Bierfreunde Alstertal

KEIN APPLAUS FÜR SCHEIßE. SEIT 2007.

29

Mrz 11

Tresenthesen über Tim V

Tim Wiese schafft es sogar, mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien zu verlieren.

8

Mrz 11

Hoffmann adé – Scheiden tut Veh

Mit großer Erleichterung reagieren die Bierfreunde Alstertal auf die Nachricht, dass Trainer, Präsidenten und Stellvertreterin die Grenzen ihres grausamen Handelns aufgezeigt und eine längerfristige Zusammenarbeit abgewendet werden konnten.

Die Bierfreunde freuen sich auf den 30. HSV-Trainer der Bundesligageschichte und hoffen, dass der Verein schon bald wieder so gut aufgestellt ist, wie vor der Machtergreifung Hoffmanns. Was manche als kopflos oder anarchistisch missverstehen, begreifen wir als basisdemokratische Revolution der Vereins. Ein Konzern mit einem Jahresumsatz von 146 Mio. Euro kann und darf nicht von irgendeinem Wirtschaftsfutzi mit Uniabschluss (und was ist der schon noch wert…) geleitet werden. Die Fans wissen am besten, was für den Verein am besten ist: Rotation.

Es ist ein brillianter Schachzug der Supporters gewesen, Hoffmann, dessen Aufgaben ja Arnesen alle übernehmen kann wenn er schonmal da ist abzusetzen. Denn mit dieser ideellen Reinigung gelang es auch, den Filz des sich seit bald acht Monaten verbissen an sein Amt klammernden Übungsleiters Veh hinfortzuspülen.

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Was da schonwieder behauptet wird ist totaler Quatsch. Unerträglich verhält sich die Journalie. Die kritischen Geister der CFHH stellen in einem Sonntagsbraten von einem Statement mit Namen „Peinlich ist, was man draus macht“ vorzüglich fest, dass allen voran die „kleine Mopo“ eine Schmierkampagne gegen Hoffmann-Gegner befeuert. Weiter noch: Sie beweisen, dass die Mopo sogar zu Mord und Totschlag anregt:

Tätige Fans – na wo gibts denn sowas?!?!

„Schade auch, dass die Mopo-Redaktuere vergessen haben, dass gerade Journalisten eine Verantwortung tragen. Sie schreiben, was Zigtausende lesen und glauben. Sie machen Meinung. Somit wäre es die erste Pflicht sorgsam zu überdenken, was ein Artikel – oder in diesem Fall eine ganze Flut davon – bewirken kann. Töllner und Co pfeifen drauf. Sie nehmen billigend in Kauf, dass sich Befürworter Hoffmanns oder auch nur der eine oder andere einfach gestrickte HSVer dazu berufen fühlen, selbst tätig zu werden.“

Die Bierfreunde pfeifen nicht auf ihre Verantwortung. Was im Stadion klappt, ist auch für den Verein das Beste: Ein Teil der Fans steht mit dem Rücken zum Geschehen auf einem Podest und brüllt uns eingängige Dinge zu, die wir dann nachbrüllen – wir teilen dieses Verständnis von Basisdemokratie. Das machen wir eh viel lieber, als das Spiel zu verfolgen und die wunderschönen Fahnen sehen wir auch viel lieber, als diese langweiligen Eckstöße und Strafraumszenen.

Der Dolchstoß-Presse Paroli bieten

Dass es die kalköpfigen C-Rang-Poeten verärgert, wenn Journalisten billigend in Kauf nehmen, dass sich einfach gestrickte HSVer und Fans mit einer bestimmten Meinung zum Vorstand dazu berufen fühlen, tätig zu werden, können wir sehr gut nachvollziehen. Aber um das Wohl der Hoffmann-Schasser muss man sich – trotz der blutrünstigen, der „großen BILD“ nacheifernden Mopo – keine Sorgen machen: Immerhin sind Fußballfans keine Verbrecher.
Außerdem besteht die Öffentlichkeit in Hamburg – Gott sei Dank – nicht nur aus dem kommunistischen Tittenblatt Mopo. Das Qualitätsblog „Matz ab“ vom fairen und neutralen Springer Verlag, dass ja immer viel besser informiert ist und viel verlässlichere Quellen hat als die Mopo mit ihrem lächerlichen Ex-Redakteur/HSV-Pressechef Jörn Wolf, liefert andere Fakten.

Auch die Moderatoren des Supporter-Forums erwiesen sich als mutige Helden der richtigen Meinung, indem sie das offizielle Forum der Dachvereinigung aller HSV-Fans von Beiträgen reinigten, die auf die widerliche Meuchel-Kampagne der Mopo hereingefallen oder wahrscheinlich sogar von deren kriminellen Redakteuren gefälscht worden waren. Um diese atemberaubende Befreiung vom schrecklichen Bernd mitzugestalten, steuern die Bierfreunde einige Ratschläge für den weiteren „Umbruch“ des Vereins bei.

Vier Anregungen für mehr Basisdemokratie

1.Wir sollten – also die Supporters sollten – die wenigen Spieler, deren Verträge über die Sommerpause hinausgehen, bis zur Winterpause 11/12 bei anderen Vereinen unterbringen. Wenn die Spieler noch einige Monate bei uns spielen, wissend, dass sie am Ende des Jahres den Verein räumen, bringt das Stabilität und fördert die Handlungsfähigkeit des Vereins.
2. Das Amt des Kapitäns ist uns ein Dorn im Auge. Die Bierfreunde, als Organisation mit 70.000 Mitgliedern, wurden nie in die Auswahl des Kapitäns einbezogen. Wir kennen die Spieler aber am besten und wir wissen auch am meisten über Fußball. Deshalb sollten wir zukünftig entscheiden, wer Kapitän wird.
3. Das Stadion wird grunderneuert. Die Arena ist das abscheuliche Denkmal der Hoffmannschen Nadelstreifen-Diktatur. Die Hälfte des Daches sollte abgerissen werden, Businesslounges und Schriftzug müssen verschwinden. Das ist nämlich wahnsinnig wichtig für das Spiel.
4.Wir brauchen einen Verhaltenskodex. Es kann nicht wahr sein, dass einige sogenannte Fußballfans die Nordkurve regelmäßig drei Minuten vor Abpfiff verlassen, nur weil der HSV gegen einen Karnelvalsverein mit zwei Toren hinten liegt. Außerdem sollte es jeder für seine heilige Pflicht halten, sich mit den Kameraden aus dem Gästeblock zu verbrüdern, wenn die von gepanzerten Polizisten maltretiert werden.

Wir werden den kriminellen Gegnern der richtigen Entscheidung hier keine Plattform bieten! Weder ihre Facebook-Seite noch die Unterschriftenaktion, die es wohlmöglich noch Hoffmann-Gegnern und einfachen HSVern ermöglicht, aktiv zu werden, werden wir bei uns verlinken oder sonst irgendwie unterstützen.

Schließlich sind wir froh, dass wir so saustark vertreten werden. Dass wir nicht nur als Privatpersonen, sondern auch als Fanclub Gebühren an Menschen zahlen, die uns so gut vertreten, dass wir uns weder einzumischen noch eine Meinung zu bilden brauchen. So schließen wir mit einem vor ehrlicher Freude und Dankbarkeit überlaufenden, offenen Brief auf den Supporters Club.

Liebe Supporters!

Herzlichen Dank dafür, dass ihr der Schreckensherrschaft von Bernd Hoffmann und Armin Veh ein Ende bereitet habt. Es war total wichtig, den hohen Herren die Stirn zu bieten. Hoffmann hatte keine Ahnung von Geschäft. Glücklicherweise hattet ihr mit einem  ehemaligen Stadionsprecher, einem Präsidenten von vor 20 Jahren, einem Volkswirt, einem Auslandsjournalisten und eurem Gesandten fünft echte Fachmänner des modernen Fußballs für das höchste Vereinsgremium parat.

Die haben folgerichtig die sicherlich dunkelste Epoche der HSV-Geschichte beendet und die schrecklich erfolglosen Vorstände und Trainer enthauptet, um ihre Torsos noch ein paar Monate auf den Ämtern abhängen zu lassen. Euer Verhalten und das der Aufsichtsräte habt ihr uns zu jeder Zeit wahnsinnig transparent geschildert und erklärt.

Danken möchten wir euch weiterhin, dass ihr das unverschämte Fernbleiben von etwa 69.000 eurer Mitglieder bei sämtlichen eurer Veranstaltungen und derer des Vereins als eindeutiges Votum für eure vereinspolitische Position verstanden habt. Dass ihr im Namen sämtlicher HSV-Fans den Aufsichtsrat unterwandert, lieben wir fast so sehr, wie einem Verein ohne Führungspersonal zu applaudieren.

Wir weinen Tränen der Freude bei dem Gedanken, dass uns auch nach der Verpflichtung Arnesens (sollte er seinen Vertrag unglücklicherweise tatsächlich antreten) die lästige Pflicht der Beschäftigung mit dem Fußballsport erspart bleibt. Bitte verwirklicht euch auch weiterhin zum Wohle aller eurer zahlenden Mitglieder und gebt acht, dass der Sport um Himmelswillen Nebensache bleibt! Bitte!

Mit bedingungslos leidenschaftlichen Grüßen
Die Bierfreunde Alstertal OFC

5

Mrz 11

Van Gaal schnuppert Nordenluft

von Sandro Schlonz

Louis van Gaal wäre nicht Louis van Gaal, wenn er nicht vehement jeglichen Zweifel an Posten und Person seiner bestreiten täte. Tatsächlich sitzt der kantige Holländer allerdings so fest im Sattel wie ein Dünnschiss auf Opis Radtour. Sollte Slomka und dem kleinen HSV heute gegen die Bayern der nächste große Wurf gelingen ist die Gladiole van Gaals beim Meister wohl verblüht. Sollte sich der Weggang Vehs zum Saisonende bewahrheiten, wäre das Feier-Biest der optimale Nachfolger.

Die Bierfreunde können eigentlich nicht so recht nachvollziehen, dass die Trennung von Trainer Veh in der Hamburger Journalie schon als beschlossene Sache verkauft wird. Wir halten Armin Veh für einen kompetenten, angenehmen Übungsleiter. Es wäre schade, wenn dieser Coach, der so gut zu Hamburg und dem HSV passt wie ein kühles Holsten, den Verein im Sommer verlässt.

Doch in diesem Verein weiß man ja ohnehin nicht, wo oben und wo unten ist. Und der mäßige Erfolg und das schwache Spiel der Mannschaft sind nicht unbedingt zwingende Argumente für einen Verbleib des Stuttgarter Meistertrainers. Und was ist schon ein Sommer ohne Trainerrauswurf?

Angst vor Versagern

Das schlimmste an den Trainerwechseln ist meist weniger der Abschied vom alten Trainer, als das mulmige Bauchgefühl das einen beschleicht wenn man darüber nachdenkt mit wem der HSV wohl grad verhandelt. Grausige Namen werden beim HSV laut, wenn der alte Coach mal wieder vor dem Abschuss steht.

"Ich bin der Beste" hat van Gaal einmal gesagt. So einen brauchen wir.

“Ich bin der Beste” hat van Gaal einmal gesagt. Das passt zum HSV und den BfA, auch sie sind die Besten.

Die Medien haben über die Jahre ein Repertoire an Horror-Kandidaten angelegt, mit deren Erwähnung den Fans kalter Angstschweiß auf die blasse Stirn steigt. Da wären zunächst die Anwärter, die als geeignet gelten, weil sie bei kleineren Vereinen gescheitert sind. Friedhelm Funkel, Marcel Koller, Lucien Favre und Erik Gerets sind Klassiker dieser Kaste. Hört man diese Namen, denkt man an (gescheiterte) Abstiegskämpfe und Provinzclubs und hofft innig, dass die Genannten von den Dieter Hoeneßes der Liga besetzt werden bevor der HSV dazu kommt.

Kein Hoffenheimer Erfüllungsgehilfe!

Dazu kommen dann die kürzlich freigewordenen Trainer des Bundesligazirkus. Allen voran momentan Ralf Rangnick. Der ging in die Geschichte der Bundesliga ein als Wegbereiter der totalen Kommerzialisierung, als Feldmarschall des Großkapitals. Immerhin war er es, der seine Expertise prostituierte, Dietmar Hopp und seinem Provinzverein die Bundesligalizenz zu erkaufen. Ferner ist auch Herr McLaren auf dem Markt, nach seinem Wolfsburg Abenteuer dürfte aber weder er noch irgendein Bundesliga-Club momentan eine Zusammenarbeit anstreben.

Eine dritte Gruppe sind die Dauerbrenner. Zuliebst Herrschaften, die sich um den deutschen Fußball verdient gemacht haben und sich nach ihrer erfolgreichen aktiven Karriere am Trainergeschäft versuchen. Klassensprecher dieser Gruppe ist sicherlich Lothar Matthäus. Es ist eine tiefe Schande, wie sich über den Franken von jedem dahergelaufenen Klatschreporter das Maul zerrissen wird. Immerhin gilt Loddar nicht wenigen Erdmenschen als der beste deutsche Fußballer aller Zeiten, er ist Kapitän unserer letzten Weltmeistermannschaft.

Hätte Mehmet es versucht?

Gleichwohl wir uns also stets respektvoll vor Loddar verneigen, ist der HSV wohl nicht die Adresse, bei der man seine erste ernsthafte Vereinstrainerstelle antreten sollte. Aus ähnlichem Holz sind Jürgen Klinsmann, der es sogar schaffte, die Bayern zu richtig schlechten Fußballern zu machen, und Mehmet Scholl, der mit der Nachfolge Günter Netzers in der ARD allerdings den optimalen Job gefunden zu haben scheint.

Zu guter Letzt schließlich die Kandidaten mit sogenanntem Stallgeruch. Zu nennen wäre da Dick Jol, der grimmige Holländer, der sich einst mit Diddi Beiersdorfer und Berni Hoffmann in Haare kriegte und Huub Stevens, der zwar nicht besonders schönen, aber ziemlich erfolgreichen Fußball spielen ließ. Beide wären theoretisch wohl zu haben, doch wer die Strukturen des HSV kennen und hassen gelernt hat, wird sich wohl kaum eine zweite Amtszeit zumuten. Horst Hrubesch wäre einer, dem man den Posten wünschen und nach seiner Zeit beim DFB auch zutrauen würde.

Doch was sind all diese Namen gegen King Louis van Gaal? Gegen Aloysius Paulus Maria „Louis“ van Gaal, den Königin Beatrix zum Ritter von Oranien-Nassau schlug? Der mit Ajax, Barcelona und Bayern der internationalen Fußballwelt soviel Applaus abrang? Nichts sind sie gegen ihn, und zwar aus folgenden Gründen.

Die Philosophie
Van Gaal zeigte den Deutschen, dass Holland nicht nur aus New Kidz und Rudi Karells besteht – auch in Holland, wissen wir seit van Gaal, gibt es harte Hunde, die schreien, schlagen und sich von ihren Töchtern siezen lassen. Van Gaal ist einer, der auch mal das ganze deutsche Volk beleidigt, wenn er es für nötig hält, der mal richtig auf die Stront haut. Was wir mit diesem Kader am wenigsten brauchen ist ein best-friend-Trainer nach dem Vorbild Klopps – und van Gaal ist ziemlich genau das Gegenteil davon. Dem HSV fehlt es nicht an spielerischem Vermögen. Es fehlt jemand, der den Herren Hochverdienern in ihren goldenen Agger tritt und sie erinnert, dass auch sie austauschbar sind, wenn sie nicht erfolgreich „arbeiten“.

Der Riecher
Das bringt uns direkt zum zweiten Punkt: Völlig unbeeindruckt vom sagenumwobenen Reichtum der Bayern und dem hochdekorierten Kader zauberte der Holländer Jungspieler von Weltniveau aus dem Hut, allen voran WM-Torschützenkönig Thomas Müller. Vor van Gaal sind alle Menschen gleich, ist man geneigt anzunehmen. Sicher ist jedenfalls, dass die Gouda-Locke sich von Namen nicht mehr beeindrucken lässt – brachte er doch vor Ribery und Robben bereits Spieler wie Figo, Rivaldo, Frank de Boer oder Patrick Kluivert zum Schwitzen.

Das Format
Mit Arnesen bekommt der HSV zum ersten Mal seit Günter Netzer einen Manager, der den internationalen Ansprüchen des Vereins gewachsen ist. Müssen wir diesen Vorteil zwangshaft neutralisieren indem wie einen Extrainer vom VfL Bochum oder Eintracht Frankfurt verpflichten? Es wäre doch schon eine merkwürdige Mischung, wenn dieser verdiente Fachmann internationaler Prägung mit einem Trainer á la Friedhelm Funkel über Neuverpflichtungen streiten müsste… Van Gaal holte mit Ajax die Championsleague, mit Barca und Bayern immerhin mehrere nationale Titel. Amsterdam-Barcelona-München-Hamburg. Das liest sich wie geschmiert.

Der Charakter
Van Gaal ist ein fieses Arschloch. Und es gibt nichts besseres, als ein fieses Arschloch auf der Trainerbank. Nicht nur dass er die Profis zusammenstaucht. Es ist auch wichtig für uns Fans. Immerhin ist der Trainer neben seiner Funktion als Übungsleiter auch der vereinsinterne Sündenbock. Geht ein Spiel schief, ist der Schiri schuld. Geht eine Saison daneben ist es der Trainer. Schmerzlich erinnern wir uns, wie herzzerreißend es vor vier Jahren war, als sich Fans und Verein eingestehen mussten, dass Vereinsikone Thomas Doll nicht mehr der Richtige für den Trainerposten war. Auch Fans in Dortmund werden bittere Tränen den Kohlestaub aus der Visage spülen, wenn Seelsorger Klopp in einem Jahr entlassen wird, nachdem der BVB via Relegation mit Werder die Liga getauscht haben wird. Einen van Gaal kann man hingegen einfach abhaken. Man mag ihn, solange er Erfolg hat. Und wenns nicht mehr läuft, kann man ihn hassen und absägen. Und bis dahin kann er auch nur solange Arschloch sein, wie er seine Arschlochsätze ist unterhaltsames Holland-Deutsch verpackt. Das kann zum Totlachen komisch sein, wissen wir aus den letzten Monaten. Zuckerbrot und Peitsche. Optimal.

Wie anfangs aufgeschrieben werden die Bierfreunde sich einer Vertragsverlängerung Armin Vehs nicht in den Weg stellen – obwohl sie es könnten. Sollte Veh den Posten allerdings räumen oder räumen müssen steht für uns die Nachfolge fest. Van Gaal schnuppert heute Nordenluft. Plattes Land, frische Brise und gutes Gras – der Norden hat, was ein Holländer zum Leben braucht. Wenn ein neuer Trainer, dann van Gaal; die Bierfreunde fordern: Veh oder Gladiolen.

5

Mrz 11

Tresenthesen über Tim IV

Tim Wiese spricht mit dem Arsch und kackt aus dem Mund.

23

Feb 11

Tresenthesen über Tim III

Der Friseur von Tim Wiese hat eingestanden, “gravierende handwerkliche Fehler” begangen zu haben.

19

Feb 11

Ein Quantum Prost

Nach der Jahrtausendpleite vom Mittwoch, für deren Aufarbeitung qua Kommentierung die Bierfreunde noch einige Zeit brauchen, haben die Versager von 2/16 das Fortbestehen der Hamburger Fankultur zunächst gesichert. Das zweitwichtigste Heimspiel der Saison ging mit 4:0 an die Rothosen.

Die Götter schickten uns in den schwierigsten Minuten der bierfreundlichen Geschichte die schwächste Werder-Elf in ebendieser. Doch auch unseren Spielern merkte man an, dass sie nach der Niederlage vom Mittwoch den Hauch einer Ahnung davon bekommen haben könnten, welche Dimension ihr schreckliches Versagen hat und noch haben wird.

Kaum Applaus für Scheiße

Aus dieser Situation heraus ergab sich eine schwache erste Hälfte, in der der HSV etwas weniger schlecht spielte. Mit dem akrobatischen 1:0 kurz vor der Pause retteten sich die Hamburger vor einem beißenden Pfeifkonzert, das sie eigentlich verdient hatten. Aber wer kann schon jemandem böse sein, der gerade die Führung gegen Bremen erzielt hat?

In der zweiten Hälfte ließen sich die HSV-Spieler ab und zu für einen sehenswerten Angriff begeistern – diese unglaublich schwachen Bremer waren selbst für die Derby-Versager zu verlockend. Gute Aktionen von Petric und Piet sowie die Treffsicherheit Guerreros und Be-Hatiras machten den erfreulichen Sieg schließlich komplett und zogen die Mundwinkel der Bierfreunde erstmals seit 2/16 wenigstens wieder in die Horizontale.

Natürlich war es kein Heimsieg gegen Pauli. Und nicht mal ein Heimsieg gegen Pauli würde die unbeschreibliche Schande vom Mittwoch vergessen machen können. Doch eine bescheidene historische Bedeutung kann auch diesem Spiel beigemessen werden. Zunächst für diese Saison: Der HSV ist nur noch einen Punkt von der Europa League entfernt während Werder nur noch ein Punkt vom Relegationsplatz 16 trennt.

Werder schlechter als in der Abstiegssaison

Die Niederlage gegen Pauli war das Schlimmste für den HSV seit 33 Jahren. Doch der Sieg gegen Werder war der höchste Sieg der Saison, der höchste Derbysieg in der Geschichte der Bierfreunde (seit einem 4:0 Heimsieg ’89) und die 500. Niederlage der Werder-Geschichte. Der HSV ist nach dem 4:0 in der ewigen Tabelle der Bundesliga nur noch drei Punkte hinter Werder – die Bremer spielen ihre schwächste Saison seit 36 Jahren. Ja Werder steht sogar schlechter da als in der Abstiegssaison 1980.

Es ist schade, dass diese Fakten im Schatten von 2/16 verblassen. Die Reaktion der Mannschaft war wenigstens OK. Sollten wir eines schönes Tages die Ereignisse vom Mittwoch verdaut haben, können wir uns dann ja vielleicht etwas über dieses Wochenende freuen. Vögel zwitschern zudem, dass der HSV vor der Verpflichtung von Chelsea Chefscout und -Sportchef Arnesen stehen.

Das wäre eine angemessene Verpflichtung für die baldige Rückkehr nach Europa. Doch auch wenn die gelingt. Der Stachel der Schande sitzt noch so tief im bierfreundlichen Bewusstsein, dass jedes Lob, jede Freude und jede Sympathie für den HSV äußerst vorbehaltlich sind. Um mit der Mannschaft wieder anstoßen zu können ist es noch zu früh, auch wenn ein erster Schritt getan ist, ist noch nicht absehbar ob sich das Verhältnis zwischen Präsidium und Team je wieder normalisiert. Die Abstiegsfeier für Werder kann so oder so gebucht werden – Infos dazu und zur Derbynachlese folgen.

15

Feb 11

Im Zeichen der RAUTE!

Drüben bei diefansvomhsv.jimdo.com macht sich eine wunderbare Idee breit:

Am Mittwochabend ist es endlich soweit, das Stadtderby steht an. Doch was machen wir bis Spiel beginn? Arbeiten, in der Schule sitzen und an Vorlesungen an den Unis teilnehmen. Doch keiner wird mit seinen Gedanken, bei den Tätigkeiten des Alltags sein. Aber dies kann man ändern. Dem Vorgesetzen vorn herein zeigen, weswegen man abwesend wirkt.
Tragt eure Trikots und Fan-Schals mit der Raute. Von Mittwoch 0 Uhr bis Mittwoch 24 Uhr. Die Zeit im Stadion ist klar, aber vor dem Spiel kommt einem sonst langeweile auf.
Und wir wollen damit schon einmal die Vorfreude auf das STADTDERBY erhöhen. Die Stunden gehen schneller um und jeder weiß, wer die Nummer Eins in Hamburg ist. Und am Abend zeigen unsere 11 Rothosen es den ungläubigen.
Gemeinsam schreiben wir Geschichte! – Die Fans vom HSV

Diese Aktion können die Bierfreunde nur unterstützen und deshalb tragen wir morgen den ganzen Tag die Gewinneruniform (min. jedoch 24Std) und fordern alle dazu auf es uns gleich zu tun.

15

Feb 11

Tresenthesen über Tim II

Tim Wiese verbringt die Zeit seiner Rotsperre in Algerien um friedliche Demonstranten zu treten.

14

Feb 11

Dortmund hat die Windeln voll

von Hildegard Nguyen

Ma was anderes: Bremen verliert nicht, Schalke gewinnt sogar und Dortmund setzt zum Köpfer von der Tabellenspitze an. Die Bierfreunde zum 22. Spieltag.

Schalke-Freiburg 1:0

Felix Magath hat die Matrix durch seinen Beitritt bei Facebook milde gestimmt. Ein Popup guten Karmas bescherte Schalke folglich den ersten Heimsieg seit Jahresfrist. Den Breisgauern aus Freiburg war des Wurscht – nach zuletzt sechs Spielen ohne Niederlage steht der Exclub von Richi Golz fabelhaft da. BfA-Saisonprognose: Schalke 13.-17. Sport Club 7.-10.

Köln-Mainz 4:2

Also ob Köln oder Mainz gewinnt is nu wirklich scheißegal. BfA-Saisonprognose: Köln 13.-17. Mainz 8.-11.

Stuttgart-Nürnberg 1:4

Bruno Labbadia bleibt seiner Linie treu und verzapft offenbar auch mit Stuttgart eine mieserable Rückrunde. Blöd für die Schwaben, dass für eine sensationelle Hinserie wie bei Bayer und dem HSV keine Zeit bleibt. 1:4 ist nie ein schönes Ergebnis, doch gegen (bei aller Liebe…) Nürnberg mit 1:4 zu verlieren ist nun wirklich eine Erfahrung, die eigentlich Zweitligisten vorbehalten sein sollte. Immerhin leiht man ja Spieler wie Julian Schieber an Clubs wie den FCN aus, weil man beide für unterlegen und und ihr Handeln für folgenarm hält – genau wie man halt Günther Oettinger zum Umweltkommissar der EU macht oder ein Opelwerk in Ostdeutschland baut.

Schaffe', schaffe', Bahnhöfle versenke' - Der Fußballsport kommt beim Wutbürger der Liga zu kurz.

Julian Schieber hat am Samstag allerdings weder eine englische Pressekonferenz gegeben, noch hat er hässliche Modelle auf den Markt gebracht. Er hat ein Tor geschossen und eins vorbereitet. Schön für dem Club, ehrlichen Glückwunsch! Bitter ist das für den VfB. Die Bierfreunde sind in der Bewertungskonferenz zum Spieltag darin übereingekommen, dass ein Abstieg Stuttgarts abzulehnen ist. Auf Basis von Erfahrungen aus den 90er Jahren (Klinsi, das magische Dreieck usw. usf.) und der Veh-Ära zeichnet die Erinnerung des erweiterten Präsidiums ein Bild vorsichtiger freundschaftlicher Schraffur, versiegelt durch den Klarlack der kulturellen Verbundenheit zwischen HH-City und Benztown (ASD/Stuttgarter Weinfest auf dem Rathausmarkt etc.).

Der OFC bietet dem VfB daher eine vorbehaltliche Bierfreundschaft an und richtet gute Grüße aus. Schließend sei noch der Hinweis auf die sich aufdringende Verknüpfung des unterirdischen Autritts des VfBs mit Stuttgart 21 erlaubt, die Sie, liebe Leser, bitte als Hausaufgabe in einem käcken Schlagsatz artikulieren oder sie in einer von 350 Tageszeitungen, die diesem verlockend tagesaktuellen Gleichnis ebenfalls erlegen sind, abschreiben. BfA-Saisonprognose: VfB 12.-16. FCN 8.-11.

Pauli-Gladbach 4:0

Nach dem 3:0 gegen Köln schickt Pauli also auch Gladbach mit drei Dingern nachhause. Tjaja, Gladbach und Köln, da fühlt sich Pauli wohl. Schade für die Braunen, dass es nächste Woche nicht heim gegen Eintracht Braunschweig geht, sondern auswärts gegen den HSV… Trotzdem darf man in der Hafenstraße zufrieden sein, die Vorbereitung auf die zweite Liga läuft prächtig. Den Hang zur Zweitklassigkeit zeigte Pauli unter der Woche, als man sich am Heiligen Geist dem Vorwurf der wiederholten Ergebnismanipulation ausgesetzt sah.

Allein die Tatsache, dass Paulispiele ins Visier der Ermittler geraten zeigt, wo der Verein hingehört. Kein Mensch verschiebt Spiele von Mannschaften, deren Ergebnisse der Welt und den Fans etwas bedeuten. Da bleibt dann fast nur Pauli. Auf eine niedliche Art und Weise erstligauntauglich war außerdem die Moral des Trainers, der sich in einer tränenrührenden Proklamation für seine Spieler verbirgte. Neben der offenbar mieserablen Pressearbeit erlaubte sich der Pressemann auch noch einen Witz, den die Bierfreunde im guten Mittelfeld der zweiten Liga ansiedeln würden. Den können wir leider nicht wiederholen, weil wir uns in diesen Gefilden nicht auskennen.

Doch heben wir uns den Hass für Mittwoch auf: De tout facon müssen die Bierfreunde eine Lanze für die kleinen Braunen brechen. “Stani” ist ein guter Mann – kein guter Trainer oder irgendwas sonst mit Fußball – aber n Guter isser schon. Er ist vereinsgebunden, bodenständig und in der Verbrüderung mit seinen Spielern auf eine hanseatische Art und Weise viel erträglicher und nicht halb so heuchlerisch wie etwa Klopp. Die Bierfreunde glauben nicht, dass Pauli Spiele gefälscht hat. Abgesehen davon, dass eine Wette auf eine Pauli-Niederlage niemals besonders lukrativ sein dürfte, kann man gar nicht schlechter spielen, als es Pauli ohnehin tut. Wer tief fallen will, muss erstmal hoch fliegen. BfA-Saisonprognose: Pauli 14.-17. Gladbach 14.-18.

Bayern-Hoffenheim 4:0

Premium Entertainment boten die Bayern gegen die in Vergessenheit geratenden Hoffenheimer. Nach langer Pause sah man endlich wieder Franck Ribery und Arjen Robben miteinander spielen. Es ist ein wahrer Segen, dass dieses Duo zusammenspielt und das auch noch in der Bundesliga. Die Bayern gaben einen erfrischenden Einblick in die verstaubte Schatztruhe ihres technischen Vermögens. Ein Banause, wer da nicht ins Schwärmen gerät. Die Leistung gegen die TSG ist ein Muster des fußballerischen Potenzial, das in diesem Scheißverein steckt (Seminardeutsch: Ihm inhärrent ist).

Die vier Tore waren – um es mit Marcel Reif zu sagen – symptomatisch. Gomez lässt sich ein drittes Gelenk ins Beinwachsen bevor er sich zum 1:0 verrenkt, Müller bereitet sein eigenes Tor halb sitzend selbst vor und Arjen Robben macht sie einfach alle nass. Niemand verkörpert diesen FCB besser als der Trainer: Ein Arschloch sondergleichen, dem man im Stillen allerdings Respekt zollen muss. Hoffenheim macht den siebten Platz für uns frei und gehört nach wie vor eh nicht in die Bundesliga. BfA-Saisonprognose: Bayern 2.-3. Hoffenheim 10.-13.

Lautern-Dortmund 1:1

Ach sind die toll diese Dortmunder. Die sind ja alle so jung – hurra. So der Tenor der Berichterstattung zum BVB. Natürlich ist die Bilanz der Borussen beeindruckend. Der kritische Fan sollte allerdings nicht übersehen, was hinter dem Hype um die halbstarken Möchtegernmeister steckt: Die Spieler haben keine Ahnung vom Leben.

Hochgezogen in artifiziellen Fußballinternaten schnitt man sie bereits vor der Pubertät von der Gesellschaft ab um sie für den kommerziellen Massensport profitabel zu machen. So kommt es, dass Hummels, Großkreutz und Konsorten bereits die Wappen von Bundesligaclubs trugen, bevor sie in den Stimmbruch kamen. Kein Wunder also, dass so arrogante Bonzen wie Mario Götze dabei rauskommen, die in jedem Interview so tun als hätten sie den Fußball erfunden und bei Spielen zwischen Oktober und März einen Schal (EINEN SCHAL!) tragen. Kein Wunder ist es auch, dass die Burschen sofort einknicken und zu Mama Klopp laufen, sobald es mal nicht mehr rund läuft.

Trägt die Brille nur, um seine Augen an der Flucht aus diesem Dummkopf zu hindern: Jürgen Klopp

Klopp gefällt sich ja seit Jahren in seiner Rolle als bester Freund / Papa der Spieler und alle finden das total klasse. Klopp ist allerdings nicht der Typ Vater, der einen mit der Weisheit seines Alters auf das Leben vorbereitet, einem Disziplin, Selbstkritik und Bescheidenheit lehrt. Klopp ist der Typ Vater, der beim Lehrer anruft wenn ihm die Note nicht passt und seinen Sohn “Kumpel” nennt um seine Kinder unwissentlich zu abhängigen Weichlingen zu erziehen.

So auch beim BVB. Die haben zwar fast alles gewonnen. Aber in Drucksituationen sind sie dumm und schwach wie Kinder. Die Bundesliga haben sie bisweilen dominiert. Doch was war das für eine Liga? Eine Liga, in der Freiburg, Hannover und Mainz sich auf den internationalen Plätzen tummeln wars. Eine Liga, in der die großen Teams fast kollektiv versagt haben. Und außerhalb der Liga? Wie wirkte sich die Einwechslung der Dortmunder noch gleich auf das Spiel gegen Italien aus? Wo steht der BVB im DFB-Pokal und wie weit ist er in der Europa-League? Draußen ist er. Weil er unreif ist.

Das zeigt sich dieser Tage mehr denn je: Gewinnt der BVB ein Spiel, spulen alle Beteiligten ihre Standartphrasen ab. Doch läuft nicht alles nach ihrem Gusto offenbaren die Dortmunder das hässliche Gesicht eines börsennotierten Scheißvereins. Trainer und Spieler überbieten sich in Respektlosigkeit. Da stellt sich ein Matz Hummels hin und tut den Ausgleich der Lauterer als Sonntagsschuss ab, tut so, als hätten sich die Götter gegen den BVB verschworen. Sonntagsschuss ist auch so ein Unwort. Was soll das heißen? Das der Ball nur so geil rein ging, weil er so geil getroffen wurde? Darf man dann nur noch zufällige Stolpertore á la BVB geil finden? Oder kann man es einem abstiegsbedrohten Traditionsverein nicht einfach mal gönnen, dass sie den fußballerischen Höhepunkt des Spiel gesetzt haben?

Klopp geht im Interview noch weiter, widerspricht Stefan Effenberg und pöbelt auch noch gegen den Schiri. Und der Rasen (der in Dortmund, wie wir seit dem Italien-Spiel wissen stets in formidablem Zustand ist…) sei ja auch eine Zumutung gewesen. Wuäääh wuähhhhh – heul heul. Jürgen Klopp hat dem deutschen Fußball mindestens soviele Aussetzer zugemutet wie dem Privatfernsehen Werbespots. Er ist so kompetent wie Großkreutz schlau ist und so professionell wie die Bierfreunde enthaltsam. Der Zorn der katholischen Kirche soll mich mit voller Wucht treffen, wenn der Typ nochmal ne liebenswürdige Mannschaft trainiert.

Mit dem ebenso späten wie wunderschönen Tor der Lauterer gegen Dortmund ließen die Borussen bereits zum dritten Mal in der Rückrunde Punkte liegen – mit neun Punkten im laufenden Kalenderjahr stehen sie gerade mal auf Rang vier (und werden am Mittwoch noch vom HSV überholt, der mit dem Sieg gegen Pauli die Rückrundentabellenspitze mit 12 Punkten stürmen wird). Zehn Punkte haben die Dortmunder Bubis noch auf Leverkusen – in zwölf Spielen alles andere als uneinholbar.

Fritz Walter würde sich im Grab umdrehen, wenn er diese Götzes mit Schal über den Rasen tänzeln und sich über eine Matschfütze im Rasen beschweren sähe. Er stiege wahrscheinlich aus der Hölle herauf auf den Platz und würde die Dortmunder vor betäubender Atmosphäre niederkämpfen. So wie seine Nachfolger am Samstagabend. Lautern darf sich über einen verdienten Punkt freuen und sich als Gewinner fühlen – weil Dortmund die Rolle des schlechten Verlierers übernahm. BfA-Saisonprognose: Lautern 13.-16. Dortmund 2.-6.

Alle Daten zum vergangenen Spieltag bei Fussballdaten.de

Alle Daten zum kommenden Spieltag bei Fussballdaten.de

13

Feb 11

Drei Rückkehrer und ein Todespfeil

von Hannibal Hubner

Viele böse Niederlagen mussten wir gegen den VWL Wolfsburg in den letzten Jahren hinnehmen. Diese unerfreuliche Serie fand am Samstag ein trockenes Ende: HSV 1 – Wolfsburg 0. Kein Spiel zum, das man bei Facebook posten müsste, wenn es ein Foto wäre. Wenig Chancen, wenig Geschwindigkeit und ein Tor vom Elfmeterpunkt. Das leidenschaftlichste an dieser Begegnung waren die Augenbrauen von Pierre Littbarski.

Wären die Wölfe nur halb so beweglich, kompakt und sortier wie die mimischen Scharniere ihres Trainers Gesicht, wären die drei Punkte nicht so einfach zu bekommen gewesen. Doch das waren sie nicht. Sie waren scheiße. Ipso facto genügte den Rothosen eine durchschnittliche Leistung für den so wichtigen Sieg.

Mausetot die Wölfe - trotz oder gerade wegen der ganzen Autos auf der Welt.

Mausetot die Wölfe - trotz oder gerade wegen der ganzen Autos auf der Welt.

Ruud bleibt dem Vernehmen nach allerdings trotz der drei Punkte ein Thema bei Medien und Fans. Der Weltstar vergab eine 100-prozentige und lieferte sich dadurch dem Verdacht aus, nicht vollen Einsatz zu zeigen. Eine Gedanke, dem die Bierfreunde entschlossen entgegen treten wollen.

Alle, die auf Ruud wegen der Real-Geschichte rumhacken scheinen einer maßvollen Beurteilung der Lage unfähig zu sein. Bei Ruud van Nistelrooy handelt es sich nicht um einen kleinen Buben, den der HSV aus der dritten Welt gerettet hat um ihn dann im Internat aufzubauen. Auch hat der HSV Ruud van Nistelrooy nicht vor dem Ruin bewahrt, ihn bei einem Entzug unterstützt oder ihm sonst irgendwelche Dienste erwiesen. Ruud van Nistelrooy, verehrte Leserinnen und Leser, ist niemand geringeres, als der beste Stürmer des vergangenen Jahrzehnts.

Der Vertrag beim HSV war keine nette Geste und das Angebot einer Unterkunft. Er ist der ehrliche Ausdruck des Verlangens von Ruud, seine Karriere nicht auf der Bank zu beenden sondern auf dem Platz. Dass der HSV ausgerechnet der Verein ist, bei dem er seine letzten Tage zu verbringen plante ist eine Sensation. Ein Segen, der noch immer – über ein Jahr nach seiner Verpflichtung – jeden echten HSV-Fan die Gänsehaut aufs Kreuz treiben sollte.

Einem solchen Spieler, einem der besten Fußballer zu Lebzeiten der Bierfreunde Alstertal, ist grundsätzlich ein gewisses Maß an Respekt, ja an Ehrfurcht entgegen zu bringen. Überdies ist Ruud weder vorzuwerfen, dass er sich von Reals Angebot geschmeichelt fühlte, noch wie er sich benommen hat. Nach 13 Jahren im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, tiefgebräunt von der Sonne des Erfolges, hat sich so mancher für unfehlbar und unantastbar gehalten. Ruuds Verhalten hingegen war menschlich, ehrlich und Fans und Manschaft gegenüber absolut korrekt.

Ruud, wir freuen uns, dass Sie mindestens zum Saisonende bleiben und – das muss man auch mal dürfen – danken dem Vorstand, dass er sie nicht nur geholt, sondern auch gehalten hat. Soviel dazu.

Jansen, Joris und CB zurück auf dem Geläuf
Grund zur Freude bietet der zweite Blick auf die Partie. Da wäre zunächst der Treffer des Magiers, der bei aller Verletzung und der Konkurrenz im Sturm gerne vergessen wird. Nicht von uns. Außerdem kehrten einige verlorene Söhne in die Stammelf zurück, die den Grundstein pflastern werden für den Weg nach Europa. Dem Himmel sei dank kehrte Joris in die Innenverteidigung zurück. Kaum zu ertragen war – bei aller Liebe – der Anblick, als blutjunge Nachwüchsler und Quereinsteiger aus dem Mittelfeld seinen Posten in letzter Zeit übernahmen. Nur der Anblick dieser Vertretungen ließen den Zuschauer in Erwartung des Versagens im Scham versinken – wer schonmal einem jungen Pastor bei einer Predigt oder einem Erasmusstudenten beim Referat zusah kennt dieses Gefühl nur zu gut. Doch jetzt ist der Klassensprecher wieder da und sorgt in der Innenverteidigung für Ordnung.

Ebenso frohlockten die Bierfreunde über die Rückkehr von Marcel Jansen. Das Herz reißt es einem in Stücke wenn man überlegt, wie oft der Fluch der Verletzung diesen Marcel Jansen verhinderte. Zwar war seine Leistung in Wolfsburg nicht überragend. Die Qualitäten des Nationalspielers schimmerten allerdings wieder durch: Aufbauend auf einem traditionellen Verständnis deutschen Fußballs zeigt er bei jedem Auftritt totale Leistungsbereitschaft. Er rennt den Flügel hoch, kämpft den Ball bis zur Grundlinie durch und drischt ihn mit letzter Kraft in den Strafraum. Jansen ist fleißig, stark und durchaus erfolgreich.

Etwas schade ist, dass Jansen nicht wie gewohnt auf der hinteren Außenbahn, sondern direkt im Mittelfeld zum Einsatz kam. Der Grund dafür ist eine einfache Rechnung: Er ist dazu in der Lage, sich auf Strafraumhöhe in der eigenen Hälfte den Ball zu erkämpfen und ihn bis an die gegnerische Grundlinie durchzuboxen – warum sollte er dann erst bei der Mittellinie damit anfangen? Vor allem besetzte Jansen damit aber den Platz eines weiteren seltenen Gastes in der Stammelf dieser Saison: Eljero Elia.

Der Holländer ist ähnlich anfällig wie Jansen, davon abgesehen allerdings ein vollkommen anderer Spieler. Von null auf hundert in zwei Sekunden – und genauso schnell steht er wieder. Technisch ist Elia sicherlich einer der besten Spieler der Bundesliga und auch noch mit 22 Jahren ihr größtes Talent. In der niederländischen Nationalelf zeigte Elia sein Vermögen mal wieder der ganzen Welt. Und die wird nicht lange dabei zusehen, dass der Junge bei uns auf der Bank vergammelt. Also nichts wie auf den Platz mit Eljero Elia!

Last, but somehow first, Collin Benjamin. Seitdem es die Bierfreunde gibt hat es kein Spieler so lange beim HSV ausgehalten wie Collin. Um mal zu illustrieren, wie lang er schon für uns spielt: 2001, nachdem Pauli ihn abgelehnt hatte, unterschrieb er beim HSV – gleichzeitig kehrte Jörg Albertz nach Hamburg zurück, wofür der HSV in D-Mark bezahlte. CB fiel nie-nie-nie durch negatives Benehmen auf, hatte mit den übelsten Verletzungen zu kämpfen und schaffte es doch immer wieder zurück in die Mannschaft. Collin Benjamin ist ein Schatz.

Wolfsburg darf sich nach dem Einstand Littbarskis auf den Abstiegskampf freuen, der HSV blickt vor den Hasstagen gelassen nach oben. Siege werden beim HSV wieder zur Gewohnheit, Leistungsträger kehren ins Team zurück und die Zwergenaufstände der kleinen Vereine verhallen auf dem langen Flur der Rückrunde – Europa ist vorprogrammiert. Mit einem Spiel (und das wohlgemerkt gegen St. Pauli…) weniger und sechs Punkten Rückstand auf die Bayern schnuppert der HSV an den Eiern der Championsleague. BfA-Saisonprognose: Wolfsburg 11. – 14. HSV 1.-3.