Nach der Jahrtausendpleite vom Mittwoch, für deren Aufarbeitung qua Kommentierung die Bierfreunde noch einige Zeit brauchen, haben die Versager von 2/16 das Fortbestehen der Hamburger Fankultur zunächst gesichert. Das zweitwichtigste Heimspiel der Saison ging mit 4:0 an die Rothosen.

Die Götter schickten uns in den schwierigsten Minuten der bierfreundlichen Geschichte die schwächste Werder-Elf in ebendieser. Doch auch unseren Spielern merkte man an, dass sie nach der Niederlage vom Mittwoch den Hauch einer Ahnung davon bekommen haben könnten, welche Dimension ihr schreckliches Versagen hat und noch haben wird.

Kaum Applaus für Scheiße

Aus dieser Situation heraus ergab sich eine schwache erste Hälfte, in der der HSV etwas weniger schlecht spielte. Mit dem akrobatischen 1:0 kurz vor der Pause retteten sich die Hamburger vor einem beißenden Pfeifkonzert, das sie eigentlich verdient hatten. Aber wer kann schon jemandem böse sein, der gerade die Führung gegen Bremen erzielt hat?

In der zweiten Hälfte ließen sich die HSV-Spieler ab und zu für einen sehenswerten Angriff begeistern – diese unglaublich schwachen Bremer waren selbst für die Derby-Versager zu verlockend. Gute Aktionen von Petric und Piet sowie die Treffsicherheit Guerreros und Be-Hatiras machten den erfreulichen Sieg schließlich komplett und zogen die Mundwinkel der Bierfreunde erstmals seit 2/16 wenigstens wieder in die Horizontale.

Natürlich war es kein Heimsieg gegen Pauli. Und nicht mal ein Heimsieg gegen Pauli würde die unbeschreibliche Schande vom Mittwoch vergessen machen können. Doch eine bescheidene historische Bedeutung kann auch diesem Spiel beigemessen werden. Zunächst für diese Saison: Der HSV ist nur noch einen Punkt von der Europa League entfernt während Werder nur noch ein Punkt vom Relegationsplatz 16 trennt.

Werder schlechter als in der Abstiegssaison

Die Niederlage gegen Pauli war das Schlimmste für den HSV seit 33 Jahren. Doch der Sieg gegen Werder war der höchste Sieg der Saison, der höchste Derbysieg in der Geschichte der Bierfreunde (seit einem 4:0 Heimsieg ’89) und die 500. Niederlage der Werder-Geschichte. Der HSV ist nach dem 4:0 in der ewigen Tabelle der Bundesliga nur noch drei Punkte hinter Werder – die Bremer spielen ihre schwächste Saison seit 36 Jahren. Ja Werder steht sogar schlechter da als in der Abstiegssaison 1980.

Es ist schade, dass diese Fakten im Schatten von 2/16 verblassen. Die Reaktion der Mannschaft war wenigstens OK. Sollten wir eines schönes Tages die Ereignisse vom Mittwoch verdaut haben, können wir uns dann ja vielleicht etwas über dieses Wochenende freuen. Vögel zwitschern zudem, dass der HSV vor der Verpflichtung von Chelsea Chefscout und -Sportchef Arnesen stehen.

Das wäre eine angemessene Verpflichtung für die baldige Rückkehr nach Europa. Doch auch wenn die gelingt. Der Stachel der Schande sitzt noch so tief im bierfreundlichen Bewusstsein, dass jedes Lob, jede Freude und jede Sympathie für den HSV äußerst vorbehaltlich sind. Um mit der Mannschaft wieder anstoßen zu können ist es noch zu früh, auch wenn ein erster Schritt getan ist, ist noch nicht absehbar ob sich das Verhältnis zwischen Präsidium und Team je wieder normalisiert. Die Abstiegsfeier für Werder kann so oder so gebucht werden – Infos dazu und zur Derbynachlese folgen.