von Hannibal Hubner

Viele böse Niederlagen mussten wir gegen den VWL Wolfsburg in den letzten Jahren hinnehmen. Diese unerfreuliche Serie fand am Samstag ein trockenes Ende: HSV 1 – Wolfsburg 0. Kein Spiel zum, das man bei Facebook posten müsste, wenn es ein Foto wäre. Wenig Chancen, wenig Geschwindigkeit und ein Tor vom Elfmeterpunkt. Das leidenschaftlichste an dieser Begegnung waren die Augenbrauen von Pierre Littbarski.

Wären die Wölfe nur halb so beweglich, kompakt und sortier wie die mimischen Scharniere ihres Trainers Gesicht, wären die drei Punkte nicht so einfach zu bekommen gewesen. Doch das waren sie nicht. Sie waren scheiße. Ipso facto genügte den Rothosen eine durchschnittliche Leistung für den so wichtigen Sieg.

Mausetot die Wölfe - trotz oder gerade wegen der ganzen Autos auf der Welt.

Mausetot die Wölfe - trotz oder gerade wegen der ganzen Autos auf der Welt.

Ruud bleibt dem Vernehmen nach allerdings trotz der drei Punkte ein Thema bei Medien und Fans. Der Weltstar vergab eine 100-prozentige und lieferte sich dadurch dem Verdacht aus, nicht vollen Einsatz zu zeigen. Eine Gedanke, dem die Bierfreunde entschlossen entgegen treten wollen.

Alle, die auf Ruud wegen der Real-Geschichte rumhacken scheinen einer maßvollen Beurteilung der Lage unfähig zu sein. Bei Ruud van Nistelrooy handelt es sich nicht um einen kleinen Buben, den der HSV aus der dritten Welt gerettet hat um ihn dann im Internat aufzubauen. Auch hat der HSV Ruud van Nistelrooy nicht vor dem Ruin bewahrt, ihn bei einem Entzug unterstützt oder ihm sonst irgendwelche Dienste erwiesen. Ruud van Nistelrooy, verehrte Leserinnen und Leser, ist niemand geringeres, als der beste Stürmer des vergangenen Jahrzehnts.

Der Vertrag beim HSV war keine nette Geste und das Angebot einer Unterkunft. Er ist der ehrliche Ausdruck des Verlangens von Ruud, seine Karriere nicht auf der Bank zu beenden sondern auf dem Platz. Dass der HSV ausgerechnet der Verein ist, bei dem er seine letzten Tage zu verbringen plante ist eine Sensation. Ein Segen, der noch immer – über ein Jahr nach seiner Verpflichtung – jeden echten HSV-Fan die Gänsehaut aufs Kreuz treiben sollte.

Einem solchen Spieler, einem der besten Fußballer zu Lebzeiten der Bierfreunde Alstertal, ist grundsätzlich ein gewisses Maß an Respekt, ja an Ehrfurcht entgegen zu bringen. Überdies ist Ruud weder vorzuwerfen, dass er sich von Reals Angebot geschmeichelt fühlte, noch wie er sich benommen hat. Nach 13 Jahren im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, tiefgebräunt von der Sonne des Erfolges, hat sich so mancher für unfehlbar und unantastbar gehalten. Ruuds Verhalten hingegen war menschlich, ehrlich und Fans und Manschaft gegenüber absolut korrekt.

Ruud, wir freuen uns, dass Sie mindestens zum Saisonende bleiben und – das muss man auch mal dürfen – danken dem Vorstand, dass er sie nicht nur geholt, sondern auch gehalten hat. Soviel dazu.

Jansen, Joris und CB zurück auf dem Geläuf
Grund zur Freude bietet der zweite Blick auf die Partie. Da wäre zunächst der Treffer des Magiers, der bei aller Verletzung und der Konkurrenz im Sturm gerne vergessen wird. Nicht von uns. Außerdem kehrten einige verlorene Söhne in die Stammelf zurück, die den Grundstein pflastern werden für den Weg nach Europa. Dem Himmel sei dank kehrte Joris in die Innenverteidigung zurück. Kaum zu ertragen war – bei aller Liebe – der Anblick, als blutjunge Nachwüchsler und Quereinsteiger aus dem Mittelfeld seinen Posten in letzter Zeit übernahmen. Nur der Anblick dieser Vertretungen ließen den Zuschauer in Erwartung des Versagens im Scham versinken – wer schonmal einem jungen Pastor bei einer Predigt oder einem Erasmusstudenten beim Referat zusah kennt dieses Gefühl nur zu gut. Doch jetzt ist der Klassensprecher wieder da und sorgt in der Innenverteidigung für Ordnung.

Ebenso frohlockten die Bierfreunde über die Rückkehr von Marcel Jansen. Das Herz reißt es einem in Stücke wenn man überlegt, wie oft der Fluch der Verletzung diesen Marcel Jansen verhinderte. Zwar war seine Leistung in Wolfsburg nicht überragend. Die Qualitäten des Nationalspielers schimmerten allerdings wieder durch: Aufbauend auf einem traditionellen Verständnis deutschen Fußballs zeigt er bei jedem Auftritt totale Leistungsbereitschaft. Er rennt den Flügel hoch, kämpft den Ball bis zur Grundlinie durch und drischt ihn mit letzter Kraft in den Strafraum. Jansen ist fleißig, stark und durchaus erfolgreich.

Etwas schade ist, dass Jansen nicht wie gewohnt auf der hinteren Außenbahn, sondern direkt im Mittelfeld zum Einsatz kam. Der Grund dafür ist eine einfache Rechnung: Er ist dazu in der Lage, sich auf Strafraumhöhe in der eigenen Hälfte den Ball zu erkämpfen und ihn bis an die gegnerische Grundlinie durchzuboxen – warum sollte er dann erst bei der Mittellinie damit anfangen? Vor allem besetzte Jansen damit aber den Platz eines weiteren seltenen Gastes in der Stammelf dieser Saison: Eljero Elia.

Der Holländer ist ähnlich anfällig wie Jansen, davon abgesehen allerdings ein vollkommen anderer Spieler. Von null auf hundert in zwei Sekunden – und genauso schnell steht er wieder. Technisch ist Elia sicherlich einer der besten Spieler der Bundesliga und auch noch mit 22 Jahren ihr größtes Talent. In der niederländischen Nationalelf zeigte Elia sein Vermögen mal wieder der ganzen Welt. Und die wird nicht lange dabei zusehen, dass der Junge bei uns auf der Bank vergammelt. Also nichts wie auf den Platz mit Eljero Elia!

Last, but somehow first, Collin Benjamin. Seitdem es die Bierfreunde gibt hat es kein Spieler so lange beim HSV ausgehalten wie Collin. Um mal zu illustrieren, wie lang er schon für uns spielt: 2001, nachdem Pauli ihn abgelehnt hatte, unterschrieb er beim HSV – gleichzeitig kehrte Jörg Albertz nach Hamburg zurück, wofür der HSV in D-Mark bezahlte. CB fiel nie-nie-nie durch negatives Benehmen auf, hatte mit den übelsten Verletzungen zu kämpfen und schaffte es doch immer wieder zurück in die Mannschaft. Collin Benjamin ist ein Schatz.

Wolfsburg darf sich nach dem Einstand Littbarskis auf den Abstiegskampf freuen, der HSV blickt vor den Hasstagen gelassen nach oben. Siege werden beim HSV wieder zur Gewohnheit, Leistungsträger kehren ins Team zurück und die Zwergenaufstände der kleinen Vereine verhallen auf dem langen Flur der Rückrunde – Europa ist vorprogrammiert. Mit einem Spiel (und das wohlgemerkt gegen St. Pauli…) weniger und sechs Punkten Rückstand auf die Bayern schnuppert der HSV an den Eiern der Championsleague. BfA-Saisonprognose: Wolfsburg 11. – 14. HSV 1.-3.