. Spätestens im Oktober dann sitzt Bernd Hoffmann bei Doppelpass und hört bescheiden schmunzelnd zu,  wie Udo Lattek, der Niki Lauda der Bundesliga, den HSV zum nationalen und internationalen Titelanwärter kührt.

Zur Winterpause hin schleicht sich unbemerkt ein leichter Abwärtstrend ein, begleitet von Verletzungen und Skandalen. Unbemerkt deshalb, weil immer wieder unterbrochen von Lichtblicken wie dem 1:0 gegen Werder oder dem 9-Minuten-Doppelpack von Ruud in Stuttgart. So ab März dann beginnt das Zittern. Schweißgebadet, mit bibbrigen Händen schlägt der HSV-Fan jeden Tag den Sportteil der Mopo auf – wissend, dass immer die nächste Hiobsbotschaft darin zu lesen sein kann.

Mit dem anbrechenden Sommer ist sich der Fan dann bewusst, dass auch dieses Jahr der hamburger Rathausmarkt nur zur Weihnachtszeit und beim Stuttgarter Weinfest mit gröhlenden Säufern wie ihm selbst gefüllt sein wird.

So die Essenz der letzten Jahre und die Blaupause, die wir wahrscheinlich auch im nächsten Jahr (bis auf den Teil mit den internationalen Titelchancen) per copy+paste in diesen Blog werden stellen können. Die einzige Variable jeder Saisonanalyse ist der Zeitpunkt der Trainerentlassung.

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen, heißt es. Das Finale kam dieses Jahr nach Hamburg, aber Hamburg ging nicht hin. Das – das merkte jeder, der die Konfettidusche Diego Forlans in unserem Stadion sah – war der besonders bittere Teil des diesjährigen Versagens. Doch auch wirklich extrem schmerzhafte Rückschläge sind nichts Neues: Die Riesenpapierkugel der Werderfans letztes Jahr waren ja auch nicht gerade ein freudiger Anblick…

Woran hat‘s gelegen? Mit Zé, Guerrero, Petric und Jansen haben sich die Väter der spätsommerlichen Tabellenführung früh verletzt. Hoffnungsträger wie Rozenhal, Berg und Troche konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Der Trainer war scheiße. Und die Schiedsrichter waren auch scheiße. Überhaupt: Was macht ein HSV-Fan eigentlich, wenn er wirklich mal einen Titelgewinn außerhalb eines Sponsorenturniers erlebt? Fällt er dann nicht in ein Loch, weil der langersehnte Erfolg eingetreten und bald danach auch schon verblasst ist?

Losersprüche. Erbärmliche Losersprüche sind das. Die Leistungsträger des Saisonstarts waren am Ende der Saison alle wieder fit. Die Schiedsrichter waren auch schon in Uwes Zeiten Mist. Und auch wenn Labbadia scheiße war und Troches Alte durch den Tüv gejagt hat, die Spieler waren die gleichen wie zu Saisonbeginn. Offenbar ist die Schuld bei den Funktionären abseits des Rasens zu suchen.

Es gibt genau eine Situation, in der Stimmung von den Logen der Haupttribünen gemacht wird: Wenn die Nord-Kurve „Hoffmann raus!“ schreit, pfeift das Großkapital. Der Vater der hamburger Business-Seats polarisiert. Die chronischen Einbrüche zu Saisonende sowie der offensichtlich unstillbare Machthunger des Managers stehen in der Hoffmann-Ära wirtschaftlicher Stabilität und häufige Teilnahmen (aber eben nur Teilnahmen) an internationalen Wettbewerben gegenüber.

Doch so schlecht wie dieses Mal ist es bisher nie ausgegangen, jedenfalls gemessen an den Erwartungen während der Saison. Nie hat man ein Heimfinale verspielt, nie hat die Mannschaft Aktionen wie den Auftritt in Hoffenheim gebracht und – wie sehr wir auch Spaß daran hatten – nie haben die Spieler die Fans mit Flaschen beworfen.

Man kann über Bernd Hoffmann streiten, doch nach dieser Saison muss man kühl und trocken feststellen, dass er gescheitert ist. Mit seinem absoluten Machtanspruch hat er in den letzten 12 Monaten Jol, Beiersdorfer und wohl auch schon den Siegenthaler-Urs vergrault. Sein Wunschtrainer, sein Traumpartner für langfristige Zusammenarbeit war schneller wieder weg als jeder andere Trainer unter Hoffmann. Und jetzt spielen wir nicht mal international.

Wie wäre die Saison verlaufen, wenn statt Beiersdorfer und dem Jol mit dem wulstigen Blick der Boss seinen Hut genommen hätte? Schlechter als es gekommen ist wohl kaum. Das Unternehmen HSV steht abgesehen vom Fußball, dank Hoffmann, auf festen Füßen – schmeißen wir den Streber also raus und holen jemand, der was von Fußball versteht!

Jedenfalls könnte der Verein jetzt wenigstens mal damit aufhören, seine Fans mit Negativschlagzeilen zu belästigen. Kaum hat man alle Titelträume begraben muss man lesen, dass Lucien Favre Kandidat für den Trainerposten ist. Dass Siegenthaler gar nicht Sportchef wird. Oder, dass Petric aus wirtschaftlichen Gründen verkauft werden muss. Da steigt einem die Galle in den Nacken.

Zum Glück ist in 26 Tage WM. Da gewinnen wir ja auch immer soviele Titel. Wenigstens wird dieser Blog dann etwas geiler. Wir werden die WM ziemlich cool hier abfeiern, liebe Freunde. Natürlich haben wir der staatsdiktierten Meinungsmaschinerie in Sachen Liveberichterstattung nicht all zu viel entgegen zu setzen. Doch einige Asse haben wir auch im Ärmel – da wird sich noch der ein oder andere wundern. WM wird echt geil.

Die Vorfreude kann trotzdem nur Schminke sein auf der hässlichen Fratze dieser Saison. Der HSV ist der härteste Fan-Punisher Fußballdeutschlands, man spielt sich – so könnte man meinen – nur zu Saisonbeginn nach oben, um später umso kräftiger abstürzen zu können. Wir sind das Greuter Fürth der ersten Liga und das ist echt kacke. Es wird Zeit, Titel zu gewinnen, lange hält man das als HSV-Fan sonst nicht mehr aus.

Die Bierfreunde haben in der abgelaufenen Saison 54 Pflichtspiele gesehen, 28 davon im Stadion. Neben den über 80 Stunden reiner Spielzeit haben wir mehr als 300 Euro allein in Tickets investiert und weißgott wieviel in die “Nebenkosten”. Der Verlust von Leberfunktion, Gehirnzellen und gesellschaftlicher Akzeptanz lässt sich in Zahlen nicht darstellen. Und am Ende wieder nichts.

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Mai 10

Glückwunsch, ihr asozialen Zecken!

Der FC St. Pauli ist so gut wie wieder erstklassig. Die Bierfreunde freuen sich außerordentlich über den Aufstieg dieses “ganz besonderen Vereins”, über geschäftsbelebende Rivalität und sechs sichere Punkte in der kommenden Saison. Zwar wird wohl auch dieses Jahr der HSV wieder das Spülwasser in der Kloschüssel namens Bundesliga sein, das die braune Wurst Pauli runterspült. Aber für die kommenden 12 Monate ist der Aufstieg  für Pauli, den HSV und die ganze Stadt ein Glücksschiss.

„Wir sind Zecken, asoziale Zecken, wir schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission“ sang die Aufstiegself nach ihrem überzeugenden Triumph beim Musterzweitligisten Fürth. Die Bierfreunde nahmen das heiter zur Kenntnis, setzen aber ein dickes, saftiges, in der Mitte noch rosanes Fragezeichen hinter das popkulturelle Zeckenimage der Kiezkicker.

Das alternative Dignit eignete sich der Verein in den 80er Jahren an. Einer Zeit also, als der Punk durch die Welt schwappte und der HSV noch weit entfernt war von der heutigen Final- und Titelphobie. In der reichen Stadt Hamburg sah sich der kleine Verein also einer gutbürgerlichen Bevölkerung und einem weltklasse Stadtkonkurrenten gegenüber. Wem der Volkspark zu groß und die HSV-Tickets zu teuer waren, der ging ins kleine, modrige Millerntorstadion. Hafenarbeiter, Studenten und/oder Punks zum Beispiel.

Credo bei Pauli war durch Willens- und Kampfstärke „echten“ Fußball zu bieten – für kleines Geld, egal in welcher Liga. Solidarität und Tolleranz schrieb man sich auf die Fahnen, mit irgendwas muss man halt überzeugen, wenn nicht mit Erfolgen auf dem Rasen. Der HSV tat, was er musste und sprang auf die Gentrifizierung des internationalen Fußballs auf. Steigende Löhne, steigende Ablösesummen, steigende Preise, aber eben auch immer das beste, was im deutschen Fußball möglich war und ist: Erstligafußball. Garniert wurde das, jedenfalls nach den furchtbaren 90ern, mit sporadischen Halbfinalteilnahmen bei internationalen Wettbewerben.

In den Jahren entwickelten sich die Fanlager der beiden hamburger Clubs folglich zu dem, für das sie heute gehalten werden: Die Reichen und die bösen Nazis beim HSV und die asolzialen Zecken bei Pauli – um es mal zu überspitzen. Dieses Fanschema ist längst überholt, auch wenn es die Paulianer vielleicht nicht akzeptieren wollen.

Beim HSV ist der alterwürdige Volkspark einem glänzenden Fußballpalast gewichen, Familien und Geschäftskunden sind die Zielgruppe des neuen Jahrtausends. An die Stelle der ChosenFew, die auf den ersten Blick schon ein gewisses Nazi-Geschmäckle ausstrahlen, sind die einigermaßen linksorientierten Jungs von Popptown getreten. Die Schlachten mit der Polizei liefern sich die CFHH mittlerweile auf den oberen Rängen, eine sowohl rücksichtsvolle als auch äußerst stimmungsförderliche Maßnahme. Alles was die mutmaßliche Nazivergangenheit erinnert, sind die HJ-ähnlichen Strukturen (vom „Jüngling“ zum „Stammesältesten“ oder so ähnlich) faschistoides Verhalten der CFHH haben die Bierfreunde in ihrer achtjährigen Dauerkarteninhabe nicht im Entferntesten erlebt. Doch diese Metamorphose (jedenfalls bei den CFHH) wurde viel besungen und beschrieben, auch in diesem Blog. Viel gravierender ist die Veränderung und die Fehleinschätzung der Pauli-Fans.

Zerwühlter Rasen, auf dem sich unterbezahlte Halbprofis bis zum Herzstillstand abrackern, angefeuert von einem bunt gemischten Publikum, das schreit und springt, dass der Matsch aus den modrigen Tribünen spritzt und am Ende feiern sich alle gegenseitig – soweit die braun-weiße Fußballromantik. Tatsächlich hat sich aber auch, nein gerade bei Pauli einiges getan. Wo früher Fiete und Piet vom Dock 7 standen, errichten heute Kräne und ausgebeutete Schwarzarbeiter ein schickes Stadiönchen. Und auch der gemeine Fan an sich ist älter geworden:

Wer früher aus der autonomen Kommune Bierflaschen werfend ins Millerntorstadion wankte, fährt heute mit dem SLK vor. Statt Kippe und Bier sind Seife und Kamm ins Leben des Ottonormal-Paulianers getreten. Für die Generation der vergessenen Werte ist es schick, sich einen Pauli-Wimpel auf den Schreibtisch mit Elbblick zu stellen – Paulianer sind die Grünenwähler der deutschen Fanlandschaft: Ein Haufen möchtegern alternativen Geldadels, der auf volkstümlich macht, indem er den HSV scheiße findet.

Schicker Sportwagen mit Pauli-Nummernschild: Nein, wie alternativ...

Schicker Sportwagen mit Pauli-Nummernschild: Vor der BfA Kommune parkt dieser schwarze Mercedes. Vielleicht doch eher "Bonzen, asoziale Bonzen"?

Der HSV ist ja so furchtbar kommerziell. Und die ganzen Geschäftskunden. Und diese Spielermillionäre. Herjehmineh. „Nonestablished since 1910“ hingegen schreibt der FC.St.P. auf seiner Flashhomepage mit Werbebannern unter sein Wappen. Aber wie steht es eigentlich um die Unangepasstheit des Vereins? Kommerz betreibt ein Fußballverein klassischer Weise in erster Linie mit Trikots. St. Pauli trägt und wirbt damit für Nike. Den so ziemlich skrupellosesten Textilkonzern der Welt, dem Microsoft unter den Sportausstattern. Trikotsponsor ist Dacia, ein rumänischer Billigautohersteller, der bestimmt faire Löhne zahlt…

Dann wäre da noch der restliche Merchandise. Mal ‘n Schal oder ‘n Shirt oder so. Normaler Weise. Nicht so bei Pauli: Wer durch Hamburg, Deutschland, Europa, ja die Welt fährt, wird überall auf das Lable St. Pauli treffen. Jede dahergelaufene Soziologiestudentin trägt eine Handtasche mit Totenschädel und ST. PAULI. Dann war da noch die Vermarktungsaktion, die Pauli schließlich am Leben hielt: Der Verkauf von hunderttausenden Shirts mit der Aufschrift „RETTER“. Eine grandiose Aktion, in der die Welt ihre Zuneigung zum kleinen Club vom Kiez zeigen konnte. Gleichzeitig die mit Abstand größte Kommerzoffensive, die der Fußball überhaupt je gesehen hat – da mussten so einige Kinder lange weben, bis Pauli durch die Selbstvermarktung den Kopf aus der Schlinge zog. Pauli hat es in atemberaubender Weise geschafft sein Antikommerzimage zu vermarkten.

Ihr wollt Zecken sein, ASOZIALE Zecken? J‘accuse! Wacht auf, Paulianer, das ist lächerlich! Natürlich ist St. Pauli nicht Chelsea. Und natürlich sind Pauli Fans keine Bayern Fans. Und natürlich ist Corny Littmann kein Dietmar Hopp und das (neue) Millerntor keine Veltinsarena. Trotzdem, liebe Paulianer, tut euch und uns den Gefallen und werft eure veralteten Denkschubladen über Board. Nennt euch unseretwegen Zecken (ein in diesem Zusammenhang übrigens rechtsradikaler Terminus) aber schaut auch mal kritisch auf euren eigenen Verein. Heuchelt uns nicht vor, dass Pauli der Gegenentwurf zur kommerziellen Fußballindustrie ist. Und vor allem: Versucht erst gar nicht, den BIERFREUNDEN zu erzählen, wer und was in Hamburg asozial ist…