Sankt Georg – Die Bierfreunde Alstertal folgten am Dienstagabend der Einladung Marcel Reich Ranickis und sahen sich im neuen Hamburger Schauspielhaus “Dorfpunks – Die Blüten der Gewalt” an.

Vor allem Felix Kramer als "Sören" (links) und Heinz Strunk ("Fleisch ist mein Gemüse") überzeugten in einer interessanten Partie die 2000 Zuschauer
Wenn die BfA sich am S-Bahnhof Poppenbüttel treffen, hat mindestens einer immer eine Plastiktüte mit einigen Bieren dabei. Jedes Mal lässt sich ein weiterer Bierfreund davon inspirieren und verdoppelt zum doppelten Preis die Anzahl der Bierflaschen am Kiosk am Bahnsteig. Jedes Mal wird das Bier dann gemütlich in aller Öffentlichkeit stilecht in der Bahn verzehrt bis irgendwer zwischendurch feststellt, dass sie auch schon wieder ganz gut ein in der Birne haben und sie dann jedes Mal am Hauptbahnhof das Gleis wechseln um nach der Arena hin zu fahren. Fast jedes Mal, denn gestern stiegen sie am Hauptbahnhof aus, um ins Theater zu gehen.
Eine siebenköpfige Delegation der Bierfreunde, darunter alle drei Hamburger Präsidiumsmitglieder (der Rechts-Außen erholt sich derzeit von seiner glücklicherweise ohne Geschlechtsverlust überstandenen Pest in diversen Amüsierbetrieben Berlins), gab sich das von Autor Rocko Schamoni und Studio Braun inszenierte Bühnenstück und erkannte hier und da auch biographische Elemente der BfA selbst in der progressiven Vorstellung.
“Dorfpunks” erzählt von dem Leben jugendlicher Kleinstädter, die im ländlichen Schleswig-Holstein verzweifelt ein Stückchen Punk zu entdecken versuchen. Viel mehr noch als im Buch gelingt es den Protagonisten auf der Bühne, das besoffene, unstrukturierte, perspektivlose Leben eines jungen Menschen in den Kontrast seiner spießigen, abgeschnittenen Umwelt zu setzen. Dies äußert sich nicht nur in durchgehend besoffenen Akteuren, oder psychodelischen Bühnenbildern, sondern darüber hinaus auch im unkonvetionellen, teilweise episch anmutenden Handlungsaufbau. Die erdrückende Routine des Alltags und die nüchterne Erkentnis, dass alle Gleichgesinnten dem gleichen Scheiß ausgesetzt sind, sind die tragischen Leitmotive einer Geschichte, die die Erlebnisse einer Jugend im Alstertal überspitzt aber doch teilweise erschreckend analog abbildet.
“Du kannst 200 Jahre alt werden ohne einmal Sex zu haben, aber wenn du zwei Wochen nicht kacken gehst, stirbst du.”
Es sind vor allem diese melancholischen Wahrheiten, die im Leben so oft ungehört verhallen, die “Dorfpunks” zu einem wertvollen Fingerzeig auf die Unterdrückung jugendlicher Energie fernab der sogenannten Ballungszentren macht. Der rurale Käfig, den man auch in Sasel oder Duvenstedt all zu gut nachvollziehen kann, treibt die Hauptdarsteller in eine Spirale der Isolation: Kein Bock auf Anpassung – keine Möglichkeit sich zu produzieren – Dosenbier – Arbeitsverdruss – Drogen usw. usf. Mit Rocko Schamoni (bürgerlich übrigens Tobias Albrecht und u.a. Betreiber des Golden Pudel Clubs), einem starken Felix Kramer und dem Hamburger DIE PARTEI Vorsitzenden Heinz Strunk, aber auch allen anderen Beteiligten ist der Créme de la créme der hamburger Satire Szene ein glaubwürdiges, aussagekräftiges und nicht zuletzt mitunter extrem lustiges <<Fuck You>> ans spießbürgerliche Deutschland gelungen, von dem die Bierfreunde Alstertal vor allem eines lernten: Es gibt schlimmeres, als in Duvenstedt aufzuwachsen.(pos)
“Es gibt schlimmeres, als in Duvenstedt aufzuwachsen”
Der Strunk is ja auchn reiner Guter! Ich erinnere mal an das Weltgrößte Fettes Brot Konzert inner CoLinA!
Gibt es etwas besseres?
Warn tolles Stück
Wir sollten uns öfter solche kulturellen Spritzen setzen Kinner!