von Hildegard Nguyen

Ma was anderes: Bremen verliert nicht, Schalke gewinnt sogar und Dortmund setzt zum Köpfer von der Tabellenspitze an. Die Bierfreunde zum 22. Spieltag.

Schalke-Freiburg 1:0

Felix Magath hat die Matrix durch seinen Beitritt bei Facebook milde gestimmt. Ein Popup guten Karmas bescherte Schalke folglich den ersten Heimsieg seit Jahresfrist. Den Breisgauern aus Freiburg war des Wurscht – nach zuletzt sechs Spielen ohne Niederlage steht der Exclub von Richi Golz fabelhaft da. BfA-Saisonprognose: Schalke 13.-17. Sport Club 7.-10.

Köln-Mainz 4:2

Also ob Köln oder Mainz gewinnt is nu wirklich scheißegal. BfA-Saisonprognose: Köln 13.-17. Mainz 8.-11.

Stuttgart-Nürnberg 1:4

Bruno Labbadia bleibt seiner Linie treu und verzapft offenbar auch mit Stuttgart eine mieserable Rückrunde. Blöd für die Schwaben, dass für eine sensationelle Hinserie wie bei Bayer und dem HSV keine Zeit bleibt. 1:4 ist nie ein schönes Ergebnis, doch gegen (bei aller Liebe…) Nürnberg mit 1:4 zu verlieren ist nun wirklich eine Erfahrung, die eigentlich Zweitligisten vorbehalten sein sollte. Immerhin leiht man ja Spieler wie Julian Schieber an Clubs wie den FCN aus, weil man beide für unterlegen und und ihr Handeln für folgenarm hält – genau wie man halt Günther Oettinger zum Umweltkommissar der EU macht oder ein Opelwerk in Ostdeutschland baut.

Schaffe', schaffe', Bahnhöfle versenke' - Der Fußballsport kommt beim Wutbürger der Liga zu kurz.

Julian Schieber hat am Samstag allerdings weder eine englische Pressekonferenz gegeben, noch hat er hässliche Modelle auf den Markt gebracht. Er hat ein Tor geschossen und eins vorbereitet. Schön für dem Club, ehrlichen Glückwunsch! Bitter ist das für den VfB. Die Bierfreunde sind in der Bewertungskonferenz zum Spieltag darin übereingekommen, dass ein Abstieg Stuttgarts abzulehnen ist. Auf Basis von Erfahrungen aus den 90er Jahren (Klinsi, das magische Dreieck usw. usf.) und der Veh-Ära zeichnet die Erinnerung des erweiterten Präsidiums ein Bild vorsichtiger freundschaftlicher Schraffur, versiegelt durch den Klarlack der kulturellen Verbundenheit zwischen HH-City und Benztown (ASD/Stuttgarter Weinfest auf dem Rathausmarkt etc.).

Der OFC bietet dem VfB daher eine vorbehaltliche Bierfreundschaft an und richtet gute Grüße aus. Schließend sei noch der Hinweis auf die sich aufdringende Verknüpfung des unterirdischen Autritts des VfBs mit Stuttgart 21 erlaubt, die Sie, liebe Leser, bitte als Hausaufgabe in einem käcken Schlagsatz artikulieren oder sie in einer von 350 Tageszeitungen, die diesem verlockend tagesaktuellen Gleichnis ebenfalls erlegen sind, abschreiben. BfA-Saisonprognose: VfB 12.-16. FCN 8.-11.

Pauli-Gladbach 4:0

Nach dem 3:0 gegen Köln schickt Pauli also auch Gladbach mit drei Dingern nachhause. Tjaja, Gladbach und Köln, da fühlt sich Pauli wohl. Schade für die Braunen, dass es nächste Woche nicht heim gegen Eintracht Braunschweig geht, sondern auswärts gegen den HSV… Trotzdem darf man in der Hafenstraße zufrieden sein, die Vorbereitung auf die zweite Liga läuft prächtig. Den Hang zur Zweitklassigkeit zeigte Pauli unter der Woche, als man sich am Heiligen Geist dem Vorwurf der wiederholten Ergebnismanipulation ausgesetzt sah.

Allein die Tatsache, dass Paulispiele ins Visier der Ermittler geraten zeigt, wo der Verein hingehört. Kein Mensch verschiebt Spiele von Mannschaften, deren Ergebnisse der Welt und den Fans etwas bedeuten. Da bleibt dann fast nur Pauli. Auf eine niedliche Art und Weise erstligauntauglich war außerdem die Moral des Trainers, der sich in einer tränenrührenden Proklamation für seine Spieler verbirgte. Neben der offenbar mieserablen Pressearbeit erlaubte sich der Pressemann auch noch einen Witz, den die Bierfreunde im guten Mittelfeld der zweiten Liga ansiedeln würden. Den können wir leider nicht wiederholen, weil wir uns in diesen Gefilden nicht auskennen.

Doch heben wir uns den Hass für Mittwoch auf: De tout facon müssen die Bierfreunde eine Lanze für die kleinen Braunen brechen. “Stani” ist ein guter Mann – kein guter Trainer oder irgendwas sonst mit Fußball – aber n Guter isser schon. Er ist vereinsgebunden, bodenständig und in der Verbrüderung mit seinen Spielern auf eine hanseatische Art und Weise viel erträglicher und nicht halb so heuchlerisch wie etwa Klopp. Die Bierfreunde glauben nicht, dass Pauli Spiele gefälscht hat. Abgesehen davon, dass eine Wette auf eine Pauli-Niederlage niemals besonders lukrativ sein dürfte, kann man gar nicht schlechter spielen, als es Pauli ohnehin tut. Wer tief fallen will, muss erstmal hoch fliegen. BfA-Saisonprognose: Pauli 14.-17. Gladbach 14.-18.

Bayern-Hoffenheim 4:0

Premium Entertainment boten die Bayern gegen die in Vergessenheit geratenden Hoffenheimer. Nach langer Pause sah man endlich wieder Franck Ribery und Arjen Robben miteinander spielen. Es ist ein wahrer Segen, dass dieses Duo zusammenspielt und das auch noch in der Bundesliga. Die Bayern gaben einen erfrischenden Einblick in die verstaubte Schatztruhe ihres technischen Vermögens. Ein Banause, wer da nicht ins Schwärmen gerät. Die Leistung gegen die TSG ist ein Muster des fußballerischen Potenzial, das in diesem Scheißverein steckt (Seminardeutsch: Ihm inhärrent ist).

Die vier Tore waren – um es mit Marcel Reif zu sagen – symptomatisch. Gomez lässt sich ein drittes Gelenk ins Beinwachsen bevor er sich zum 1:0 verrenkt, Müller bereitet sein eigenes Tor halb sitzend selbst vor und Arjen Robben macht sie einfach alle nass. Niemand verkörpert diesen FCB besser als der Trainer: Ein Arschloch sondergleichen, dem man im Stillen allerdings Respekt zollen muss. Hoffenheim macht den siebten Platz für uns frei und gehört nach wie vor eh nicht in die Bundesliga. BfA-Saisonprognose: Bayern 2.-3. Hoffenheim 10.-13.

Lautern-Dortmund 1:1

Ach sind die toll diese Dortmunder. Die sind ja alle so jung – hurra. So der Tenor der Berichterstattung zum BVB. Natürlich ist die Bilanz der Borussen beeindruckend. Der kritische Fan sollte allerdings nicht übersehen, was hinter dem Hype um die halbstarken Möchtegernmeister steckt: Die Spieler haben keine Ahnung vom Leben.

Hochgezogen in artifiziellen Fußballinternaten schnitt man sie bereits vor der Pubertät von der Gesellschaft ab um sie für den kommerziellen Massensport profitabel zu machen. So kommt es, dass Hummels, Großkreutz und Konsorten bereits die Wappen von Bundesligaclubs trugen, bevor sie in den Stimmbruch kamen. Kein Wunder also, dass so arrogante Bonzen wie Mario Götze dabei rauskommen, die in jedem Interview so tun als hätten sie den Fußball erfunden und bei Spielen zwischen Oktober und März einen Schal (EINEN SCHAL!) tragen. Kein Wunder ist es auch, dass die Burschen sofort einknicken und zu Mama Klopp laufen, sobald es mal nicht mehr rund läuft.

Trägt die Brille nur, um seine Augen an der Flucht aus diesem Dummkopf zu hindern: Jürgen Klopp

Klopp gefällt sich ja seit Jahren in seiner Rolle als bester Freund / Papa der Spieler und alle finden das total klasse. Klopp ist allerdings nicht der Typ Vater, der einen mit der Weisheit seines Alters auf das Leben vorbereitet, einem Disziplin, Selbstkritik und Bescheidenheit lehrt. Klopp ist der Typ Vater, der beim Lehrer anruft wenn ihm die Note nicht passt und seinen Sohn “Kumpel” nennt um seine Kinder unwissentlich zu abhängigen Weichlingen zu erziehen.

So auch beim BVB. Die haben zwar fast alles gewonnen. Aber in Drucksituationen sind sie dumm und schwach wie Kinder. Die Bundesliga haben sie bisweilen dominiert. Doch was war das für eine Liga? Eine Liga, in der Freiburg, Hannover und Mainz sich auf den internationalen Plätzen tummeln wars. Eine Liga, in der die großen Teams fast kollektiv versagt haben. Und außerhalb der Liga? Wie wirkte sich die Einwechslung der Dortmunder noch gleich auf das Spiel gegen Italien aus? Wo steht der BVB im DFB-Pokal und wie weit ist er in der Europa-League? Draußen ist er. Weil er unreif ist.

Das zeigt sich dieser Tage mehr denn je: Gewinnt der BVB ein Spiel, spulen alle Beteiligten ihre Standartphrasen ab. Doch läuft nicht alles nach ihrem Gusto offenbaren die Dortmunder das hässliche Gesicht eines börsennotierten Scheißvereins. Trainer und Spieler überbieten sich in Respektlosigkeit. Da stellt sich ein Matz Hummels hin und tut den Ausgleich der Lauterer als Sonntagsschuss ab, tut so, als hätten sich die Götter gegen den BVB verschworen. Sonntagsschuss ist auch so ein Unwort. Was soll das heißen? Das der Ball nur so geil rein ging, weil er so geil getroffen wurde? Darf man dann nur noch zufällige Stolpertore á la BVB geil finden? Oder kann man es einem abstiegsbedrohten Traditionsverein nicht einfach mal gönnen, dass sie den fußballerischen Höhepunkt des Spiel gesetzt haben?

Klopp geht im Interview noch weiter, widerspricht Stefan Effenberg und pöbelt auch noch gegen den Schiri. Und der Rasen (der in Dortmund, wie wir seit dem Italien-Spiel wissen stets in formidablem Zustand ist…) sei ja auch eine Zumutung gewesen. Wuäääh wuähhhhh – heul heul. Jürgen Klopp hat dem deutschen Fußball mindestens soviele Aussetzer zugemutet wie dem Privatfernsehen Werbespots. Er ist so kompetent wie Großkreutz schlau ist und so professionell wie die Bierfreunde enthaltsam. Der Zorn der katholischen Kirche soll mich mit voller Wucht treffen, wenn der Typ nochmal ne liebenswürdige Mannschaft trainiert.

Mit dem ebenso späten wie wunderschönen Tor der Lauterer gegen Dortmund ließen die Borussen bereits zum dritten Mal in der Rückrunde Punkte liegen – mit neun Punkten im laufenden Kalenderjahr stehen sie gerade mal auf Rang vier (und werden am Mittwoch noch vom HSV überholt, der mit dem Sieg gegen Pauli die Rückrundentabellenspitze mit 12 Punkten stürmen wird). Zehn Punkte haben die Dortmunder Bubis noch auf Leverkusen – in zwölf Spielen alles andere als uneinholbar.

Fritz Walter würde sich im Grab umdrehen, wenn er diese Götzes mit Schal über den Rasen tänzeln und sich über eine Matschfütze im Rasen beschweren sähe. Er stiege wahrscheinlich aus der Hölle herauf auf den Platz und würde die Dortmunder vor betäubender Atmosphäre niederkämpfen. So wie seine Nachfolger am Samstagabend. Lautern darf sich über einen verdienten Punkt freuen und sich als Gewinner fühlen – weil Dortmund die Rolle des schlechten Verlierers übernahm. BfA-Saisonprognose: Lautern 13.-16. Dortmund 2.-6.

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