Schlechter als Frankreich sind bei dieser WM nur die Schiedsrichter. Im Spiel der Südafrikaner gegen „la Schande Nation“ Frankreich zog der Referee die sechste glatte rote Karte des Turniers. Kaum ein Platzverweis, schon gar nicht der gegen Gourcuff, aber auch nicht die gegen Cahill oder Behrami, war berechtigt. Dafür ließen die „Unparteiischen“ zahlreiche harte Fouls, wie im Spiel Elfenbeinküste-Argentinien oder das doppelte Handspiel Fabianos, gänzlich unbestraft. Eine heftige Bilanz, wenn man bedenkt, wie sehr die krassen Fehlentscheidungen das Turniergeschehen schon jetzt beeinflusst haben.
"Ich sach raus, aber schnell!" Viel zu schnell zücken die Schiris bei dieser WM die Karten und liegen auch sonst, wie hier Stephane Lannoy im Spiel Brasilien-Elfenbeinküste, extrem oft daneben.
Wirklich aggressiv kann man werden, wenn man sich die Äußerungen von FIFA-Schiedsrichter-Chef José María García-Aranda zu Gemüte führt. Die Oberpfeife ist mit den Leistungen seiner Gefolgsleute „sehr, sehr zufrieden“, man habe bisher exzellente Schiedsrichterleistungen bei dieser WM gesehen. Das ist ganz schön bescheuert. Aber was soll man von einem spanischen Schiri bei dieser WM schon erwarten…
Fehler kämen eben vor, das sei der menschliche Faktor, sagt er und vergleicht die Schiedsrichter mit den Spielern. Wenn ein Spieler den Ball meterweit über das Tor schösse, würde man das ja auch akzeptieren. Eine unglaubliche Scheiße, die der Typ da vom Stapel lässt. Natürlich regt man sich auf, wenn ein Spieler eine Torchance versämmelt, wie etwa Poldi den Elfer gegen Serbien. Aber darum geht es gar nicht.
Die maßlose Frechheit dieses Vergleichs liegt in der Gleichstellung von Schiris und Spielern: Man guckt ein Spiel nicht, um tolle Schiedsrichterleistungen zu sehen. Man guckt ein Spiel der Spieler und des Spiels wegen. Oder anders gesagt: Nach einer tollen Schiedsrichterleistung geht ja auch kein Mensch in den Fanstore und kauft sich ne Trillerpfeife und ein Schiedsrichtertrikot! Der Vergleich zeigt, wie selbstverliebt die Referees teilweise sind.
Auch der Schiedsrichter, der im Spiel Deutschland-Serbien satte 12 gelbe Karten verteilte, war äußerst zufrieden mit sich selbst: „Ich muss mich nicht entschuldigen, es gab nichts, was ich mir vorwerfen muss.” sagte Alberto Undiano am Montag. Das ist nicht nur selbst einen Platzverweis wert, denn Schiedsrichter dürfen sich zu den WM-Spielen laut FIFA-Regeln nicht äußern, sondern auch Ausdruck einer unerträglichen Arroganz der Spielleiter.
Die zeigt sich auch in der kollektiven Ablehnung des Video-Beweises. Was in anderen Sportarten und sogar bei FIFA-Lehrgängen für Schiedsrichter Gang und Gebe ist und jede der krassen Blindheiten einfachst hätte beheben können, wird für den Fußball seit Jahren strikt abgelehnt. „Das macht das Spiel kaputt“ lautet das häufigste und eigentlich einzige Argument der Video-Gegner.
Wie kann ein Spiel ohne Fehlentscheidungen dem Sport, der fairen Ermittlung eines Siegers, schaden? Ist es im Umkehrschluss auch schlecht für das Spiel, soll man sich darüber ärgern, wenn ein Schiedsrichter mal eine fehlerlose Partie pfeift? Kokolores.
Selbst die Fußballprominenz, die einen bei krassen Fehlentscheidungen ja normalerweise mit Äußerungen wie „man darf nicht alles auf den Schiri schieben“, „das sind auch nur Menschen“ oder „wir hätten trotzdem gewinnen müssen“ provoziert, legt sich bei dieser WM fest: Was die da pfeifen ist einfach nur arm.
Günni Netzer machte der Schiedsrichter des Serbienspiels „verrückt“, der sonst so besonnene Ottmar Hitzfeld empfiehl dem Schiedsrichter nach dem Spiel der Schweiz gegen Chile, er solle lieber wieder am Strand pfeifen und Deutschlands Schiri-Titan Dr. Markus merk sprach gar von Wettbewerbsverzerrung: Die Diskrepanz zwischen Regeln und ihrer Auslegung auf dem Platz sei gravierend, „und es sind ja keine Einzelfälle. Das wird sich durch das ganze Turnier ziehen.” stellte Merk fest, bis heute hat er Recht behalten.
Seit dem Hoyzer-Skandal tragen Siege von Außenseitern, die auf Fehlentscheidungen basieren, einen faden Beigeschmack. Denn je überraschender ein Sieg ist, desto höher sind die Quoten, die er einigen wenigen beschert. Zu diesem Zeitpunkt sollte man noch keine Verschwörungstheorien breittreten. Aber es fällt schon schwer zu glauben, dass die heftigen und zahlreichen „Ausrutscher“ der Schiris allein auf deren Unzulänglichkeit zurückzuführen sind.
Doch nicht nur die Schiedsrichter selbst, sondern auch alles, was die FIFA mit ihnen macht ist ziemlich arm. Zum Beispiel die Ansetzung und Auswahl der Schiedsrichter. Das Serbienspiel ließ man einen Spanier pfeifen. Den Landsmann eines direkten Titelfavoriten der deutschen Mannschaft – da sitzt sone gelbe Karte vielleicht auch lockerer als sonst. Aber nagut, man kann ja nicht nur Japaner und Franzosen die ganzen Topspiele pfeifen lassen.
Abenteuerlicher ist da schon die Besetzung des Spiels gegen Ghana: Dafür hat die FIFA einen Schiri geladen, der in der brasilianischen Liga, die nicht unbedingt als die unbestechlichste der Welt gilt, gerade wegen schwerem Korruptionsverdacht für mehrere Wochen gesperrt war. Kein Grund für die FIFA, ihn nicht das wichtigste Sportturnier der Welt pfeifen zu lassen.
Den Vogel schießt der Weltverband allerdings mit der nächsten Ansetzung des deutschen Schiedsrichtertrios um Wolfgang Stark ab: Der Bundesligist pfeift das alles entscheidende letzte Gruppenspiel der Engländer. Die britischen Gazetten lecken sich jetzt schon die Finger nach Schlagzeilen für den Fall des Ausscheidens. Sollten sie nicht ausscheiden, die ollen Briten, könnten sie bekanntlich im Achtelfinale auf uns treffen. Noch besser also, dieses Spiel von nationaler Bedeutung vom Erzfeind pfeifen zu lassen.
Auch der Kaiser, selbst FIFA-Funktionär, ist sauer über die katastrophale Schiedsrichterpolitik des Weltverbandes: “Warum kriegt man das nicht hin? Früher hat man das Schiedsrichtergespann von allen Erdteilen zusammengestellt. Jetzt hat man Teams aus einem Land, und trotzdem funktioniert’s nicht.” fragt sich Beckenbauer.
Tja, früher war halt alles besser. Das sagt auch Schirirendner Merk auf die siebenjährige Amtszeit des Oberschiris García-Aranda zurückblickend: „Alle Schiedsrichter werden in ein Korsett gezwungen. Das ist ganz bitter. Die Schiedsrichter sind bei der WM derart verunsichert, dass sie entweder total gehemmt oder ganz kleinlich pfeifen. Das beeinflusst die Ergebnisse beim Turnier.“
Früher, ja früher gab‘s noch echte Kerle an der Pfeife. Einem Dr. Pierluigi Collina reichte ein fieser Blick, da hielten die Spieler auf dem Platz die Fresse. Auch Merk, laut ewiger Rangliste der International Federation of Football History and Statistics nach Collina der zweitbeste Schiri aller Zeiten, wusste sich ohne Karten zu helfen. Aber „starke Charaktere will man jetzt nicht mehr haben“ weiß Merk, „die Kommission interessiert ohnehin mehr, ob die Rote Karte mit der rechten oder linken Hand gezeigt wird.“
Eine Fußballweltmeisterschaft muss die erste Sahne des Fußballsports versammeln. Für eine Weltmeisterschaft braucht es die besten Teams, die besten Trainer, die besten Fans, die besten Stadien und die besten Schiedsrichter der Welt. Wenn diese Pfeifen, die weltbesten ihrer Art sein sollen, dann gibt es kaum einen Grund dafür, sie nicht sofort wieder in ihre Zahnarztpraxen und Anwaltskanzleien zu schicken und gleich ohne Regeln spielen zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass es sich bei den Schiedsrichtern dieser WM tatsächlich nur dumme, blinde, ärmliche Idioten aus einem kleinlichen, sturen Weltverband handelt und nicht um ein internationales Konsortium aus Robert Hoyzers…