Der beste Stürmer des vergangenen Jahrzehnts ist in Hamburg eingetroffen. Der HSV beginnt mit dem wohl spektakulärsten Transfer seit Kevin Keegan eine neue Ära: Der Charme eines internationalen Spitzenvereins kehrt zurück an die Elbe – Europa ist gewarnt. Uwe Seeler unterstellt dem Mega-Star gewohnt fachmännisch: „Er hat die richtige Nase für Tore“ aus der Geschäftsstelle der Bierfreunde Alstertal heißt es noch differenzierter „dies ist ein Transfer-Hammer von immenser Tragweite, ein Wintermärchen erster Güte. Van Nistelrooy ist nicht nur ein herausragender Spieler – sondern auch ein ganz besonderer Mensch“. Im Kontrast zu Glanz und Gloria der Verpflichtung des Holländers steht der Auftritt in Dortmund am Wochenende und der lange, stinkende Atem des Verletzungspechs. Die Bierfreunde erlauben sich einen kleinen Ausblick und stellen drei Modelle für den Verlauf der Rückrunde vor.

Modell 1
Rud van Nistelrooy absolviert eine Woche individuellen Trainings und steht gegen Köln erstmals für den HSV auf dem Platz. Bei einem Trainingsunfall in der folgenden Woche stößt er mit Zé Roberto zusammen. Beiden reißen zahlreiche Bänder, Knochen zerbersten unter der Energie des Aufpralls, dass das Blut nur so spritzt. Mladen Petric erkrankt an einer geheimnisvollen Zauberkrankheit und fällt ebenfalls LEBENSLÄNGLICH aus. Der HSV scheidet aus der Europa League aus, Bremen gewinnt das Finale in Hamburg gegen Eindhoven. Der HSV verliert die Relegation gegen St. Pauli und steigt mit Hannover und Werder Bremen ab. Bernd Hoffmann entlässt in Folge dessen alle Funktionäre und sich selbst, wofür er im folgenden Jahr einen Bambi bekommt. Rostock und Cottbus steigen auf den ersten beiden Plätzen auf.

Modell 2
Rud van Nistelrooy absolviert eine Woche individuellen Trainings und steht gegen Köln erstmals für den HSV auf dem Platz. Er wird in der 60. Spielminute eingewechselt, gleicht zum 3:3 aus und bereitet den Siegtreffer durch Eljero Elia vor. In den folgenden vier Spielen trifft Van the Man vier Mal und bereitet weitere sieben Tore vor. Der HSV steht mit drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Mainz 05 auf dem zweiten Tabellenplatz und im Halbfinale der Europa League. In einer hitzigen Partie gegen Schalke 04 sieht van Nistelrooy Rot und wird für drei Spiele gesperrt: Ein Schlag ins Gesicht der Mannschaft, die daraufhin einbricht, Wärme und Schutz bei Familie und Freunden sucht. Die Meisterschaft geht wie erwartet an Mainz. Bastian Reinhard motiviert die Mannschaft mit der Veröffentlichung seiner satirisch-melancholischen Autobiografie „zwischen Bielefeld und Langenhorn“ zum Ende der Saison Obama-mäßig zu neuen Hochleistungen. Er krönt diesen Verdienst im Finale der Europa-League und schießt den HSV in seinem Comeback  auf dem Rasen mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Sieg gegen Werder Bremen. Tim Wiese erklärt auf einer bewegenden Pressekonferenz, dass er keinen Penis hat. Hertha, Gladbach und Bremen steigen ab, Augsburg, Lautern und Pauli auf.

Modell 3
Rud van Nistelrooy absolviert eine Woche individuellen Trainings und steht gegen Köln erstmals für den HSV auf dem Platz. In den restlichen 14 Bundesliga spielen gelingt es dem dreifachen Torschützenkönig der Champions League, seine Trefferquote aus Madrid-Zeiten aufrecht zu erhalten. In der Europa League hat sich Markus Berg ganz prächtig entwickelt und die Führung in der Torschützenliste übernommen. Mladen Petric gelingt im Finale gegen Werder Bremen ein Hattrick, beim Stande von 5:0 läuft Frank Rost nach vorne und verwandelt einen Freistoß gegen Tim Wiese aus 28 Metern direkt. In der Bundesliga gibt weiter van Goal den Ton an: Er schießt mit dem Siegtreffer gegen Werder sein 9. Tor bevor Tim Wiese ihm per Roundhouse-kick das Genick bricht. Van Nistelrooy stirbt und geht als Martyrer in die Geschichte des HSV und dessen siebte Deutsche Meisterschaft ein, Tim Wiese wird per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen, seine Karriere bei einem belgischen Zweitligisten fortzusetzen. So wie alle anderen Stammpieler von Werder Bremen auch. Hertha BSC, Werder Bremen (durch die Niederlage beim HSV) sowie Schalke 04 (zwangsweise wegen illegaler Spenden an die Bundesregierung) steigen ab, Union Berlin,  der KSC und St. Pauli steigen auf. Zu Beginn der Sommerpause wird überraschend bekannt, dass Van Nistelrooy überhaupt gar nicht tot ist, sondern noch viele, viele Tore für den HSV schießen wird.

Wegen der Erfahrung der letzten Jahre sahen wir uns gezwungen, alle denkbaren Richtungen, die die Saison noch nehmen kann, in unseren Modellen abzubilden. Die Schlussphase der letzten Saison muss eine Warnung sein, gibt sie uns doch die historische Verantwortung, so etwas nie mehr in unserer Stadt geschehen zu lassen. Um Ihnen, verehrte Leser (dear readers), die Möglichkeit einer durchtrainierten, choreografierten Emotionsperformance zum Ende der Saison zu bieten geben wir Ihnen diesen Prognosenkatalog an die Hand. Wir in unseren Modellen also zwei Extremfälle und einen HSV-typischen Mittelwert konstruiert.
Die Ausgangssituation, die ernstzunehmenden Titelambitionen unseres heutigen HSV hatte bisher jeder Trainer seit dem Jara Kurtl. Titel? Fehlanzeige!
Wenn wir aber zu Beginn dieses bierfreundlichen Zukunftssenfs festgestellt haben, dass der HSV sich mit dem Nistelrooy-Projekt in neue, uns 87ern unbekannten Dimensionen bewegt, müssen wir feststellen, dass Modell 3 nüchtern betrachtet das realistischste ist. Es ist von einer erfolgreichen, gesegneten Rückrunde auszugehen.
Die Bierfreunde freuen sich außerordentlich über den überragenden Transfer des 64-fachen Länderspielers VAN NISTELROOOOOOY und gratulieren Bruno Labadia, Bernd Hoffmann, vor allem aber sich.
(pos)